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Böckler Impuls

Mitbestimmung: Höhere Löhne in Unternehmen mit Betriebsrat

Ausgabe 20/2007

Betriebe mit Betriebsrat bezahlen mehr als zehn Prozent höhere Löhne als solche ohne eine gewählte Interessenvertretung. Davon profitieren in erster Linie Geringverdiener und Frauen.

Betriebsräte spielen für die Höhe und Struktur der Löhne in Deutschland eine wichtigere Rolle als angenommen. Auch ohne direkten Einfluss auf die tarifliche Lohngestaltung können ihre indirekten Einwirkungsmöglichkeiten sich deutlich im Geldbeutel der Beschäftigten niederschlagen. Das zeigt eine Studie von Thomas Zwick vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Die Untersuchung wertet einen repräsentativen Datensatz des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) von 2001 aus, in dem 1,3 Millionen Mitarbeiter in mehr als 8.500 Betrieben erfasst sind. Die ZEW-Studie vergleicht die Lohnstruktur von ähnlichen Betrieben mit und ohne Betriebsrat.

Mehr Lohngleichheit: In Betrieben mit Betriebsrat ist der Abstand zwischen den Lohngruppen kleiner. Die Lohnspreizung fällt insgesamt geringer aus. Das führt der ZEW-Forscher unter anderem auf die Mitspracherechte von Betriebsräten bei der Klassifizierung von Tätigkeiten zurück. Auf die insgesamt höheren Löhne könnten sich auch Mitspracherechte des Betriebsrates etwa bei Weiterbildung, Sonderzahlungen und Akkordentlohnung auswirken.

Frauen und Geringverdiener profitieren besonders: Beschäftigte im untersten Fünftel der Lohnverteilung erhalten nach den Berechnungen des ZEW durchschnittlich 14 Prozent mehr Lohn, wenn sie in Betrieben mit Betriebsräten arbeiten. Unterscheidet man in dieser Lohngruppe nach Geschlechtern, schneiden die Frauen noch besser ab: Sie bekommen durchschnittlich 19 Prozent mehr, die Männer noch 11 Prozent. Beschäftigte mit höherem Verdienst haben prozentual einen etwas geringeren Vorteil. Im vierten Fünftel der Lohnverteilung bekommen sie im Durchschnitt nur 9 Prozent mehr, die Frauen in diesem Verdienstbereich rund 12 Prozent. Insgesamt profitieren Frauen mit geringem Einkommen am stärksten vom Engagement eines Betriebsrats. Die Studie zeigt, dass Betriebsräte so auch helfen, den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen zu verringern.

Erfolge bei Haustarifverträgen: Betrachtet man die errechneten Lohnaufschläge je nach Art des Tarifvertrags in einem Betrieb, zeigt sich ein Unterschied zwischen Vereinbarungen auf Betriebs- und Branchenebene. In Betrieben mit Haustarifvertrag ist das Lohnniveau dann höher, wenn es einen Betriebsrat gibt.

Bei Betrieben mit Branchentarifverträgen beeinflusst die Existenz eines Betriebsrates die Bezahlung nicht. Das lässt die Schlussfolgerung zu, dass Betriebsräte bei betrieblichen Lohnverhandlungen - zumindest indirekt - auf die Gestaltung des Lohnniveaus Einfluss nehmen können.

  • Mitbestimmung zahlt sich aus
    Mit Betriebsrat gibt's mehr Geld. Zur Grafik

Thomas Zwick: Betriebsräte fördern Lohngleichheit, in: WSI-Mitteilungen 9/2007.

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