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Verteilung: Ungleichheit schadet der Wirtschaft

Ausgabe 11/2015

Eine Studie des IWF warnt vor Ungleichheit. Gefährdet ist nicht nur der gesellschaftliche Zusammenhalt, sondern auch das Wachstum.

Die wachsende Ungleichheit wird zur größten wirtschaftspolitischen Herausforderung der Gegenwart. Zu diesem Schluss kommen Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in einer aktuellen Analyse. In den entwickelten Volkswirtschaften sei die Kluft zwischen Arm und Reich so groß wie seit Jahrzehnten nicht mehr – dies führe zu schwerwiegenden sozialen und ökonomischen Konsequenzen. Damit kommen die Forscher des Währungsfonds zu ähnlichen Ergebnissen wie Studien der Hans-Böckler-Stiftung und zuletzt der OECD.

Der Hintergrund: Seit 1990 hätten die Löhne in vielen westlichen Volkswirtschaften mit der wachsenden Produktivität nicht Schritt gehalten, so die Experten. Zwar seien die Gehälter hochqualifizierter Arbeitskräfte überdurchschnittlich gestiegen, ein großer Teil der Beschäftigten habe aber nur wenig hinzugewonnen.

Die Forscher sehen einen direkten Zusammenhang zwischen Einkommensverteilung und Wirtschaftswachstum: Wenn nur die Reichen reicher werden, schrumpfe auf lange Sicht das Bruttoinlandsprodukt. Gewinnen dagegen Gering- und Durchschnittsverdiener hinzu, profitiere davon die gesamte Volkswirtschaft. Steigt der Einkommensanteil des unteren Fünftels um einen Prozentpunkt, so die Berechnung, erhöht sich das Wirtschaftswachstum in den darauf folgenden fünf Jahren um 0,38 Prozentpunkte. „Die Armen und die Mittelschicht sind der wichtigste Treiber für Wachstum“, schreiben die IWF-Experten.

Die Autoren raten zu einer stärkeren Umverteilung zugunsten einkommensschwacher Haushalte. Hilfreich seien Vermögenssteuern, eine höhere Progression bei der Einkommensteuer, der Kampf gegen Steuerflucht und -vermeidung sowie ein gezielterer Einsatz von Sozialleistungen.

Ein Vergleich zahlreicher Länder zeige, dass bestimmte Maßnahmen zur Regulierung des Arbeitsmarkts sinnvoll sein können, etwa ein Mindestlohn. Eine wichtige Rolle spielten auch Gewerkschaften – je besser die Arbeitnehmer organisiert sind, desto geringer die Lohnspreizung. Umgekehrt gilt: „Ein lockerer Kündigungsschutz, niedrige Mindestlöhne im Vergleich zum mittleren Lohn und eine geringe Verbreitung von Tarifverträgen erhöhen die Ungleichheit.“

  • Mehr für Arme, mehr Wachstum
    Gewinnen Gering- und Durchschnittsverdiener hinzu, profitiert laut IWF die gesamte Volkswirtschaft. Wenn nur die Reichen reicher werden, schrumpft auf lange Sicht das Bruttoinlandsprodukt. Grafik herunterladen

Era Dabla-Norris, Kalpana Kochhar, Nujin Suphaphiphat, Frantisek Ricka, Evridiki Tsounta: Causes and Consequences of Income Inequality: A Global Perspective, IWF, Juni 2015

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