Projektbeschreibung
Kontext
Gesamtwirtschaftliche Tendenzen zur Reorganisation von Produktion und Distribution durch Mittel wie outsourcing, Produktionsverlagerung und Vernetzung von Wertschöpfungsprozessen werden immer mehr durch Unternehmen aus dem Bereich Transport und Logistik realisiert. Die Umbrüche innnerhalb des Sektors sind dabei weitreichend, aber selten sozialwissenschaftlich untersucht. Neben dem Einsatz von elektronischen Vernetzungstechnologien, dessen Ausmaß aktuell eher überschätzt wird, verändern die Unternehmen die Beschäftigung sowohl im Volumen wie auch in der Qualität durch neue Organsiationsformen, neue Selbständigkeit, die Abdrängung von Kleinunternehmen in "de facto Subunternehmen" . Gekennzeichnet ist die Branche durch weitgehende Deregulierungen und Konzentrationsprozesse, die eine transnationale sektorale Reorganisation zur Folge haben.
Fragestellung
Das Projekt stellte sich die Frage nach Gestaltungspotentialen und Auswirkungen der elektronischen Vernetzung entlang von Wertschöpfungsketten im Transport- und Logistiksektor. Dabei wurde zunächst übergreifend die These eines quantitativen Beschäftigungswachstums in diesem Bereich hinterfragt. Es wurde nach "best practise"-Modellen und daraus abzuleitenden Handlungsoptionen für die Adressaten: Unternehmen, neue Selbständige, Träger der Mitbestimmung und politische Aktuere gesucht. Dazu waren die ökonomischen Rahmenbedingungen des Strukturwandels ebenso wie die Trends der informationstechnischen Innovation zu rekonsturieren.
Untersuchungsmethoden
Systematisch wurde die Forschungsarbeit an Leitfragen mit unterschiedlichen Aggregationsebenen ausgerichtet. Nach der Sichtung und Analyse von beschäftigungsrelevanten Rahmendaten auf der Makroebene wurden mit höherem Detaillierungsgrad die branchenspezifischen Prozesse auf einer mittleren Ebene rekonstruiert. Einzelfallstudien in ausgewählten Unternehmen dienten dazu, die gewonnenen Ergebnisse zu überprüfen und beispielhaft Entwicklungen in der betrieblichen Praxis konkret zu identifizieren. Neben der Zusammenführung und Auswertung verfügbaren statistischen Materials und einer Bestandsaufnahme der in Betracht kommenden Vernetzugstechnologien analysierten wir die im Zuge der Europäisierung veränderten Europäischen Regulierungsstrukturen. Bei den betrieblichen Einzelfallstsudien stützten wir uns auf leitfadenorientierte Experteninterviews mit Beteiligten und Betroffenen.
Darstellung der Ergebnisse
- Das oftmals postulierte quantitative Beschäftigungswachstum im Bereich von Transport und Logistik wird überschätzt. Eine dynamisierte Betrachtung zeigt hier einen mit der allgemeinen Beschäftiungsentwicklung vergleichbaren Verlauf.
- Die Analyse von Teilbereichen der Logistik, nach Verkehrsträgern differenziert, zeigt, dass die festzustellenden Produktivitätssteigerungen und Rationalisierungeffekte nicht in erster Linie auf den Einsatz von IuK-Technologien und die elektronische Vernetzung zurückzuführen sind. Bedeutsamer sind hier Marktöffnungen und Reregulierungen der Güterverkehrsmärkte.
- Einzelfallstudien zeigen, dass betriebliche Gestaltungsoptionen für die Träger der Mitbestimmung vorhanden sind, diese aber in internationalisierten Handlungskontexten in ihrer Durchsetzung problematisch sein können, da sie in jeweils nationalen Rechtsrahmen verankert sind.