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Armando Dente Magazin Mitbestimmung

Aufsichtsrat: Wir bestimmen mit

Ausgabe 06/2022

Armando Sente ist Aufsichtsrat bei der Lanxess AG in Köln. Von Andreas Molitor

Armando Dente bringt die Dinge gern auf den Punkt. Was ihm besonders am Herzen liegt? Da muss er nicht lange überlegen. „Komplexe politische und wirtschaftliche Themen so aufbereiten, dass die Leute in der Nordkurve verstehen, was Sache ist.“

Die Antwort verrät zweierlei: Armando Dente, Leiter des Bezirks Köln-Bonn der IG BCE, hat den Draht zur Basis nie verloren. „Ich bin auf Kohle geboren und mit Emscherwasser getauft“, scherzt der 43-Jährige, der einst auf der Zeche Fürst Leopold in Dorsten Energieanlagenelektroniker gelernt hat. Und die Nordkurve? Natürlich ein Hinweis auf seine Passion als Schalke-Fan.

Als Armando Dente vor fünf Jahren Bezirksleiter wurde, rückte er als Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat des Spezialchemieherstellers Lanxess. Dort liefen die Geschäfte bestens, fast nie gab es ernsthaften Dissens im Aufsichtsrat. „Noch im ersten Halbjahr dieses Jahres haben Lanxess und die anderen großen Chemieunternehmen prächtige Ergebnisse eingefahren, obwohl der Ukrainekrieg schon in vollem Gange war“, erzählt Armando Dente. Mittlerweile verhageln die drastisch gestiegenen Stromkosten energieintensiven Unternehmen wie Lanxess das Geschäft. Über den Winter werde man mit dem Maßnahmenpaket der Bundesregierung wohl kommen, denkt Dente, „aber für die nächsten Jahre wird es darauf ankommen, dass die Industrie verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen hat“. Dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter bei Lanxess in derart schwierigen Zeiten enger zusammenrücken, findet er gut. Dente hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er nicht zu den Klassenkämpfern gehört.

Dente setzt auf Vernetzung. „Ich weiß doch nicht alles“, erklärt er, „aber ich kenne immer jemanden, den ich fragen kann – auf Arbeitnehmerseite genauso wie auf Seiten der Anteilseigner.“ Dort treffe er auf Leute, die noch Aufsichtsratsmandate in anderen Unternehmen haben. „Dadurch bekomme ich einen ganz anderen, viel weiteren Blick auf die Industrie – und das hilft mir dann wieder bei der Arbeit im Aufsichtsrat von Lanxess.“

Sein Großvater war 1951 aus Sardinien ins Ruhrgebiet gekommen. Der Vater, seit 57 Jahren IG-Metall-Mitglied und ehemaliger Vertrauensmann bei Siemens, erklärte ihm, als er sechs oder sieben war, was es auf sich hat mit den Gewerkschaften. Es war die Zeit des Kampfes um die 35-Stunden-Woche in der Metallindustrie. „Das hat mich geprägt“, sagt Armando Dente heute. Mit 29 Jahren begann er ein Traineeprogramm zum Gewerkschaftssekretär. Heute, 14 Jahre später, kennt er fast alle Bereiche der IG BCE aus eigener Erfahrung. In Hessen verdiente er sich erste Sporen als Betriebsbetreuer, in Thüringen erschloss er eine Reihe von Betrieben für die Gewerkschaft, in Westfalen arbeitete er für den Landesbezirk.

Die nächsten Ziele sind abgesteckt: gut durch die Krise kommen und die Energiewende und die Transformation vorantreiben. Das sind die großen Themen. Aber Armando Dente hat stets auch die kleinen Dinge im Blick, die keine großen Meriten bringen. Letztens machte in seinem Verantwortungsbereich ein Faserhersteller dicht. Mit seinem Team hat Dente sich dafür eingesetzt, dass genug Geld übrig blieb für eine ordentliche Abfindung. Da hängt er sich persönlich rein, auch wenn es Überstunden bedeutet. „Das ist immer noch mein absoluter Lieblingsjob“, sagt er. „Wenn ich so richtig unter Strom stehe, bin ich am besten.“

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