Technikeinsatz in der Pflegearbeit

Technologisierung der Pflegearbeit? Bestandsaufnahme und Perspektiven einer neuen Schlüsselbranche


Forschungsschwerpunkt: Wohlfahrtsstaat

Status: Abgeschlossen

Projektende: 31.03.2015

Projektnummer: 2012-608-4

Projektziel:

Ein verstärkter Technikeinsatz in der Altenpflege soll dem Anspruch nach zugleich die Lebensqualität der Pflegebedürftigen verbessern und die Arbeit der Pflegekräfte erleichtern. Das Projekt richtet den Blick auf die Pflegearbeit der Zukunft und auf die arbeitspolitischen Chancen, aber auch die Voraussetzungen und Risiken, die in einer verstärkten Rolle der Technik in diesem Bereich liegen.

Veröffentlichungen:

Hielscher, Volker, Lukas Nock und Sabine Kirchen-Peters, 2015. Technikeinsatz in der Altenpflege. Potenziale und Probleme in empirischer Perspektive, 166Saarbrücken: Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft, 166 Seiten.

HBS-06212

Hielscher, Volker, Lukas Nock und Sabine Kirchen-Peters, 2015. Technikeinsatz in der Altenpflege. Bericht zum Forschungsprojekt "Technologisierung der Pflegearbeit? Bestandsaufnahme und Perspektiven einer neuen Schlüsselbranche", Saarbrücken, 163 Seiten.

Hielscher, Volker, 2014. Technikeinsatz und Arbeit in der Altenpflege. Ergebnisse einer internationalen Literaturrecherche, iso-Report. Berichte aus Forschung und Praxis 1, Saarbrücken: Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft, 42 Seiten.

Weitere Informationen:

Projektseite des Kuratorium Deutsche Altershilfe

http://www.kda.de/technikeinsatz-in-der-pflegearbeit.html

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Im Zuge des demografisch bedingten steigenden Pflegebedarfs auf der einen und des im Bereich der Pflege bereits existierenden Fachkräftemangels auf der anderen Seite wird Technik eine herausragende Rolle zur Abfederung des sich abzeichnenden "Pflegenotstands" zugeschrieben. Technik soll dabei im besten Falle zugleich die Lebensqualität der Pflegebedürftigen verbessern und die Arbeit der Pflegekräfte erleichtern. Die "Technologisierung der Pflegearbeit" trifft zudem auf eine Branche, die in den letzten beiden Dekaden einem tief greifenden Strukturwandel und einem hohen Ökonomisierungsdruck ausgesetzt ist. Das Projekt leistet aus der Perspektive der Pflegekräfte, der Einrichtungen wie auch der Technikentwicklung eine Bestandsaufnahme zu den Anforderungen und Grenzen eines sinnvollen Technikeinsatzes. Jenseits technikoptimistischer Szenarien (wie etwa den Robotereinsatz in der Pflege) fokussiert die Studie dabei auf Techniktypen, die bereits heute im Pflegealltag eingesetzt werden.

2. Fragestellung

Mit den empirischen Erhebungen des Projekts soll folgenden Fragestellungen nachgegangen werden:

1. Welche Varianten von Technik und welche Verbreitung des Technikeinsatzes sind in der ambulanten und stationären Pflege in der Praxis bedeutsam?

2. Welche betrieblichen Strategien bestehen für den Einsatz von Technik, wie ist ein solcher Technikeinsatz mit der Arbeitsorganisation verknüpft?

3. Welche Bedarfe und Nutzererwartungen knüpfen die Beschäftigten an Technikunterstützung im Arbeitsprozess?

4. Welche Erfahrungen liegen zu den Implementationsprozessen bei der Einführung neuer Techniken und zur Praxis der Nutzerintegration in die Technikentwicklung vor?

5. Welche Auswirkungen bringt ein verstärkter Technikeinsatz für die Arbeitsanforderungen und den Pflegeprozess mit sich?

6. Welche Anforderungen stellt die Technologisierung der Pflegearbeit an die Qualifikationen und Kompetenzen der Beschäftigten; welche Perspektiven ergeben sich für eine Aufwertung des Berufsfeldes?

3. Untersuchungsmethoden

Das methodische Design umfasst folgende Komponenten:

- International vergleichende Literaturstudie zu Technikentwicklung und Technikeinsatz,

- Praxisfeldanalyse zur Techniknutzung in der Altenpflege in Deutschland,

- Experteninterviews zu den Rahmenbedingungen des Technikeinsatzes,

- Qualitative Fallstudienanalysen zur Praxis des Technikeinsatzes bei Hebe- und Tragehilfen, bei der EDV-gestützten Dokumentation, bei der Personenortung und bei der außerklinischen Intensivpflege,

- Workshopreihe mit Expert/innen und Praktiker/innen zur Reflektion der Ergebnisse sowie der Entwicklung von Transferstrategien.

4. Darstellung der Ergebnisse

Die untersuchten Technologietypen greifen in unterschiedlichem Ausmaß in die Arbeitsorganisation ein: Sehr weitgehend wird die Organisation der außerklinischen Intensivpflege von den medizinisch-technischen Notwendigkeiten her determiniert, während sich bei den anderen Technologieanwendungen weniger starke Wirkungen auf Strukturen und Prozesse zeigen. Auch die Anforderungen an die Qualifikationen und Kompetenzen des Personals variieren.

In allen Anwendungsfeldern jedoch sind die Pflegekräfte vor eine neue Anforderung gestellt: Sie müssen die Nutzung bzw. Anwendung der Technologie gegenüber den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen aktiv "vermitteln", sei es durch Information, sei es durch Herstellung von Vertrauen oder durch das Überzeugen der von der Techniknutzung "Mit"-Betroffenen.

Insgesamt ist der verstärkte Technikeinsatz in der Pflege weder einheitlich positiv noch negativ zu beurteilen. Eine "win-win-win"-Situation, in der die Einrichtungen, die Beschäftigten und die Pflegebedürftigen vom Technikeinsatz gleichermaßen profitieren, ergibt sich nicht von selbst, sondern bedarf einer aktiven Gestaltung der Einsatzbedingungen durch die betrieblichen und politischen Akteure.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Dr. Volker Hielscher

Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (iso)

hielscher@iso-institut.de

Bearbeiter/in:

Christine Sowinski

Kuratorium Deutsche Altershilfe Wilhelmine-Lübke-Stiftung e.V.

christine.sowinski@kda.de

Dr. Sabine Kirchen-Peters

Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (iso)

kirchen-peters@iso-institut.de

Lukas Nock

Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (iso)

nock@iso-institut.de

Kooperationspartner:

Kuratorium Deutsche Altershilfe Wilhelmine-Lübke-Stiftung e.V.

Kontakt:

Dr. Dorothea Voss

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

dorothea-voss@boeckler.de

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