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Iran-Krieg kostet Wachstum Böckler Impuls

Konjunktur: Iran-Krieg kostet Wachstum

Ausgabe 06/2026

Der Konflikt in Nahost dürfte laut IMK den Aufschwung deutlich bremsen. In einem Risikoszenario würde das Wachstum 2026 fast vollständig zum Erliegen kommen.

Die deutsche Wirtschaft kann in diesem Jahr um 0,9 Prozent und 2027 um 1,6 Prozent wachsen. Voraussetzung dafür ist, dass der Iran-Krieg nicht über den Sommer hinaus andauert, die Energielieferungen durch die Straße von Hormus im Sommer wieder ungehindert laufen und die Öl- und Gas-Infrastruktur der Golfstaaten nicht substanziell beschädigt wird. Von diesem Szenario geht das IMK in seiner neuen Konjunkturprognose aus. Gegenüber der vorherigen Prognose vom Dezember 2025 fällt die Wachstumserwartung für 2026 um 0,3 Prozentpunkte niedriger aus.

Die Energiepreise werden sich laut den Ökonominnen und Ökonomen nach dem starken Anstieg bis zum Jahresende wieder normalisieren. Ab dem zweiten Halbjahr dürften die positiven Impulse erhöhter staatlicher Investitionen und eines wieder anziehenden privaten Konsums die Wirtschaftsentwicklung bestimmen. Die Zahl der Erwerbstätigen nimmt im Jahresdurchschnitt 2026 um 0,2 Prozent ab, die Arbeitslosigkeit steigt geringfügig um 30 000 Personen auf knapp 2,98 Millionen im Jahresmittel, die Arbeitslosenquote liegt bei 6,3 Prozent wie im Vorjahr. Für 2027 veranschlagen die Forschenden einen minimalen Anstieg der Erwerbstätigenzahl um jahresdurchschnittlich 0,1 Prozent. Die Arbeitslosigkeit sinkt um knapp 20 000 Personen, die Quote bleibt bei 6,3 Prozent.

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Infografik Seite 1: Ein lang anhaltender Iran-Krieg würde das Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen in Deutschland um bis zu 1,2 Prozentpunkte senken, in den USA um bis zu 0,9 Prozentpunkte und weltweit um bis zu 0,5 Prozentpunkte.
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Sollten die kriegerischen Auseinandersetzungen der USA und Israels mit dem Iran länger anhalten oder der Konflikt weiter eskalieren, könnte der bis zum Kriegsausbruch erwartete wirtschaftliche Aufschwung im laufenden Jahr ausfallen: In einem Negativszenario würde das Bruttoinlands­produkt laut IMK 2026 um allenfalls 0,2 Prozent zunehmen, 2027 um 1,4 Prozent.

Bei einem Kriegsende bis zum Sommer seien „die Bedingungen für einen selbsttragenden Aufschwung noch gegeben“, schreiben die Ökonominnen und Ökonomen. „Vorausgesetzt sind allerdings eine besonnene Geldpolitik und eine aktive Wirtschaftspolitik der Bundesregierung, die transformative Investitionen vorantreibt und gegebenenfalls einen Beitrag zur Sicherung der Preisstabilität leistet.“

Konkret solle die EZB umgehend signalisieren, dass sie die Leitzinsen nur erhöhen würde, wenn die Versorgungsengpässe über den Sommer hinaus anhalten und der Energiepreisschub Zweitrundeneffekte auslöst. Die Politik müsse sicherstellen, dass die Mittel aus dem Sondervermögen wirklich in zusätzliche Investitionen fließen. Für den – aktuell unwahrscheinlichen – Fall einer verfestigten höheren Inflation sollte sie Vorbereitungen treffen, indem sie beispielsweise Maßnahmen zur Deckelung von Energiepreisen ins Auge fasst oder eine Neuauflage der Inflationsprämie.

„Im Februar haben wir noch darüber nachgedacht, die Prognose für 2026 anzuheben, weil zunehmend positive Si­gnale kamen, bis hin zu den Industrieaufträgen. Eine durchgreifende Erholung war absehbar. Das verhageln nun zumindest zum Teil die wirtschaftlichen Effekte des Kriegs, schlimmstenfalls verschärfen sie das Risiko einer Deindustrialisierung in Deutschland“, sagt IMK-Direktor Sebastian Dullien.

Es sei in dieser Situation besonders wichtig, die Ursachen für den Rückschlag sauber einzuordnen, betont der Ökonom: „Die deutsche Wirtschaft leidet unter Entscheidungen ausländischer Politiker, nicht unter klassischen Standort- oder Wettbewerbsproblemen. Zugespitzt gesagt: Wenn der Iran-Krieg die Energiepreise hochtreibt oder die amerikanische und die chinesische Regierung durch Zollbarrieren, Subventionen oder gezielte Abwertung ihrer Währungen Exporte aus Europa ausbremsen, hilft es nichts, im Inland mit Druck auf die Löhne, Deregulierung bei der Arbeitszeit oder aktionistischen Einschnitten bei der sozialen Sicherung zu reagieren. Im Gegenteil: Damit schwächen wir den privaten Konsum als aktuell besonders wichtigen Stabilitätsfaktor.“

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