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: Mein Arbeitsplatz

Ausgabe 01+02/2012

Die gelernte Köchin Melanie Burwitz (34) arbeitet seit zehn Jahren für verschiedene Leiharbeitsfirmen. Mit Unterstützung der IG Metall klagt sie gegen Multi-Rental auf Lohnnachzahlung, nachdem der „christliche Tarifvertrag“ der Zeitarbeitsagentur im vergangenen Mai vom Berliner Arbeitsgericht für ungültig erklärt worden ist.

Unterwegs in Berlin „Weil ich Leiharbeiterin bin, gibt es kein Foto von mir am Arbeitsplatz. Meistens fahre ich mit der U-Bahn zur Arbeit. Ich werde immer in der Produktion eingesetzt, war schon bei Pharmawerken, einem Sicherheitsschlossbetrieb, hab Videokameras und Sauerstoffmasken produziert. Im Moment kontrollier ich bei einem kleinen Familienunternehmen Skalpelle auf Fehler und pack sie ein. Die Arbeit ist monoton und anstrengend für die Augen.

Wenn es Lücken zwischen den Einsätzen gibt, muss ich entweder unbezahlten Urlaub nehmen oder meinen Jahresurlaub. Trotzdem hat eine Entleihfirma mal verlangt, dass ich mein Handy immer bei mir trage, damit sie mich jederzeit zu einem neuen Einsatz schicken können. Auch beim Abbummeln von Überstunden ist man immer auf Abruf.

Die Festangestellten gehen inzwischen meistens nett mit uns um. Vor Jahren war das noch anders. Damals war Leiharbeit ja sehr verpönt. Da hab ich manchmal an den Kopf geknallt gekriegt, dass ich doch froh sein soll, überhaupt einen Job zu haben. So was macht mich wütend, wenn die ihre 1400 oder 1700 in der Tasche haben und ich nur läppische 750 oder 800 Euro. Oder einer, der bis vor zehn Jahren selbst Leiharbeiter war, hat mal gesagt: Jeder hat doch eine Chance. Aber das stimmt nicht. Heute ist eine Festanstellung wie ein Sechser im Lotto. Dadurch, dass die Gesetze geändert wurden und ein Leiharbeiter sein Leben lang in einer einzigen Entleihfirma arbeiten kann, wird man nie fest angestellt. In dem Betrieb, wo ich grad bin, gibt es eine, die ist schon drei Jahre da. Das ist von der Tätigkeit her wie eine Festanstellung – nur für den halben Lohn. Ich finde, dass Leiharbeit verboten werden müsste; aber das ist natürlich ein großer Traum.

In größeren Firmen hab ich schon öfters gesagt: ‚Leute, kommt doch mit!‘, wenn irgendwas war. Allein ist man ja immer angreifbar. Aber die meisten Leiharbeiter haben Schiss, den Job zu verlieren, auch wenn sie da nur sechs oder sieben Euro verdienen. In einer Schlosserfirma hatte ich mal einen Streit und bin deswegen zum Betriebsrat gegangen. Die Firma hat mich dann gleich rausgesetzt: Die wollten keine Leute, die den Mund aufmachen. Kurz danach hat mich auch Manpower gekündigt.“

Textdokumentation: Annette Jensen / Foto: Peter Bennett

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