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Mein Arbeitsplatz: Am rangieren

Ausgabe 01/2015

Reinhard Köhler, 44, ist Kuppler auf dem Rangierbahnhof Maschen, dem größten Rangierbahnhof Europas, der an der Strecke Hamburg–Hannover liegt. Köhler wohnt nur ein paar Kilometer entfernt in Buchholz.

Maschen, Hörstener Straße 110a „Lange Unterhosen sind Pflicht bei diesen Temperaturen. Heute Morgen um sechs Uhr hatten wir zweistellige Minusgrade, und zwischen Gleisen und Waggons pfeift der Wind ganz ordentlich durch. Aber nützt ja nichts. Unseren Job machen wir bei jedem Wetter, egal ob 35 Grad plus oder 20 Grad minus. Die Waggons müssen rollen, und dafür sind wir Rangierer verantwortlich. Hier auf dem Rangierbahnhof Maschen – immerhin der größte Europas – lösen wir die Züge auf und stellen sie wieder neu zusammen. Dabei entlüften wir bei jedem einzelnen Waggon die Bremsen, damit sich die Sohlen vom Radreifen lösen und wir die schweren Wagen wieder zu neuen Zügen auf dem Gleis zusammenstellen können. Rund 150 Güterzüge mit 30 und mehr Waggons schicken wir täglich auf die Reise – Richtung Norden oder Süden. 

 Dabei hilft uns der Kasten, den ich wie die anderen Kollegen auch auf die Brust geschnallt habe. ‚Bauchladen‘ heißt das Ding unter uns. Es ist eine Funkfernsteuerung, mit der wir die Rangierloks steuern, die wiederum die Waggons auf das richtige Gleis bugsieren. Oben auf den Loks sitzt heute nur noch selten jemand, also dirigieren wir die Loks von hier unten. In Maschen sind gut zwei Dutzend Rangierer auf dem sieben Kilometer langen und 700 Meter breiten Gelände unterwegs. Zusammengenommen sind das 3500 Gleiskilometer, da macht man jeden Tag ganz schön Strecke. Mir gefällt das. Viel frische Luft, ordentlich Bewegung und Sonne, wenn es gut läuft. In der Zentrale, wo die Bergmeister den Betrieb per Computer steuern, ist es zwar mollig warm, aber auch ein bisschen langweilig. Hier unten muss man immer noch Hand anlegen, verklemmte Bremsen lösen, vereiste Kupplungen losschlagen und neu fixieren. Das gehört zum Job des Kupplers, und der ist vorerst krisenfest. Zwar hält auch hier Hightech Einzug mit neuen, beheizbaren und computergesteuerten Weichen, den Gleisbrems- und Förderanlagen. Aber bisher gibt es keine Alternative zum Lösen, Kuppeln und Rangieren. Das ist Handarbeit.“

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