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Im Porträt: Wir bestimmen mit

Ausgabe 02/2020

Klaus Winkler, Aufsichtsrat bei Lufthansa in Hamburg. Von Fabienne Melzer

Als Aufsichtsrat kann Klaus Winkler zwar nicht die Welt retten, aber er bekommt Informationen früher und kann sie im Interesse der Beschäftigten nutzen. „Wir können eine Schließung nicht immer verhindern, aber wir können einen Sozialtarifvertrag aushandeln oder Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern rechtzeitig informieren, wenn sich etwas zusammenbraut.“

Gerade braut sich ziemlich viel über den Beschäftigten der Lufthansa zusammen. Die Corona-Krise hat den Flugverkehr fast zum Erliegen gebracht. Von 763 Flugzeugen blieben bei Lufthansa im März 700 am Boden. Mit Kurzarbeit will das Unternehmen die nächsten Wochen überbrücken. Klaus Winkler und seine Betriebsratskollegen von Verdi setzten sich für eine Absicherung der Beschäftigten ein: „Im Moment tun wir alles, um die Beschäftigten zu schützen“, sagt Winkler. „Das Kurzarbeitergeld muss für alle aufgestockt werden. Von 60 oder 67 Prozent ihres Einkommens können viele nicht leben.“

2014 kandidierte der 46-Jährige erstmals für den Betriebsrat und 2018 schließlich für den Aufsichtsrat. Immer gut informiert zu sein ist für ihn ein Vorteil seiner Arbeit als Aufsichtsrat. Ein anderer: die Möglichkeit, Ideen einzubringen. Im Aufsichtsrat diskutiert der Techniker etwa darüber, wie das Unternehmen CO₂ reduzieren oder Müll verringern kann. „Der Betrieb der Elektronik und Klimaanlage eines Flugzeugs verbraucht am Boden pro Stunde 1000 Liter Kerosin“, sagt Winkler. „Würden wir sie mit Groundpower betreiben, könnten wir eine Menge CO₂ sparen.“ 

Vor 22 Jahren kam der 46-Jährige zu Lufthansa Technik in Hamburg. Zuvor hatte er in einer freien Werkstatt Kfz-Mechaniker gelernt. Der Sieben-Mann-Betrieb war gewerkschaftlich organisiert und zahlte Tarif. Der Kfz-Azubi Klaus Winkler trat in die IG Metall ein und wechselte 1999, als er zur Lufthansa kam, zu Verdi. Ihm ist Gewerkschaft wichtig. Er wirbt bei Kolleginnen und Kollegen dafür, bekommt aber oft zu hören: „Gewerkschaft? Wozu? Ich habe doch alles. Ich kriege doch alles.“ Klaus Winkler weiß, dass es nicht so ist. „Ohne Gewerkschaften würden Arbeitgeber machen, was sie wollen.“ 

Einen echten Gewerkschafter nennt ihn Natale Fontana, Landesfachbereichsleiter Verkehr bei Verdi in Hamburg. „Das klingt vielleicht banal, ist es aber nicht. Klaus hat eine Haltung. Er weiß, wo er herkommt und wo er hingehört.“ Nicht nur das schätzt sein Verdi-Kollege an ihm: „Während andere nur schnacken, macht er“, sagt Fontana und erinnert sich an einen Empfang mit Hamburger Politikern. Während die einen noch diskutierten, ob sie die Gelegenheit nutzen sollten, sprach Klaus Winkler den damaligen Ersten Bürgermeister Olaf Scholz einfach an.

Auf Tour durchs Werk

Überzeugen ist für Klaus Winkler täglich Brot. Im 35-köpfigen Betriebsrat muss er oft viele Bedenken aus dem Weg räumen, um andere für eine Idee zu gewinnen. Informiert sein heißt für ihn auch zu wissen, was Kolleginnen und Kollegen denken: „Nur weil wir eine Idee gut finden, sehen es die Beschäftigten noch lange nicht so.“ Deshalb haben die Verdi-Betriebsräte ihre Sprechstunde in den Betrieb verlegt. Jeden Mittwoch gehen sie durch das Werk mit 8000 Beschäftigten. Früher bot der Betriebsrat die Sprechstunde in seinem Büro an. „Aber da kam niemand“, erzählt Klaus Winkler. Kein Wunder. Schließlich müssen sich die Beschäftigten beim Vorgesetzten abmelden und sagen, dass sie zum Betriebsrat gehen. Seit der Betriebsrat zu den Beschäftigten kommt, klappt es viel besser. 

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