Aktuelle Studie : Bahnindustrie: Technologische Führungsrolle annehmen und Deutschland zum Referenzmarkt für modernste Bahntechnik ausbauen
11.09.2026
Rekord-Auftragseingänge, technologische Spitzenkompetenz und ein wachsendes Investitionsvolumen kennzeichnen die aktuelle Situation der deutschen Bahnindustrie. Das ergibt eine neue von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Branchenanalyse, die die auf die Verkehrsbranche spezialisierte Beratungsgesellschaft SCI Verkehr im Vorfeld der Fachmesse InnoTrans 2026 erstellt hat. Deutschland kann gezielt als Referenzmarkt für moderne digitale Bahntechnik genutzt werden, so die Studie. Auf der Grundlage umfassender Daten der gesamten Wertschöpfungskette entwickelt die Untersuchung zentrale Handlungsfelder für Forschung, Politik und Wirtschaft. Die Expert*innen empfehlen:
- Deutschland zum Referenzmarkt zu machen, indem neue Technologien und digitale Lösungen schneller eingeführt, in der Fläche skaliert und international sichtbar gemacht werden.
- Die internationale Wettbewerbsfähigkeit aktiv zu flankieren, indem Partnerschaften, Finanzierung und mittelständische Strukturen gezielt unterstützt werden.
- Industrie- und Verkehrspolitik enger zu verzahnen, indem es durch verstetigte Investitionen deutlich mehr Planungssicherheit gibt (siehe auch die unten verlinkten Zusatzinformationen).
- Qualifikation und Digitalisierung durch die Sicherung von vorhandenen und dem systematischen Aufbau neuer digitaler Kompetenzen zu stärken.
Die Studie hebt die grundsätzlich gute wirtschaftliche und technologische Ausgangssituation der deutschen Bahnindustrie hervor. Der Umsatz der Bahnindustrie entwickelt sich positiv, besonders sichtbar wird das im Hochlauf der Infrastruktur. Im Fahrzeuggeschäft bleibt die Nachfrage im Heimatmarkt dagegen hinter den Erwartungen. Auffällig auch, dass in den vergangenen Jahren in Deutschland mehr als 400 bahnbezogene Patente pro Jahr angemeldet wurden. Das ist im europäischen Vergleich ein Spitzenwert. Die Studie betont, die Aufgabe liege nun darin, diese innovative Kraft schneller in den regulären Betrieb zu bringen und im Heimatmarkt zu skalieren.
Gerade die Digitalisierung der Infrastruktur bietet ein großes Wachstums- und Innovationspotential. So sind in Deutschland beim europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS derzeit weniger als zwei Prozent des Netzes mit ETCS ausgerüstet; bis 2030 sollen 24 Prozent des deutschen TEN-T-Netzes erreicht werden, also des deutschen Anteils an einem von der EU definierten Netz wichtiger europäischer Bahnverbindungen. Das Sondervermögen und die deutlich höheren Investitionen in die Schiene schaffen dafür neue Spielräume. Entscheidend, so die Studie, ist nun, die vielen Einzelprojekte zu einem verlässlichen Pfad zusammenzufügen. Mit einer langfristigen Perspektive können Industrie und Betreiber Kapazitäten aufbauen und Deutschland zum Referenzmarkt für digitale Bahntechnik weiterentwickeln.
Standort als Hebel für industrielle Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit
Im globalen Wettbewerb gewinnt ein verlässlicher Heimatmarkt an Bedeutung, zumal auch direkte Exporte aus deutschen Werken anspruchsvoller geworden sind. Die Studie verweist deshalb auf die Notwendigkeit, den Standort Deutschland durch hochwertige Entwicklungs-, Integrations- und Serviceleistungen – vom Engineering und der Systemintegration über Komponenten und Software bis zu Instandhaltung und Modernisierung – weiterzuentwickeln. Dabei gilt es, die internationale Wettbewerbsfähigkeit durch strategische Partnerschaften, politische Begleitung sowie geeignete Finanzierungs- und Absicherungsinstrumente insbesondere für mittelständische Anbieter aktiv zu flankieren.
Auch die sehr unterschiedlichen Transformationspfade der deutschen Bahnstandorte (von Umbau und Überführung in den Bereich Verteidigung, dem Verkauf von Werken an internationale Hersteller oder auch noch offene Perspektiven) sind Thema der Studie. Auch hier gilt: Eine verlässliche Nachfrage im Heimatmarkt und klare Investitionspfade sind die Voraussetzungen, um auf lange Sicht Produktion, Service und qualifizierte Beschäftigung in Deutschland zu sichern.
Generationenwechsel als Modernisierungschance
In der Bahnindustrie steht ein Generationenwechsel an: Die Studie beziffert Herausforderungen, Chancen und Handlungsperspektiven für den Aufbau neuer Kompetenzen in Digitalisierung, Software und Systemintegration. So sind beispielsweise im Schienenfahrzeugbau 25 Prozent der Beschäftigten 55 Jahre oder älter; zugleich verfügen 87 Prozent der Beschäftigten über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen akademischen Abschluss. Werden Investitionen in Infrastruktur und digitale Systeme konsequent mit Qualifizierung verbunden, kann der Übergang zu einer modernen, digitalen Bahn beschleunigt werden.
Kontakt
Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Weitere Informationen
Mark Vetter, Tristan Mittelhaus und Katharina Dörkßen: Branchenanalyse Bahnindustrie - Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven. Working Paper Forschungsförderung Nr. 420, August 2026.
Zum Download (pdf)
Zusatzinformationen in einer Pressemitteilung der IG Metall zur Bahnindustrie.
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