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Arbeitsmarkt: Mindestlöhne sind keine Hürde für die Jugend

Ausgabe 11/2016

Neoliberale Ökonomen sind fest davon überzeugt, dass gesetzliche Lohnuntergrenzen schädlich sind. Mit konsistenten empirischen Belegen für negative Auswirkungen auf die Gesamtbeschäftigung können sie allerdings nicht aufwarten.

Manche beharren darauf, dass Mindestlöhne zwar vielleicht nicht der Beschäftigung insgesamt schaden, aber zumindest bestimmten Arbeitnehmergruppen, die typischerweise eher schlecht bezahlt werden. Um die Effekte sichtbar zu machen, so die These, müsse man sich auf diese besonders betroffenen Gruppen konzentrieren. Die US-Forscher David Neumark und William Wascher etwa sind 2004 in einer viel zitierten Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass Mindestlöhne zu erheblichen Jobverlusten bei jungen Arbeitnehmern führen. Simon Sturn von der University of Massachusetts in Amherst hat mithilfe eines umfangreichen Datensatzes überprüft, ob dieser Befund haltbar ist. Seine Berechnungen sprechen dagegen.

Der Wirtschaftswissenschaftler hat Informationen über die Arbeitsmarktentwicklung in 19 OECD-Staaten für die Jahre 1983 bis 2013 ausgewertet. In seiner Analyse hat er untersucht, ob gesetzliche Mindestlöhne die Beschäftigungsquoten von Geringqualifizierten, weiblichen Geringqualifizierten oder Erwerbspersonen unter 25 Jahren beeinflussen. Seinen Ergebnissen zufolge sind substanzielle Auswirkungen nicht nachweisbar: Die gemessenen Effekte sind nicht signifikant und äußerst gering.

Um zu überprüfen, warum Neumark und Wascher zu anderen Resultaten gekommen sind, hat Sturn ihre Analyse mit den Originaldaten nachexerziert. Das Ergebnis: Wenn man das Schätzmodell geringfügig modifiziert – also beispielsweise die Beschäftigung statt der Arbeitslosigkeit von Erwachsenen als Kontrollvariable verwendet –, werden die Effekte ebenfalls insignifikant.

Simon Sturn: Do Minimum Wages Lead to Job Losses? (pdf), PERI Working Paper Series No. 418, April 2016

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