Nachwuchsförderung: Maria-Weber-Grants: Hans-Böckler-Stiftung zeichnet herausragende junge Wissenschaftler*innen aus
17.07.2026
Sie stecken mitten in einer Rush-Hour des (akademischen) Lebens: junge Wissenschaftler*innen, die sich in der Post-Doc-Phase befinden oder eine befristete Juniorprofessur innehaben. Sie müssen forschen und publizieren, Lehrveranstaltungen geben und Verwaltungsarbeit übernehmen, sich austauschen und vernetzen, teilweise in Kombination mit Kinderbetreuung. Und zugleich immer den akademischen Arbeitsmarkt im Blick halten.
Das macht Fördermittel wie die Maria-Weber-Grants der Hans-Böckler-Stiftung umso wertvoller. Die Grants sind benannt nach der stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes von 1972 bis 1982. Sie geben ausgewählten Hochschulbeschäftigten die Möglichkeit, sich für einige Zeit vorrangig auf ihre Forschungsarbeit zu konzentrieren – eine wesentliche Voraussetzung, um eine feste Professur zu erhalten. Die Grants dienen dazu, für ein oder zwei Semester eine Teilvertretung für die Lehrverpflichtungen der Preisträger*innen zu finanzieren. Dafür erhalten die Hochschulen der Geförderten bis zu 60.000 Euro über zwei Semester Förderung durch das Begabtenförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes.
In diesem Jahr werden zwei Wissenschaftler*innen mit Maria-Weber-Grants ausgezeichnet (ausführlichere Portraits finden Sie im unten verlinkten Dossier):
Dr. Isabel M. Habicht ist Soziologin und aktuell Akademische Rätin an der Bergischen Universität Wuppertal. 2024/2025 war sie als John F. Kennedy Memorial Fellow an der Harvard University. Habichts Forschungsschwerpunkt im Rahmen ihrer Habilitation liegt in der Geschlechter- und Familiensoziologie. Dabei beschäftigt sie sich vor allem mit geschlechtsspezifischer Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt sowie mit den politischen und institutionellen Rahmenbedingungen, die solche Ungleichheiten beeinflussen oder verstärken können. Auch wenn sich in den letzten Jahrzehnten bei der Erwerbstätigkeit von Frauen, bei Rollenbildern und Familienmodellen eine Menge getan habe: „Geschlechterungleichheiten verschwinden nicht einfach – sie verändern vielmehr ihre Form“, betont die Sozialwissenschaftlerin.
Dr. Jonas Heller ist Philosoph und Historiker. Der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Goethe-Universität Frankfurt am Main war Gastwissenschaftler an der Columbia University in New York, der Universität Chicago und der Pariser Sorbonne. In seiner Forschung entwickelt Heller ein neues, philosophisch fundiertes Konzept historischen Wandels. Dessen analytischer Wert liegt darin, dass es auch Konstellationen historischen Stillstands erfasst, etwa eine wachstumsgetriebene Konsumgesellschaft, die an ihre Grenzen gekommen ist, aber trotzdem an gewohnten Lebensstilen festhält. „Es geht darum, wie eine blockierte Lage ihre eigene Überwindung befördern kann“, sagt Heller.
Isabel M. Habicht und Jonas Heller bekommen beide den Grant für jeweils zwei Semester.
Der Maria-Weber-Grant wird jeweils zum September eines Jahres ausgeschrieben und richtet sich an Habilitierende sowie Juniorprofessor*innen aller Fachrichtungen. Der Grant schenkt seit 2018 zeitliche Freiräume, damit exzellente junge Forscher*innen sich profilieren und so eine Chance auf eine dauerhafte Karriere im Wissenschaftsbetrieb erhalten können. Dabei geht es keinesfalls darum, Forschung gegen Lehre auszuspielen. Die Bewerber*innen zeigen deutlich, dass gerade die Postdocs und Juniorprofessor*innen sich besonders für eine gute Lehre stark machen, sich engagieren und methodisch fortbilden in einer der wichtigsten Phasen der akademischen Karriere. Ebenso ist es ein erklärtes Ziel, gute Lehre durch stabile Beschäftigung langfristig abzusichern. Die Gewerkschaften machen sich seit Langem für eine verlässliche und faire Personalentwicklung an Hochschulen stark, auch wenn es dafür noch viel zu tun gibt.
Gleichzeitig steht dieser Grant auch für die Stärkung der Innovation und wissenschaftlichen Expertise an deutschen Universitäten. Das gilt sowohl fachlich als auch in der Förderung von Chancengleichheit für Frauen in der Wissenschaft – gut zwei Drittel der bisherigen Grant-Träger*innen sind weiblich. Gemeinsam haben alle Ausgezeichneten, dass sie sich nicht nur mit interessanten Forschungsinhalten beworben haben, sondern auch durch die hohe Qualität und Strahlkraft ihrer Arbeit nach außen überzeugen konnten.
Juniorprofessor*innen, die sich auf den Grant bewerben, müssen bereits eine positive Zwischenevaluation durchlaufen haben, Habilitierende ein fachliches Gutachten beilegen. Zusätzlich führt die Hans-Böckler-Stiftung ein Peer-Review-Verfahren durch.
Kontakt
Stefanie Nartschik-Mikami
Abteilung Begabtenförderung
Referat VIII: Hochschule / Internationales
Rainer Jung
Leiter Pressestelle