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Wie wirken Mindestlöhne? Und wie regeln sie unsere europäischen Nachbarn?

Akademiker

Im ersten Job häufig ohne Sicherheit

Jeder dritte Hochschulabsolvent findet als ersten Job nur eine befristete Stelle. Besonders groß ist der Anteil an Hochschulen, in Krankenhäusern und der öffentlichen Verwaltung.

Studieren lohnt sich: Akademiker sind seltener arbeitslos als der Durchschnitt der Bevölkerung. Doch beim Berufseinstieg bekommen auch viele Hochschulabsolventen erst einmal nur eine befristete Beschäftigung: Unter jungen Akademikern mit bis zu einem Jahr Berufserfahrung sind es rund 34 Prozent. In der größeren Gruppe mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung ist jeder Vierte befristet beschäftigt. Das ergab eine Umfrage des Internetportals Absolventen-Lohnspiegel, das vom WSI-Tarifarchiv wissenschaftlich betreut wird.

Die Forscher werteten Daten von rund 4.300 Befragten aus. Die Stichprobe ist nicht repräsentativ, durch die hohe Fallzahl liefert die Untersuchung aber verlässliche Orientierungsgrößen. Sie macht auch deutlich, dass es bei den Befristungen große Unterschiede je nach Branche gibt. Hochschulen und andere Wissenschaftseinrichtungen haben die höchste Quote: Hier sind 81 Prozent der akademisch ausgebildeten Berufsanfänger mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung befristet beschäftigt. Ebenfalls sehr hoch ist der Anteil in der Erwachsenenbildung, in Krankenhäusern und in der öffentlichen Verwaltung und den Sozialversicherungen. Seltener sind Befristungen beispielsweise bei unternehmensbezogenen Dienstleistungen oder im Einzelhandel. Die niedrigsten Quoten weisen die Energieversorgung, die chemische Industrie und der Fahrzeugbau auf. Hier haben lediglich 6 Prozent der Jung-Akademiker einen befristeten Vertrag.

„Wenn sich jeder dritte studierte Berufseinsteiger ersten Jahr mit einer befristeten Tätigkeit zufrieden geben muss, zeigt das einen dringenden Regulierungsbedarf“, sagt WSI-Tarifexperte Reinhard Bispinck. Zumal die befristet Beschäftigten nicht nur bei der Arbeitsplatzsicherheit, sondern auch beim Einkommen im Nachteil seien. Nach den Lohnspiegel-Daten kommen sie auf ein monatliches Durchschnittseinkommen von rund 2.940 Euro. Das sind gut 19 Prozent weniger als die 3.640 Euro, die akademische Berufseinsteiger mit unbefristeter Stelle im Mittel verdienen. Auch hier zeigen sich erhebliche Unterschiede nach Branchen. 

 

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Quellen

Mehr Informationen zu Einstiegsgehältern von Hochschulabsolventen: Internetportal absolventen-lohnspiegel.de (pdf)


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