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Frank Bsirske, Erster Vorsitzender der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (kurz: Verdi)  beim Gründungskongress im März 2001 im Internationalen Congress Centrum (ICC) in Berlin Magazin Mitbestimmung

Rätselhaftes Fundstück: Seit 25 Jahren vereinigt

Ausgabe 01/2026

Im März 2001 schließen sich in Berlin fünf Gewerkschaften zur neuen Gewerkschaft Verdi zusammen. Die Mega-Fusion soll den Einfluss von Arbeitnehmern im Dienstleistungssektor stärken. Von Guntram Doelfs

Der bunte Blumenstrauß in der Hand von Frank Bsirske ist mehr als nur ein freundliches Geschenk. Er ist ein Gründungsstatement und ein Symbol. Als der frisch gewählte Erste Vorsitzende der neuen Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft, kurz Verdi, am 19. März 2001 im Berliner Internationalen Congress Centrum (ICC) ins Publikum winkt, ist ein neuer Gewerkschaftskoloss entstanden. Mit mehr als 2,8 Millionen Mitgliedern zum Gründungszeitpunkt ist sie die größte Gewerkschaft Deutschlands und eine der größten der Welt. Der Blumenstrauß erinnert an eine Botschaft, die später zum Slogan der jungen Gewerkschaft wird: „Aufregend bunt, beruhigend stark“.

In Berlin beschließen an diesem Tag fünf Dienstleistungsgewerkschaften den Zusammenschluss. Die Deutsche Postgewerkschaft (DPG), die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), die IG Medien und die Deutsche Angestelltengewerkschaft (DAG). Es ist ein fulminanter Schritt und zugleich die größte Veränderung seit der Gründung der Einheitsgewerkschaft nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die neue Mega-Gewerkschaft wird Beschäftigte in mehr als 1000 Berufen vertreten und mit der DAG auch Mitglieder einer Gewerkschaft an Bord haben, die bis zur Fusion nicht zum DGB-Kosmos gehört hat. Frank Bsirske schwärmt von dem neuen Projekt: „Verdi ist die gewerkschaftliche Antwort auf die veränderte Arbeitswelt, auf die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft.“

Damit deutet der Frontmann der neuen Gewerkschaft allerdings auch an: Die Fusion ist eine Notwendigkeit. Denn den Einzelgewerkschaften laufen die Mitglieder davon. Außerdem gehen Unterstützer durch den massiven strukturellen Wandel in einzelnen Branchen verloren. Dienstleistungen insgesamt indes werden für die Volkswirtschaft immer wichtiger. Auf diese Entwicklung müssen die Gewerkschaften eine Antwort finden. Doch so imposant der Zusammenschluss auch in der Rückschau wirkt, so mühsam ist der Weg dorthin.

Der Aufbau von Verdi vollzieht sich nur unter jahrelangen und erheblichen Geburtswehen und ist alles andere als frei von Komplikationen und Kontroversen zwischen den bis dahin bestehenden Einzelgewerkschaften. So sind ursprünglich an den seit 1997 laufenden Gesprächen zum Zusammenschluss zeitweise auch die Gewerkschaften Nahrung- Genuss-Gaststätten (NGG), die Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beteiligt. Diese ziehen sich aber Schritt für Schritt aus den Gesprächen zurück. Zu groß ist die Sorge, das branchenspezifische Profil zu verlieren.

Auch der erhoffte Schub für mehr Mitglieder im Dienstleistungsbereich bleibt zunächst aus. Binnen weniger Jahre verliert Verdi rund 450 000 Mitglieder, bis 2022 sinken die Zahlen, ehe die Statistik im Jahr 2023 erstmals wieder Zuwächse zeigt. Gründe dafür sind erfolgreiche Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst und sehr starke Kampagnen, etwa in der Pflege und in den Krankenhäusern. Allerdings ist es 2024 mit dem Mitgliederwachstum schon wieder vorbei. Aktuell zählt die Gewerkschaft gleichwohl rund 1,9 Millionen Mitglieder.


Rätselfragen

  1. Eine der treibenden Kräfte der Fusion war der Chef der DAG, die nicht zum DGB gehörte. Wie hieß der DAG-Chef?
  2. Für welche Partei saß Frank Bsirske bis 2025 im Bundestag? 
  3. Der Name der fusionierten Gewerkschaft erinnert an einen berühmten italienischen Opernkomponisten. Wann starb dieser Komponist?

Alle richtigen Einsendungen, die bis zum 22. März 2026 bei uns eingehen, nehmen an einer Auslosung teil.

Preise

1. Preis: Gutschein der  Büchergilde Gutenberg,  Wert 100 Euro
2.– 4. Preis: Gutschein der  Büchergilde Gutenberg,  Wert 50 Euro

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Auflösung der Rätselfragen 06/2025

  • Ennio Morricone
  • Berlin
  • Rote Angst (engl.: Red Scare) 

 

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