Forschungsprojekt: Bildung, Erwerbsleben und politische Teilhabe

Chancen für eine inklusive Transformation (BEPoCiT)

Projektziel

Tiefgreifende Transformationsprozesse verändern die Arbeitswelt und können politische Einstellungen prägen. Das Projekt untersucht, wie Digitalisierung, Strukturwandel, demografische Veränderungen und sozial-ökologische Transformation im Erwerbsleben demokratische Einstellungen und politische Teilhabe von Beschäftigten prägen und welche Rolle Bildung, Kompetenzen und Weiterbildung dabei spielen.

Projektbeschreibung

Kontext

Digitalisierung, Automatisierung, demografische Veränderungen und sozial-ökologische Transformation verändern Tätigkeiten, Qualifikationsanforderungen und Beschäftigungsbedingungen. Diese Entwicklungen können bestehende soziale Ungleichheiten verstärken und neue Unsicherheiten für Beschäftigte erzeugen. Gleichzeitig wird in vielen Demokratien eine zunehmende politische Polarisierung und die Verbreitung demokratieferner Einstellungen beobachtet. Erste Studien zeigen, dass wirtschaftliche und arbeitsbezogene Unsicherheiten politische Einstellungen und politisches Verhalten prägen können. Dennoch ist bislang wenig darüber bekannt, wie konkrete Transformationserfahrungen im Erwerbsleben politische Einstellungen und gesellschaftliche Teilhabe in Deutschland beeinflussen. Insbesondere fehlt es an quantitativen Studien, die Veränderungen über die Zeit verfolgen und gleichzeitig Bildungsbiografien, Kompetenzen sowie betriebliche Kontexte berücksichtigen.

Fragestellung

Das Projekt untersucht, wie Transformationsprozesse im Erwerbsleben politische Einstellungen und gesellschaftliche Teilhabe von Beschäftigten beeinflussen. Im Mittelpunkt stehen drei zentrale Fragen:

(1) Wie hängen Digitalisierung, struktureller Wandel, demografische Entwicklungen und sozial-ökologische Transformation mit politischen Einstellungen sowie politischer und sozialer Partizipation zusammen?

(2) Wie verändern sich Einstellungen im Zeitverlauf und welche Transformationsprozesse prägen diese Veränderungen? Dabei interessiert insbesondere die Rolle von Bildung, Kompetenzen und beruflicher Weiterbildung als mögliche Schutzfaktoren gegenüber Unsicherheitserfahrungen.

(3) Welche Beschäftigtengruppen – etwa Niedrigqualifizierte, Migrant:innen, ältere Beschäftigte oder Frauen mit Kindern – sind stärker von Transformationsprozessen betroffen? Welche Folgen ergeben sich für politische Einstellungen und Teilhabe?

Untersuchungsmethoden

Das quantitative Auswertungsprojekt nutzt längsschnittliche Sekundärdaten des Nationalen Bildungspanels (NEPS). Die Verknüpfung mit administrativen Beschäftigungs- und Betriebsdaten (NEPS-ADIAB) ermöglicht die Analyse von individuellen, betrieblichen und branchenspezifischen Transformationsprozessen. Zunächst werden deskriptiv Unterschiede in Transformationserfahrungen und politischen Einstellungen identifiziert. Anschließend werden multivariate Längsschnittverfahren eingesetzt, um Veränderungen über die Zeit und mögliche kausale Zusammenhänge zu untersuchen. Ziel ist es, Gruppen mit ähnlichen Transformationsmustern und politischen Einstellungen und Verläufen zu identifizieren. Durch die Kombination individueller, betrieblicher und regionaler Daten erlaubt das Projekt erstmals eine umfassende Analyse der politischen Folgen von Transformationserfahrungen im Erwerbsleben.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Gundula Zoch
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Kontakt

Dr. Michaela Kuhnhenne
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung