Böckler Impuls Ausgabe 15/2016

Wirtschaftspolitik

Mehr Ausgaben, weniger Schulden

Senkt Sparen den Schuldenstand des Staates? Eine Studie, die elf Länder und mehr als 100 Jahre abdeckt, zeigt: nein.

Der Befund ist verblüffend – jedenfalls für alle, die nur in betriebswirtschaftlicher Logik denken: Wenn Staaten mehr ausgeben, als sie zuvor an Steuern eingenommen haben, entwickelt sich ihre Schuldenquote günstiger, als wenn sie stets ausgeglichene Haushalte anstreben. Das geht aus einer Studie der Wirtschaftsprofessoren David McCausland und Ioannis Theodossiou von der Universität Aberdeen in Großbritannien hervor. Offenbar beflügeln kreditfinanzierte staatliche Ausgaben die Wirtschaft – Bruttoinlandsprodukt, Beschäftigung, Steuereinnahmen – so stark, dass die Wirtschaft schneller wächst als die Schulden. Umgekehrt: Sparen um jeden Preis bremst Wachstum wie Steuereinnahmen und führt am Ende zu einem ungünstigeren Verhältnis von Wirtschaftsleistung und öffentlichen Krediten.

Sparpolitik erhöht Arbeitslosigkeit und Armut

Für ihre Berechnungen haben McCausland und Theodossiou die verfügbaren historischen Haushaltsdaten für Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Belgien, Dänemark, Norwegen, Schweden, die USA und Kanada ausgewertet. Die Zeitreihen sind nicht ganz vollständig, aber reichen enorm weit zurück, bis ins Jahr 1881. Einige Lücken in der Statistik, vor allem während der Weltkriege, mussten die Wissenschaftler durch Schätzungen schließen. Angesichts des langen Untersuchungszeitraums fällt dies jedoch kaum ins Gewicht. Ebenso wenig ist das Resultat von der Anwendung eines bestimmten mathematischen Verfahrens abhängig: Die Ergebnisse verschiedener statistischer Ansätze unterscheiden sich nur in Nuancen.

Der gemessene Effekt bleibt „stark und signifikant“, so die Forscher. „Zuwächse bei den Staatsausgaben verringern die Schuldenquote“ auf längere Sicht. Sparpolitik hingegen erhöhe die Schuldenlast. Sie verursache Arbeitslosigkeit, Armut und vergeude das produktive Potenzial vieler Menschen.


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Quellen

 David McCausland, Ioannis Theodossiou: The consequences of fiscal stimulus on public debt: a historical perspective, Cambridge Journal of Economics 4/2016


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