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Mit Tarif auch in der Krise stabil Böckler Impuls

Urlaubsgeld: Mit Tarif auch in der Krise stabil

Ausgabe 10/2021

Knapp die Hälfte aller Beschäftigten erhält Urlaubsgeld. Wer in einem Betrieb mit Tarifvertrag arbeitet, hat bessere Chancen auf einen Zuschuss. Darauf ist auch in der Coronakrise Verlass.

In Deutschland erhalten 46 Prozent aller Beschäftigten in der Privatwirtschaft Urlaubsgeld – damit liegt der Anteil in etwa so hoch wie in den vergangenen Jahren. Befürchtungen, wonach Arbeitgeber die Zahlung aufgrund der Coronakrise zusammenstreichen könnten, haben sich im Großen und Ganzen nicht bewahrheitet. Ob jemand Urlaubsgeld bekommt oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab. Der mit Abstand wichtigste ist die Tarifbindung: Von den Beschäftigten in tarifgebundenen Unternehmen bekommen 73 Prozent Urlaubsgeld, ohne Tarifvertrag sind es nur 35 Prozent. Dies ist das Ergebnis einer Online-Befragung des vom WSI betriebenen Internetportals Lohnspiegel.de. Für die Analyse wurden die Angaben von mehr als 57 000 Beschäftigten aus der Zeit zwischen Anfang Mai 2020 und Ende April 2021 ausgewertet.

Unter den Bedingungen der Coronakrise sei das Urlaubsgeld in diesem Jahr für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besonders wichtig, sagt Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs. „Viele Beschäftigte hoffen, nach der langen Zeit des Lockdowns im Sommer wieder in den Urlaub fahren zu können. Aber nicht alle werden sich dies auch leisten können. Gerade im Niedriglohnsektor haben viele Beschäftigte in Kurzarbeit teilweise empfindliche Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. Wer da jetzt Urlaubsgeld bekommt, kann sich glücklich schätzen“, so Schulten.

Die Höhe des tarifvertraglich vereinbarten Urlaubsgeldes fällt je nach Branche sehr unterschiedlich aus: Zwischen 155 und 2558 Euro bekommen Beschäftigte in der mittleren Vergütungsgruppe dieses Jahr als tarifliches Urlaubsgeld, ohne Berücksichtigung von Zulagen und bezogen auf die Endstufe der Urlaubsdauer, sofern der Urlaubsanspruch mit zunehmender Betriebszugehörigkeit ansteigt.

Gegenüber dem Vorjahr hat sich das tarifliche Urlaubsgeld in 7 von 22 untersuchten Branchen erhöht. Die Steigerungen folgten häufig den allgemeinen Tariferhöhungen und lagen meistens zwischen 1,7 und 3,0 Prozent. Den höchsten Zuwachs beim Urlaubsgeld gab es mit 5,9 Prozent für die ostdeutschen Gebäudereiniger, die damit die Angleichung an das Westniveau erreicht haben.

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