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Zuzanna Czebatul Magazin Mitbestimmung

Altstipendiatin: Die Künstlerin

Ausgabe 03/2026

In ihren Arbeiten setzt sich Zuzanna Czebatul mit kulturellem Erbe auseinander. Die gebürtige Polin kreiert eigenwillige Raubkopien. Von Martin Kaluza

Zuzanna Czebatul hat für ihre Kunst eines der bekanntesten deutschen Museumsstücke gekapert: den antiken Pergamonaltar. Sie fütterte eine Fräse mit 3D-Daten, um eine Art Raubkopien der Skulpturen aus Styropor herzustellen. Eine solche Kopie war Teil ihrer ersten Einzelausstellung. Der Titel der Werkschau, „All the Charm of a Rotting Gum“. greift den Ausspruch eines Archäologen auf, antiker Marmor sähe aus „wie altes Kaugummi“. Czebatul brachte ihre Version des Altars in Dialog mit einem zweiten Werk – einem Relief, das polizeiliche und militärische Schutzausrüstungen zu geometrischen Mustern ordnet. Mit solchen Inszenierungen beleuchtet sie die Artikulation staatlicher Macht.

Den Anstoß für das Projekt gaben Czebatul die Sparpläne des damaligen Berliner Kultursenators Joe Chialo. „In Kultur und Wissenschaft sowie in Projekten mit sozialem Anspruch wurde massiv gekürzt“, sagt Czebatul. „Zugleich wird die Museumsinsel seit Jahren aufwendig renoviert.“ Die Künstlerin sieht das kritisch: „Die Museumsinsel entwickelte sich während des deutschen Kaiserreichs zu einem Prestigeprojekt, das in Konkurrenz zum Louvre und zum British Museum stand. Ziel war es, Berlin als imperiale Weltstadt zu etablieren.“ Während des Kaiserreichs wurde auch der Pergamonaltar herbeigeschafft. Dort, wo er herkommt, im türkischen Bergama, klafft bis heute eine Lücke. In Czebatuls Arbeiten geht es oft darum, wie sich politische Ideologien in Kunst, Architektur und Ästhetik niederschlagen.

Die gebürtige Polin Czebatul kam zu Beginn der 1990er Jahre mit fünf Jahren nach Deutschland. „Meine Familie lebte lange mit einem Duldungsstatus, Ängste vor Abschiebung waren ein ständiger Begleiter meiner Kindheit. Das hilft, eine kritische Position einzunehmen“, sagt sie. In der Kunst konnte Czebatuls jugendliches Ich seine Haltung zur Welt formulieren. Sie studierte an der Städelschule in Frankfurt am Main. Ein Kommilitone, ebenfalls mit Migrationsgeschichte und aus einer Arbeiterfamilie, brachte sie darauf, sich bei der Hans-Böckler-Stiftung zu bewerben. „Durch das Stipendium konnte ich meinen Lebensunterhalt bestreiten, und Projektgelder halfen mir, materialintensive Arbeiten zu realisieren“, sagt sie. Noch während des Studiums weckte sie das Interesse einer Berliner Galerie – ein wichtiger erster Schritt. Ab da, sagt sie, dauerte es noch einmal zehn Jahre, bis sie von ihrer Kunst leben konnte.

Auf den Abschluss in Frankfurt folgten ein Fulbright-Stipendium und ein Studienaufenthalt am Hunter College in New York. Czebatul eignete sich an, was man neben dem Handwerk braucht, um als Künstlerin zu bestehen: Wie bewirbt man sich auf Fördergelder? Und wie bleibt man trotz wirtschaftlicher Abhängigkeit künstlerisch frei?

Zuletzt hatte sie eine Vertretungsprofessur in Braunschweig inne, und sie unterstützt Studierende, die sich um ein Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung bewerben. „Von Anfang an hatte ich bei der Stiftung ein Gefühl der Solidarität“, sagt sie. „Das gebe ich an Studierende weiter. Die Professur und eine lange Liste von Ausstellungen erwecken den Eindruck, sie sei als Künstlerin längst angekommen. „Von außen mag es so aussehen“, schränkt sie ein. „Aber in der Kunst gibt es kein Ankommen.“ 

In Deutschland hat die Bundeskunstsammlung eine von Czebatuls „Raubko­pien“ gekauft. Sie nimmt die Abformung des Fußes von Siegfried in ihren Bestand auf. Die Vorlage für das Kunstwerk stammt von einer Bronzefigur am Sockel des Bismarck-Denkmals im Berliner Tiergarten. Czebatul geht es auch bei diesem Projekt um politische Ideologie in der Kunst: „Ich habe somit Deutschland an Deutschland verkauft und der kritischen Auseinandersetzung mit kulturellem Erbe eine weitere Ebene hinzugefügt.“ 

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