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Halle einer Papierfabrik. Pressemitteilungen

Neue Werte: IMK Konjunkturindikator: Iran-Krieg belastet die Konjunktur weiter, doch Rezessionsrisiko sinkt geringfügig

19.05.2026

Der Iran-Krieg belastet die deutsche Wirtschaft, in den vergangenen Wochen haben sich die konjunkturellen Aussichten für die kommenden Monate aber etwas stabilisiert. Das signalisiert der monatliche Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, der die neuesten verfügbaren Daten zu den wichtigsten wirtschaftlichen Kenngrößen bündelt. Für den Zeitraum von Mai bis Ende Juli 2026 weist der Indikator eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 32,2 Prozent aus. Anfang April betrug sie für die folgenden drei Monate noch 33,5 Prozent. Gleichzeitig ist aber die statistische Streuung im Indikator, die eine Verunsicherung von Wirtschaftsakteuren widerspiegelt, geringfügig gestiegen. Der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator bleibt bei „gelb-rot“. Diese Phase markiert eine erhöhte konjunkturelle Unsicherheit.

Maßgeblich für den leichten Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit sind vor allem Aufhellungen bei einigen Finanzmarktindikatoren. Dazu zählen unter anderem eine moderate Erholung der Aktienkurse sowie leicht gesunkene Risikoprämien bei Kreditausfallversicherungen für Unternehmen. Zudem haben sich die Auftragseingänge an die deutsche Industrie im März stark entwickelt. IMK-Konjunkturexperte Dr. Thomas Theobald sieht Anlass zur „Hoffnung, dass sich die im März erneut rückläufige Produktion im Produzierenden Gewerbe über die Auftragsseite über die kommenden drei bis sechs Monaten stabilisiert.“ Allerdings ist derzeit nicht absehbar, ob sich der positive Trend bei den Aufträgen angesichts des bisher ungelösten Iran-Konflikts, der erhöhten Energiepreise und gestiegenen Inflation fortsetzt. Einen stärkeren Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit verhindert hat ein Anstieg der Geldmarktzinsen, der nach Theobalds Analyse die Markterwartung widerspiegelt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in Folge des Energiepreisschocks den Leitzins erhöhen wird.

EZB-Zinserhöhungen dürften Investitionen und Wohnungsbau dämpfen, warnt Prof. Dr. Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des IMK. Gleichzeitig belasteten die höheren Energiepreise die Kaufkraft der privaten Haushalte in Deutschland und dämpften die Aussicht auf ein kräftiges Konsumplus, das in vielen Konjunkturprognosen eine wichtige Säule für verbleibende Aufschwungshoffnungen darstellt. In dieser Situation sei es wirtschaftspolitisch zentral, den Konsum nicht noch weiter zu schwächen – „etwa durch nervöse und übertriebene Diskussionen um Kürzungen bei Gesundheit oder Rente“, so Dullien. „Solche Kürzungen verunsichern aktuell die Menschen nur weiter und bremsen die Konjunktur zusätzlich.“

Kontakt

Dr. Thomas Theobald
IMK-Konjunkturexperte

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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