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Ramona Pop - Freddy Adjan Magazin Mitbestimmung

Pro & Contra: Brauchen wir eine Steuer auf gezuckerte Getränke?

Ausgabe 03/2026

JA.

Denn schon ein halber Liter Softdrink enthält oft zehn bis zwölf Stück Würfelzucker. Die teuren Folgen zeigen sich seit Jahren in den Arztpraxen: steigendes Übergewicht bei Kindern, Karies, immer früher auftretende Diabetes. Wer Prävention ernst meint, kommt an einer Abgabe für Süßgetränke nicht vorbei. Sie ist kein Allheilmittel, aber ein zentraler Baustein für eine gesündere Ernährung. Eine ausgewogene Ernährung in der Kindheit legt den Grundstein für ein gesundes Leben. Doch gerade Kinder und Jugendliche nehmen durch Softdrinks viele unnötige Kalorien auf.

Erfahrungen aus Großbritannien zeigen, dass eine Zuckerabgabe wirkt: Um die Abgabe zu vermeiden, haben die meisten Hersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte gesenkt. Genau das ist das Ziel. Getränke werden dadurch nicht automatisch teurer. Wenn Hersteller ihre Rezepturen gesünder machen, entstehen keine direkten Mehrkosten. Eine gut gemachte Zuckerabgabe hat also einen doppelten Nutzen: keine Preissteigerung und mehr Gesundheit.

Befragungen zeigen: Auch die große Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher spricht sich für eine Zuckerabgabe aus. Gesunde Ernährung ist keine rein individuelle Entscheidung. Was wir essen und trinken, wird maßgeblich vom vorhandenen Angebot geprägt. Die Entscheidung für die Zucker­abgabe ist der richtige Schritt.

Ramona Pop ist Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes.


NEIN.

Die NGG lehnt eine solche Steuer ab. Als Lenkungssteuer soll sie das Konsumverhalten beeinflussen, wirkt aber als Verbrauchsteuer unabhängig vom Einkommen: Alle zahlen den gleichen Betrag, egal ob sie arm oder reich sind. Genau darin liegt ihre soziale Schieflage: Haushalte mit geringem Budget geben anteilig deutlich mehr für Konsumgüter aus und werden durch höhere Preise überproportional belastet. Solche Steuern verschärfen Ungleichheiten, statt sie abzubauen.

Auch das Argument der Gesundheitsförderung greift zu kurz. Höhere Preise allein verändern Ernährungsgewohnheiten nicht nachhaltig, solange es an Bildung, Aufklärung und guten Alternativen fehlt. Wer gesunde Ernährung fördern will, muss strukturell ansetzen, nicht über den Geldbeutel bestrafen. Wenn es um zusätzliche Staatseinnahmen geht, sind solche Maßnahmen ebenfalls der falsche Weg. Die NGG fordert stattdessen eine stärkere Besteuerung sehr hoher Vermögen. Das wäre zielgenau, sozial gerecht und würde breite Bevölkerungsschichten nicht zusätzlich belasten.

Der Ansatz der NGG setzt auf Prävention: mehr Ernährungsbildung in Kitas und Schulen, bessere Verbraucherinformation sowie kostenfreie, qualitativ hochwertige Kita- und Schulessen. Eine zukunftsfähige Politik stärkt Gesundheit, ohne soziale Ungleichheit zu vertiefen. Prävention und Verteilungsgerechtigkeit müssen Vorrang haben vor kurzsichtigen Steuerlösungen.

Freddy Adjan ist stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).


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