Böckler Impuls Ausgabe 17/2016

Aufsichtsräte

Nachhaltig mit Mitbestimmung

Nachhaltige Unternehmensführung ist eher in Firmen anzutreffen, in denen Arbeitnehmer im Aufsichtsrat mitbestimmen.

Unternehmen, die alle Möglichkeiten der Arbeitnehmerbeteiligung ausschöpfen, integrieren Nachhaltigskeitsstrategien mit fast doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit in die Leitlinien der Unternehmensführung wie Firmen ohne Unternehmensmitbestimmung. Das zeigt eine Untersuchung des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB). Der Befund erklärt sich keineswegs dadurch, dass mitbestimmte Unternehmen in der Regel größer sind oder sich in anderer Hinsicht strukturell von Firmen ohne Mitbestimmung unterscheiden, erläutert WZB-Forscher Sigurt Vitols. Den Einfluss von Branche, Umsatz oder Aktionärsstruktur hat der Wissenschaftler herausgerechnet. Für seine Untersuchung hat er den Mitbestimmungsindex MB-ix sowie Auswertungen der Ratingagentur Asset 4 herangezogen, die Informationen zur Nachhaltigkeit von börsennotierten Unternehmen erhebt. Der Datensatz enthält 99 Unternehmen, 16 davon sind überhaupt nicht mitbestimmt, 13 haben in puncto Mitbestimmung die volle Punktzahl. Die Wahrscheinlichkeit, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu verfolgen, beträgt bei voll mitbestimmten Unternehmen 84 Prozent, ohne Mitbestimmung dagegen nur 48 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, in einem CSR-Index, etwa dem Corporate-Responsibility-Index der Bertelsmann Stiftung, gelistet zu sein, ist mit Mitbestimmung dreimal so hoch. Und dass mitbestimmte Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen, ist doppelt so wahrscheinlich wie bei Firmen ohne Mitsprache der Arbeitnehmer. Wenn Arbeitnehmer mitbestimmen, bemühen sich Unternehmen im Schnitt mehr um Transparenz und verantwortungsvolles Wirtschaften. „Um so weniger kann man verstehen, dass das Gesetz, mit dem die Bundesregierung jetzt die europäische CSR-Richtlinie umsetzen will, ausgerechnet für viele Firmen ohne Mitbestimmung gar nicht gelten soll”, sagt Norbert Kluge, Mitbestimmungsfachmann der Hans-Böckler-Stiftung. Außerdem seien die Kriterien für die Berichterstattung zu vage und nicht verbindlich genug. So könnte eine Chance vertan werden, neue Impulse für eine nachhaltige Unternehmensführung zu setzen. 

Artikel als PDF downloaden


Quellen

Sigurt Vitols: Stark mitbestimmte Unternehmen haben Unternehmensverantwortung besser integriert in ihre Corporate Governance (unveröffentlicht), Oktober 2016


zum Inhaltsverzeichnis dieser Ausgabe
zurück

X

Hinweis zur Nutzung von Cookies auf dieser Website

Diese Website benutzt Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Die Nutzung der Cookies können Sie in Ihren Browser-Einstellungen ändern. Wir benutzen außerdem Tracking-Cookies der Tracking-Tools Matomo und Webtrekk. Diese werden nur gesetzt, wenn Sie auf den „Einverstanden“-Button klicken. Solange Sie dies nicht tun, nutzen Sie die Website und Ihre Angebote, ohne dass die genannten Tracking-Tools aktiviert werden. Durch die Betätigung des Einverstanden-Buttons willigen Sie auch in das durch Facebook Insights getätigte Tracking auf der Facebook Fanpage der Hans-Böckler-Stiftung ein. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Einverstanden