zurück
Böckler Impuls

Arbeitsmarkt: Weniger Spekulation, mehr Jobs

Ausgabe 03/2012

Strikter regulierte Finanzmärkte würden sich langfristig positiv auf die Beschäftigung auswirken.

„Eine konsequente Finanzmarktregulierung kann nicht nur einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung, sondern auch direkt zum Beschäftigungswachstum leisten.“ Zu diesem Schluss kommt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in einer aktuellen Studie. Sie stützt sich vor allem auf die Arbeiten des ILO-Forschers Ekkehard Ernst, der die Beziehung zwischen Finanz- und Arbeitsmarktentwicklung untersucht hat.

Grundsätzlich könnten vom Finanzmarkt zwei unterschiedliche Effekte auf Beschäftigung und Arbeitslosigkeit ausgehen, schreibt Ernst. Zum einen könnte ein hoch entwickeltes Finanzsystem die Finanzierung zusätzlicher Investitionen oder die Neugründung von Firmen erleichtern. Beides würde Jobs schaffen. Andererseits können Realwirtschaft und Beschäftigung auch unter einem Übergewicht der Finanzmärkte leiden – etwa wenn Fabriken geschlossen werden müssen, weil sich die Investoren nicht mehr mit der erwirtschafteten Rendite zufrieden geben und drohen, ihr Geld abzuziehen.

Um herauszufinden, welcher der beiden Effekte überwiegt, hat Ernst die Zusammenhänge zwischen Finanzsphäre und Arbeitslosigkeit in 14 OECD-Ländern unter die Lupe genommen. Zur Charakterisierung des jeweiligen Finanzsystems flossen in seine statistische Analyse etwa Wachstum und Verschuldungsgrad des Bankensektors ein sowie ein Indikator, der beschreibt, inwieweit das jeweilige Land den Kapitalverkehr mit dem Ausland beschränkt. Andere Variable bilden die Schwankungsbreite von Wertpapierpreisen und Ausfallrisiken ab.

Ergebnis der Berechnungen: Größere und offenere Finanzmärkte beschleunigen die Arbeitsmarktdynamik. Es entstehen mehr neue Stellen, gleichzeitig verschwinden auch mehr alte. Allerdings wirken zwei Faktoren eindeutig negativ, nämlich das Maß der Unsicherheit an den Finanzmärkten und die Stärke der Kursschwankungen. Von einer Regulierung, die Anreize für besonders riskante Finanzgeschäfte beseitigt und Schocks durch mehr Markttransparenz vorbeugt, könnten die Arbeitsmärkte also stark profitieren, folgert Ernst. Besonders wenn Reformen nicht nur auf nationaler Ebene, sondern international koordiniert stattfinden.

Zugehörige Themen

Der Beitrag wurde zu Ihrerm Merkzettel hinzugefügt.

Merkzettel öffnen