zurück
Emanuel Wyler Magazin Mitbestimmung

Mein Arbeitsplatz: Centrum für Molekulare Medizin, 10115 Berlin

Ausgabe 04/2026

Emanuel Wyler (45), lebt mit Frau und Sohn in Berlin.

„Als Molekularbiologe schaue ich in die kleinsten Bausteine unseres Körpers. Ich liebe es, die Abläufe in unseren Zellen zu erforschen und zu verstehen. Besonders interessieren mich die Wechselwirkungen von Krankheitserregern und Zellen. Ich habe das große Glück, mit meiner Arbeit meiner Neugier zu folgen. Im Januar 2021 haben wir beispielsweise während der Coronapandemie die Berliner Abwässer untersucht. Man kann dadurch recht zuverlässig herausfinden, welche Viren in einer Stadt kursieren. Zur Toilette müssen schließlich alle Menschen. In Proben aus einer Kläranlage haben wir alle Viren im Wasser durchleuchtet, von Grippe- bis Noroviren.

Ich habe in Zürich und Paris Biochemie und Molekularbiologie studiert. Seit Langem beschäftige ich mich mit dem Herpes-simplex-Virus, das unter anderem Hirnentzündungen hervorruft und vielleicht auch die Entstehung der Alzheimer-Krankheit begünstigt.

Das Labor ist rund um die Uhr geöffnet, auch am Wochenende. Auch zu Hause oder unterwegs kann ich arbeiten. Das erfordert im Alltag eine gewisse Disziplin, denn Wissenschaftler neigen dazu, sich zu verzetteln. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist das Einwerben von Geldern. Da gibt es viel Konkurrenz und Druck. Es gibt immer mehr Forschungsideen als Gelder.

Wenn ich nicht selbst forsche, begleite ich Studenten und Doktoranden bei ihren Projekten, schreibe Artikel für Fachzeitschriften und tausche mich mit Kollegen aus aller Welt aus. Wissenschaft besteht darin, dass wir unsere Forschungsergebnisse publizieren, damit andere daran weiterarbeiten können. Als stellvertretendes Personalratsmitglied setze ich mich auch für die Interessen der Beschäftigten ein, denn häufig sind wissenschaftliche Mitarbeiter nur befristet beschäftigt.“

Von Stephan Pramme

Zugehörige Themen