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Peter Gabriel: Biko Magazin Mitbestimmung

Das politische Lied: Hoffnung und Protest

Ausgabe 03/2026

Peter Gabriel: Biko (1980) September 77 You can blow out a candle | But you can’t blow out a fire Once the flames begin to catch | The wind will blow it higher Oh Biko, Biko, because Biko | Oh Biko, Biko, because Biko Yihla moja, yihla moja | The man is dead, the man is dead

Am 18. August 1977 verhaftet die südafrikanische Sicherheitspolizei in King William's Town den Menschenrechtler Bantu Stephen Biko. Seit Ende der 1960er Jahre kämpft er gegen die Apartheid. Als Medizinstudent hat er die Studentenorganisation SASO gegründet, der nur  Schwarze beitreten können. Biko zählt zu den bekanntesten Köpfen der Antiapartheid-Bewegung Black Consciousness Movement.

Sein Anliegen: das Selbstbewusstsein der schwarzen Bevölkerung zu stärken. Der Bos­ton Globe zitiert ihn: „Zunächst einmal müssen die Weißen aufgezeigt bekommen, dass sie nur menschlich sind, nicht aber überlegen. Das Gleiche gilt für die Schwarzen: Sie müssen aufgezeigt bekommen, dass auch sie nur menschlich sind, und nicht unterlegen.“

Biko ist 30 Jahre alt, Vater von fünf Kindern, als die Polizei ihn verhaftet und in einem Bürogebäude in Port Elizabeth foltert, in dem sie eine ganze Etage gemietet hat. Bewusstlos und nackt wird er ins 1000 Kilometer entfernte Pretoria gefahren, wo er am 12. September seinen Verletzungen erliegt.

Als der britische Musiker Peter Gabriel von Bikos Ermordung erfährt, ist er entsetzt. „International hatte seine Verhaftung für viel Aufmerksamkeit gesorgt“, sagt er in einem Interview. „Ich hatte angenommen, das würde ihn schützen.“ Gabriel beschließt, einen Song über den Mord an Biko und die Situation in Südafrika zu schreiben. Einen Song, der wie kein anderer klingt und dem man den afrikanischen Einfluss anhört. Gabriel programmiert auf einem der ersten Drum-Computer einen langsamen, stoischen Beat. Darüber legt er eine getragene E-Gitarre und eine vom Synthesizer erzeugte Dudelsackmelodie. Die hypnotische Begleitung soll die Aufmerksamkeit ganz auf den Text lenken.

Gabriel besingt die scheinbare Alltäglichkeit der Zelle, in der Biko gequält wurde: Wetter gut, Business as usual. Die deutsche Fassung des Songs, ebenfalls von Gabriel gesungen, ist noch eindrücklicher: „September 77, Port Elizabeth, Sonnenschein. In sechs-eins-neun endlich Ruhe, nur ein Stuhl ging aus dem Leim.“ Der Refrain „Biko, Biko, because Biko“ ist aufs Mitsingen angelegt. Die Worte „Yihla moja“ bedeuten in der südafrikanischen Sprache Xhosa: „Komm, Geist!“, eine Anrufung Bikos, ein Aufruf, sich seiner Sache anzuschließen. Der Song ist eingerahmt von Gesängen, die heimlich bei Bikos Beerdigung aufgenommen wurden. Sie stammen aus den Protestliedern „Ngomhla Sibuyayo“ und „Senzeni na?“. Darin heißt es: „Was haben wir getan? Ist es unsere Sünde, schwarz zu sein?“

„Biko“ erscheint 1980. In Südafrika wird der Song sofort verboten. In den USA will die Plattenfirma Atco, mit der Gabriel eigentlich arbeitet, das ganze Album nicht veröffentlichen. Das Label Mercury springt ein. „Biko“ wird schon bald Gabriels bekanntester Song. Andere Musiker folgen seinem Engage­ment. Die britische Band Special AKA schreibt mit „Free Nelson Mandela“ ebenfalls einen Antiapartheid-Song, das US-Projekt Artists United Against Apartheid vereinigt internationale Musiker nahezu aller Genres: von Miles Davis über Bruce Springsteen bis Rubén Blades und Afrika Bambaataa. Es tritt ein, was Peter Gabriel in „Biko“ heraufbeschwört: „The eyes of the world are watching now!“ Gabriel hat seinen Anteil daran. 

Von Martin Kaluza

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