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Knapp jeder zehnte Beschäftigte 2014 einkommensarm: Forscher: Zunahme bei „working poor“ unterstreicht Notwendigkeit eines Mindestlohns ohne Ausnahmen

03.11.2015

Die Einkommensarmut in Deutschland hat nach aktuellen Daten zuletzt von 16,1 Prozent im Jahr 2013 auf 16,7 Prozent 2014 zugenommen. Damit waren mehr als 13 Millionen Menschen in Deutschland von Armut bedroht – das heißt, sie verfügten gemäß der gängigen wissenschaftlichen Definition über weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Einkommens. Der Anstieg des Armutsrisikos geht auf den Anstieg der Altersarmut von 14,9 auf 16,3 Prozent und auf die Zunahme der Beschäftigungsarmut von 8,6 auf 9,9 Prozent zurück. Damit ist nun praktisch jeder zehnte Beschäftigte in Deutschland von Armut bedroht, ein „working poor“.

Dies geht aus den neuesten Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat (EU-Silc Erhebungswelle 2014, Basis: Einkommensjahr 2013) hervor, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung ausgewertet hat. Nach Analyse des WSI-Sozialexperten Dr. Eric Seils unterstreicht das spürbare Wachstum der Beschäftigungsarmut in der jüngsten Vergangenheit noch einmal die Notwendigkeit, einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn zu setzen. „Die Bundesregierung hat absolut richtig gehandelt, als sie Anfang 2015 den Mindestlohn eingeführt hat. Und sie sollte konsequent bleiben und die Lohnuntergrenze nicht durch weitere Ausnahmen schwächen“, sagt Seils. „Arbeitsarmut belastet nicht nur die direkt Betroffenen und ihre Familien, sondern auch die sozialen Sicherungssysteme und die gesamte Volkswirtschaft.“

Seils´ Analyse der Eurostat-Zahlen zeigt auch, welche Folgen mit Einkommensarmut in den Mitgliedsstaaten der EU verbunden sind. Ergebnis: Armutsgefährdete in Deutschland weisen zwar einen höheren Lebensstandard auf als ein Großteil der Bevölkerung in den ärmsten Ländern der EU wie etwa Rumänien oder Bulgarien. Allerdings lebt auch hierzulande jeder zwanzigste in großem Mangel. Immerhin 13,3 Prozent der Armutsgefährdeten können ihre Wohnung nicht angemessen heizen und 19,4 Prozent von ihnen haben mit Schimmel oder Feuchtigkeit in ihrer Unterkunft zu kämpfen.

Weitere Informationen:

Eric Seils: Wie leben die Armen in Deutschland und Europa? Eine Auswertung der aktuellen Daten von Eurostat. (pdf) WSI-Diskussionspapier 202, November 2015.

Kontakt:

Dr. Eric Seils
WSI

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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