Forschungsprojekt: Open Strategy und Mitbestimmung

Eine Studie über Möglichkeiten und Grenzen offener Strategieansätze in mitbestimmten Unternehmen

Projektziel

Immer mehr Unternehmen öffnen freiwillig ihre Strategiearbeit für die Belegschaft und/oder externe Stakeholder. Ein Phänomen, das man als Open Strategy bezeichnet. Dieses Projekt untersucht, welche Chancen und Risiken diese Entwicklung für die betriebliche und unternehmerische Mitbestimmung birgt – und wie Betriebsräte und Aufsichtsrät:innen diese Prozesse aktiv mitgestalten können.

Projektbeschreibung

Kontext

Strategiearbeit galt lange als Domäne des Top-Managements. Mitbestimmungsrechte, von der Arbeiter:innen-Bewegung erkämpft und rechtlich verankert, haben dem Einflussmöglichkeiten entgegengesetzt, vor allem über Betriebsräte und Arbeitnehmervertreter:innen im Aufsichtsrat. Nun etabliert sich vielerorts unter dem Begriff Open Strategy ein neuer Trend: Unternehmen binden Teile der Belegschaft freiwillig in ihre Strategiearbeit ein, beispielsweise über Workshops, digitale Plattformen oder offene Ideenprozesse. Ziel ist es, betriebliches Wissen zu nutzen, Innovation zu fördern und strategische Entscheidungen besser durchsetzbar zu machen. Für die Mitbestimmung ist diese Entwicklung ambivalent: Offene Strategieprozesse können neue Einflusskanäle für die Interessenvertretung eröffnen, bergen aber zugleich das Risiko, repräsentative Mitbestimmungsstrukturen zu umgehen. Dieses Spannungsfeld wurde bislang weder in der Strategie- noch in der Mitbestimmungsforschung systematisch untersucht.

Fragestellung

Ziel des Projekts ist es, Erkenntnisse zu gewinnen, die Betriebsräten, Arbeitnehmervertreter:innen im Aufsichtsrat und Gewerkschaften praktische Orientierung im Umgang mit offener Strategiearbeit bieten. Drei Forschungsfragen stehen im Mittelpunkt:

1. Welche konzeptionellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen zwischen Open Strategy und institutionalisierter Mitbestimmung?

2. Welche Rolle spielen Mitbestimmungsakteur:innen – Betriebsräte, Aufsichtsrät:innen, Gewerkschaften – bei der Gestaltung offener Strategieprozesse?

3. Wie verändert sich die Rolle der Mitbestimmungsgremien durch Open Strategy – welche neuen Handlungsmöglichkeiten und Risiken entstehen für die Interessenvertretung?

Geschlechtsspezifische Partizipationsmuster und Ansätze einer gendergerechten Gestaltung werden dabei als Querschnittsperspektive systematisch berücksichtigt.

Untersuchungsmethoden

Das Projekt verfolgt einen qualitativen Multiple-Case-Study-Ansatz mit kontrastierend ausgewählten Fallstudien: Unternehmen mit betrieblicher und unternehmerischer Mitbestimmung (Betriebsrat und Arbeitnehmervertreter:innen im Aufsichtsrat) werden Unternehmen mit rein betrieblicher Mitbestimmung gegenübergestellt. Dieser Vergleich ermöglicht es, den Einfluss unterschiedlicher Mitbestimmungskontexte auf offene Strategieprozesse systematisch zu analysieren. Die Datenerhebung umfasst leitfadengestützte Interviews mit Vertreter:innen des Managements, der Mitbestimmung und der Belegschaft sowie Dokumentenanalysen und Sekundärdaten. Die Auswertung folgt einem komparativen Ansatz zur Identifikation übergreifender Muster und fallspezifischer Unterschiede.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Leonhard Dobusch
Universität Innsbruck Institut für Organisation und Lernen

Kontakt

Dr. Stefan Lücking
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung