Projektbeschreibung
Kontext
Wohnen ist in der individuellen Lebensführung ein zentraler Aspekt für die Sicherung der Existenzgrundlage. Mit seinen Verteilungswirkungen reproduziert das Wohnversorgungssystem soziale und räumliche Ungleichheiten in der Gesellschaft. Anders als bei Löhnen, Einkommen und Renten gibt es nur wenige bundeweite Studien darüber, wie sich unterschiedliche Wohnverhältnisse in verschiedenen Bevölkerungsgruppen tatsächlich darstellen. Beschreibungen von Wohnungsmärkten und auch von Wohnungskrisen erfolgen meist mit Durchschnittszahlen zu den lokalen Wohnungsmärkten. Ziel dieser Studie ist es, einen vertieften Einblick in die Wechselwirkungen von sozialer Lage und Wohnverhältnissen in den Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohner*innen zu geben.
Fragestellung
1) Wie wohnen die Haushalte in den Großstädten? Eine umfassende Darstellung der Wohnverhältnisse umfasst Informationen zu Wohnungsgrößen, Wohnflächenverbrauch, Mietpreisen und Mietbelastungsquoten.
2) Wie wirken sich Einkommensungleichheiten auf die Wohnverhältnisse aus? Für verschiedene Einkommensgruppen werden die Unterschiede in den Wohnverhältnissen ermittelt.
3) Welchen Einfluss haben die Wohnverhältnisse auf die Struktur der sozialen Ungleichheit in den deutschen Großstädten? Welchen Einfluss haben die Wohnkosten bei der (Re-)produktion von sozialen Ungleichheiten?
4) Gibt es für die verschiedenen Haushaltstypen und Einkommensklassen genügend leistbare und angemessene Wohnungen im Bestand der untersuchten Großstädte?
Untersuchungsmethoden
Für die Studie zur Analyse der Wohnverhältnisse von über 11,8 Millionen Haushalten in den 77 deutschen Großstädten wurden Daten von insgesamt 112.984 Haushalten aus der für die deutsche Bevölkerung repräsentativen Stichprobe des Mikrozensus 2018 herangezogen. Für eine Trendanalyse zu ausgewählten Aspekten der Wohnverhältnisse und der Wohnungsversorgungssituation wurden zudem Mikrozensusdaten der Jahre 2006, 2010, 2014 hinzugezogen. Die Auswertung der Mikrozensusdaten wurde mit den statistischen Analyseprogramm Stata durchgeführt und überwiegend in Tabellen- und Diagrammform sowei in Karten ausgegeben.
Darstellung der Ergebnisse
Mehr als die Hälfte aller Mieter*innen zahlt zu hohe Mieten
Mehr als 4,1 Millionen der insgesamt 8,4 Millionen Mieter*innenhaushalte müssen mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Knapp 26 Prozent leben sogar mit einer bruttowarmen Mietkostenbelastung von mehr als 40 Prozent.
Nur ein Teil dieser sozialen Wohnversorgungslücke könnte durch eine bessere Verteilung des vorhandenen Wohnungsbestandes geschlossen werden. Selbst unter der Annahme einer Idealverteilung aller Wohnungen könnten über 1,5 Millionen Haushalte nicht mit angemessenen und leistbaren Wohnungen versorgt werden. Das entspricht einem Anteil von 18 Prozent der Mieter*innenhaushalte in den Großstädten, die selbst bei optimaler Verteilung des vorhandenen Wohnraums nicht mit leistbaren und angemessenen Wohnungen versorgt werden könnten. Leistbare Wohnungen fehlen für fast alle Einkommensklassen, die Versorgungslücken konzentrieren sich aber vor allem bei Haushalten mit geringen Einkommen, die auf besonders günstige Mieten angewiesen sind.