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06.12.2018

Neue Studie

Rente: Ein Fünftel der langjährig Versicherten hat geringe Ansprüche, westdeutsche Frauen besonders betroffen

20 Prozent der Versicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung haben trotz langjähriger Versicherungszeiten nur geringe Rentenansprüche, zeigt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Veröffentlichung. 90 Prozent davon sind Frauen, viele haben lange in Teilzeit gearbeitet und zwischenzeitlich die Berufstätigkeit unterbrochen. Ein stärkerer sozialer Ausgleich in der gesetzlichen Rente würde das Risiko von Altersarmut ebenso reduzieren wie mehr und besser bezahlte Beschäftigung, ergibt die Untersuchung des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Parallel kapitalgestützte Vorsorgeformen, etwa Aktiensparpläne, zu fördern, halten die IAQ-Forscher nicht für sinnvoll, weil sie die Menschen mit dem größten Risiko von Niedrigrenten nicht erreichen würden.

Geringe gesetzliche Renten bedeuten nicht in jedem Fall Armut. Wenn Ansprüche aus anderen Versorgungswerken bestehen, der Partner besser verdient hat oder Vermögen vorhanden ist, können auch Menschen mit kleiner Rente im Alter ihren Lebensstandard halten. Doch weil die gesetzliche Rentenkasse für die große Mehrheit in Deutschland das finanzielle Fundament der Altersvorsorge ist, erhöhen geringe Ansprüche das Risiko stark, sich nach Erreichen der Altersgrenze finanziell einschränken zu müssen. Außerdem gerät das Rentensystem in eine Legitimationskrise, wenn zu viele langjährig Versicherte nur dürftige Leistungen erhalten.

Welche Gruppen besonders häufig Niedrigrenten beziehen, obwohl sie lange Versicherungszeiten aufweisen, haben Prof. Dr. Martin Brussig und Lina Zink vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen mithilfe von Datensätzen von Rentenversicherung und Arbeitsagentur analysiert. Genauer: Wer von den zwischen 1940 und 1947 Geborenen nach wenigstens 30 Versicherungsjahren – die auch beitragsfreie oder beitragsgeminderte Zeiten enthalten können – eine Rente bekommt, die nicht wenigstens zehn Prozent über dem Existenzminimum liegt.

Das ist bei insgesamt jedem Fünften der langjährig Versicherten der Fall. 90 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Bei westdeutschen Frauen sind niedrige Rentenansprüche vor allem eine Folge von langen Kindererziehungszeiten, oft in Kombination mit Minijobs oder langjähriger Teilzeit. Bei ostdeutschen Versicherten beruhen sie oft auf langer bzw. wiederholter Arbeitslosigkeit in den Jahren nach 1990. Weitere Risikofaktoren sind diskontinuierliche Erwerbsbiografien, die durch späte Berufseinstiege, Arbeitslosigkeit, Krankheit und Kindererziehungszeiten geprägt sind. Je mehr Faktoren zusammenkommen, desto höher der Anteil der geringen Rentenansprüche. So liegt in einer relativ kleinen Gruppe von westdeutschen Frauen, bei denen langjährige Teilzeitbeschäftigung in geringem Umfang, Arbeitslosigkeit oder Ausstieg aus der Erwerbstätigkeit nach der Kinderbetreuungsphase zusammenkommen, der Anteil der Niedrigrenten bei 93,5 Prozent – trotz mindestens 30 Versicherungsjahren.

Das Risiko, im Alter mit einer Niedrigrente dazustehen, ließe sich nach Auffassung der IAQ-Forscher deutlich verringern. Ein stärkerer sozialer Ausgleich in der Rentenversicherung und Maßnahmen, die eine stabile vollzeitnahe Beschäftigung bei guter Bezahlung ermöglichen, würden den Betroffenen helfen. Und nicht nur ihnen: Auch der demografische Wandel wäre leichter zu bewältigen, wenn Teilzeitbeschäftigte ihre Arbeitszeit ausweiten könnten und der Niedriglohnsektor eingedämmt würde. Parallel zur gesetzlichen Rentenversicherung neue kapitalgestützte Vorsorgeformen, etwa Aktiensparpläne, zu fördern, hält IAQ-Experte Brussig dagegen nicht für sinnvoll.

Weitere Informationen:

Martin Brussig, Lina Zink: Erwerbsverlaufsmuster von Frauen und Männern mit Niedrigrenten (pdf), Altersübergangsreport 2/2018, November 2018.

Infografik zum Download: in Böckler Impuls 19/2018

Hintergrund: PM zur IMK-Studie „Den demografischen Wandel bewältigen: Die Schlüsselrolle des Arbeitsmarkts“

Kontakt:

Dr. Dorothea Voss
Leiterin Abteilung Forschungsförderung

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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