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Von ANDREAS KRAFT: Digitalisierung für Aufsichts- und Betriebsräte

Ausgabe 01/2017

Rezension Lothar Schröder, im ver.di-Bundesvorstand für IT-Themen zuständig, hat sein Expertenwissen in einem Buch gebündelt.

Von ANDREAS KRAFT

Gleich zu Beginn seines Buches erinnert Lothar Schröder an die historische Tiefe der vierten industriellen Revolution, die in den aktuellen Diskussionen gern vergessen werde: Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt schon seit den 1970er-Jahren. Computer sind, um den Titel des Buches aufzugreifen, auf einer Treppe emporgestiegen und haben auf ihrem Weg nach oben immer komplexere Funktionen in Gesellschaft und Arbeitswelt übernommen.

Er zeichnet, sich auf ältere Arbeiten des Informatikers Wolfgang Coy berufend, diese schrittweise Eroberung neuer Funktionen nach. Zuerst waren Computer Rechenautomaten, später Arbeitsgeräte und Medien. Heute sind sie auch Plattformen und Propheten. Schröders Anliegen ist es, die neue Technik im Sinne der Beschäftigten zu gestalten. Dafür gibt er Gewerkschaftern und Betriebsräten vielerlei Ideen an die Hand.

Er empfiehlt, für eine Verkürzung der Arbeitszeit durch flexible freie Tage zu kämpfen, damit die einen ihre Arbeit noch bewältigen können und die anderen nicht in die Arbeitslosigkeit gedrängt werden. Möglich werde dies durch den enormen Produktivitätsschub, der mit der Digitalisierung einhergehe. Eine andere Idee ist eine geförderte Bildungsteilzeit, damit Beschäftigte sich fortbilden können, um den neuen Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht werden zu können.

Zudem rät er den Gewerkschaften, die neuen Medien – etwa soziale Netzwerke – noch intensiver zu nutzen und sich weiter an neuen Formen der Beteiligung zu versuchen. Auch die klassische Mitbestimmung braucht nach Schröder ein Update.  Es sei höchste Zeit, sie an die neuen Bedingungen der Interessenvertretung anzupassen.

Auch hier macht er Vorschläge – so die verbindliche Einführung einer „Beschäftigungswarnung“, immer wenn Arbeitsplätze bedroht sind und, analog zum VW-Gesetz, die Einführung einer notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit im Aufsichtsrat für Offshoring-Pläne des Managements. Schließlich habe die Digitalisierung die Verlagerung von Arbeitsplätzen enorm erleichtert.

Nicht alles in so einem Buch kann neu sein. Es enthält aber Ansätze, wie angesichts der disruptiven Kraft der Digitalisierung weitergedacht werden kann. Dabei ist dem Autor wichtig, einerseits die realen Gefahren für Beschäftigte – wie Jobverlust – nicht aus den Augen zu verlieren, aber andererseits an der Vision festzuhalten, dass Technik Arbeit auch besser machen kann.

Foto: Karsten Schöne

Lothar Schröder: Die digitale Treppe. Wie die Digitalisierung unsere Arbeit verändert und wie wir damit umgehen. Frankfurt, Bund-Verlag 2016. 208 Seiten. 29,90 Euro. (9,80 Euro für ver.di-Mitglieder)

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