Böckler Impuls Ausgabe

Arbeitsmarkt

Leiharbeit: Selbst Ingenieure liegen beim Lohn zurück

Auch Hochqualifizierte in Technikberufen werden als Leiharbeiter beschäftigt oder in Fremdfirmen entsandt. Sie verdienen teilweise ein Fünftel weniger als die Stammbeschäftigten.

Ingenieure, IT-Experten und Techniker, die als Leiharbeiter oder von ihren Arbeitgebern in anderen Firmen eingesetzt werden, verdienen in der Regel weniger als Stammbeschäftigte und müssen teilweise länger arbeiten. Trotzdem fällt ihre Arbeitszufriedenheit nicht schlechter aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des WSI, die auf einer Online-Umfrage des Webportals lohnspiegel.de beruht. WSI-Tarifexperte Reinhard Bispinck und Evelyn Stoll haben die Aussagen von über 28.500 Arbeitnehmern in Technikberufen aus den Jahren 2006 bis 2012 ausgewertet. Rund 1.400 der Befragten waren als Leiharbeiter oder im Fremdfirmeneinsatz tätig. „Unsere Untersuchung zeigt deutliche Benachteiligungen dieser Beschäftigten und damit auch konkrete Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Arbeits- und Einkommensbedingungen“, so Bispinck. Die Daten der Stichprobe seien zwar nicht repräsentativ, aufgrund der hohen Fallzahl aber durchaus aussagekräftig.

Einkommen. Der Studie zufolge gibt es ein klares Einkommensgefälle: Die Leiharbeiter verdienen deutlich weniger als andere Beschäftigte. Bei den Ingenieuren beträgt der Abstand zu den Stammkräften 18,4 Prozent, bei den Technikern 18,5 Prozent und bei den IT-Berufen sogar 22,1 Prozent. Außerdem erhalten Leiharbeiter und Arbeitnehmer im Fremdfirmeneinsatz meistens seltener Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Gewinnbeteiligungen.

Tarifbindung. Wichtig für das Einkommen ist auch, ob für die Beschäftigten ein Tarifvertrag gilt oder nicht. Die Tarifbindung wirkt sich bei Stammbeschäftigten und bei Arbeitnehmern im Fremdfirmeneinsatz positiv auf die Lohnhöhe aus. Pro Monat verdienen sie zwischen 150 und 900 Euro mehr als Beschäftigte ohne Tarifbindung. Leiharbeiter profitieren hingegen nicht von Tarifverträgen. Laut Bispinck hängt dies möglicherweise damit zusammen, dass die für Leiharbeiter ausgehandelten Tarife deutlich unter den Branchentarifen liegen. Daher könnten Verleihunternehmen Ingenieure, IT-Experten oder Techniker ohnehin nur gewinnen, wenn sie mehr als den Leiharbeitstarif bezahlen.

Arbeitszeit. Die tatsächliche Arbeitszeit fällt im Vergleich zur vertraglichen Arbeitszeit bei allen Befragten merklich länger aus. Besonders groß ist diese Differenz bei Arbeitnehmern im Fremdfirmeneinsatz. 17 Prozent von ihnen geben eine vertragliche Wochenarbeitszeit von mehr als 40 Stunden an, die tatsächliche Arbeitszeit liegt hingegen bei fast zwei Dritteln über 40 Stunden.

Befristung. Befristete Verträge kommen bei Stammbeschäftigten insgesamt seltener vor als bei Leiharbeitern und Arbeitnehmern, die bei einer Fremdfirma beschäftigt sind. Mit Abstand am stärksten sind Leiharbeiter im IT-Bereich betroffen. Über ein Viertel von ihnen muss sich mit befristeter Beschäftigung begnügen. Von den Stammkräften in der IT-Branche arbeiten laut der Analyse 8,6 Prozent, von den Beschäftigten im Fremdfirmeneinsatz 7,3 Prozent mit einem befristeten Vertrag.

Zufriedenheit. Mit ihrer Arbeit sind die Beschäftigten im Fremdfirmeneinsatz und die Stammbelegschaften überdurchschnittlich zufrieden: Auf einer Skala von 1 bis 5 erreicht ihre Zufriedenheit im Schnitt jeweils den Wert 3,6. Der Wert der Leiharbeiter entspricht mit 3,4 dem Mittelwert für alle Beschäftigten im Lohnspiegel-Datensatz. Die Zufriedenheit mit der Bezahlung fällt bei den Leiharbeitern am geringsten aus: 44 Prozent sind weniger oder überhaupt nicht zufrieden, im Vergleich zu 34 Prozent bei den anderen beiden Beschäftigtengruppen. Nur 5 Prozent der Leiharbeiter, 7 Prozent der Arbeitnehmer im Fremdfirmeneinsatz und 8 Prozent der Stammbeschäftigten sind in jeder Hinsicht mit ihrem Gehalt zufrieden.

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Quellen

Reinhard Bispinck, Evelyn Stoll: Ingenieure, IT-Experten und Techniker in Leiharbeit und Fremdfirmeneinsatz (pdf) – Eine Analyse der Einkommens- und Arbeitsbedingungen auf Basis der WSI-Lohnspiegel-Datenbank, Arbeitspapier 02/2013, Düsseldorf, Februar 2013


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