Forschungsprojekt: Branchenanalyse Hotel- und Gaststättengewerbe

Projektziel

Vor der Corona-Pandemie verbuchte das Gastgewerbe in Deutschland sowohl stetig wachsende Umsatz- als auch Beschäftigtenzahlen. Die Branche baute auf größtmögliche Flexibilität durch die weite Verbreitung von geringfügiger oder saisonaler Beschäftigung und gehört zu den Niedriglohnbranchen in Deutschland. Die Corona-Pandemie hat dieses Geschäftsmodell ins Wanken gebracht.

Projektbeschreibung

Kontext

Viele Beschäftigte werden nicht mehr in die Branche zurückkehren, denn es gibt längst alternative Jobs, auch in anderen Niedriglohnbrachen. Trotzdem gehört das Gastgewerbe mit rund zwei Millionen Beschäftigten nach wie vor zu einer der personalintensivsten Branchen in Deutschland. Die Unternehmen der Branche stehen daher wie nie zuvor unter Druck, die Attraktivität des Gastgewerbes für Beschäftigte zu steigern und die Arbeitsbedingungen aufzuwerten.

Fragestellung

Die vorliegende Branchenstudie analysiert detailliert die Entwicklung von Beschäftigung und Arbeitsbedingungen im Gastgewerbe in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren. Dabei stehen die Fragen im Fokus, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie und die Einführung und Erhöhung des Mindestlohnes auf 12 EUR auf die Beschäftigungssituation in der Branche mit sich gebracht haben.

Untersuchungsmethoden

Die Studie untersucht, wie sich die Beschäftigung in der Branche in der jeweiligen Phase entwickelt hat und welche Auswirkungen die veränderten Rahmenbedingungen für die Beschäftigten hatten. Dafür wurden Branchen- und Beschäftigtendaten der letzten Jahre umfangreich ausgewertet. Darüber hinaus wurden leitfadengestützte Interviews mit Betriebsratsvertreter*innen und Vertreter*innen der Sozialpartner der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) zur Einschätzung der aktuellen Situation und zukünftiger Trends der Branche geführt. Ergänzend sind Ergebnisse der im Sommer 2022 im Auftrag der NGG durchgeführten bundesweiten Beschäftigtenbefragung im Gastgewerbe in die Untersuchung eingeflossen, an der sich mehr als 4.000 Beschäftigte beteiligt haben.

Darstellung der Ergebnisse

Die durch Corona entstandene Personallücke schließt sich derzeit langsam wieder. Fast zwei Drittel des jüngsten Zuwachses entfallen auf Minijobs und zu einem großen Anteil auf ungelernte Kräfte. Sollte dieser Trend anhalten, wird es in der Branche zukünftig noch weniger Fachkräfte geben. Die Mindestlohnerhöhung hatte direkte Auswirkungen auf den Großteil der Beschäftigten im Gastgewerbe – auch wenn durch die hohe Inflation im Jahr 2023 ein Teil der Erhöhung wieder aufgezehrt wird. Dennoch bleibt das Lohngefüge des Gastgewerbes insgesamt niedrig, denn der Großteil der Betriebe zahlt seinen Beschäftigen keinen Tariflohn. Die Branche ist weiterhin eine Niedriglohnbranche. Nicht zuletzt Beschäftigtenumfragen wie aus dem Sommer 2022 weisen darauf hin, dass sich ohne weitere Lohnsteigerungen und bessere Arbeitsbedingungen die Sitution in der Branche nur schwer verändern wird. Ein Drittel der Befragten will die Branche langfristig verlassen und das vor allem aufgrund der niedrigen Entlohnung.