Projektbeschreibung
Kontext
Spätestens seit Mitte des letzten Jahrzehnts haben sich Nachfrage und Produktion von Chemieerzeugnissen in Richtung wachsender Schwellenländer, insbesondere nach China verschoben, während Europa eher zu den schwachen Wachstumsregionen zählt. Es ist zu erwarten, dass sich diese Entwicklung zukünftig fortsetzen wird. Gemeinsam mit anderen Herausforderungen wie der demografischen Entwicklung oder technologischen Trends (z.B. Digitalisierung) bringt dies Anpassungserfordernisse für Unternehmen und Beschäftigte mit sich, um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Standorte längerfristig zu sichern.
Im Rahmen des Projektes werden diese Anpassungserfordernisse für die Chemieindustrie analysiert und bewertet, um darauf aufbauend mögliche Ansatzpunkte für die Standortverankerung der Unternehmen und Sicherung der Arbeitsplätze in Deutschland ableiten zu können.
Fragestellung
Untersucht werden soll u.a. inwieweit Veränderungen in den globalen Rahmenbedingungen auf Fertigungstiefe (Wertschöpfungsketten), Produktpalette oder Nachfragestruktur gewirkt haben.
Hinzu kommen Fragen zu wichtigen technologischen Trends, zukünftigen Marktpotenzialen und Anwendungsfeldern. Wie werden sich die Strukturen der Branche zukünftig verändern?
Welche Unternehmensstrategien werden verfolgt? Welche Kriterien für die Standortwahl werden angelegt?
Wie verändern sich die Tätigkeiten und die Anforderungen an die Beschäftigten (Stichwort Digitalisierung)? Was bedeutet das für Ausbildung und Qualifizierung, Arbeitsbedingungen und strategische Personalentwicklung? Was bedeutet dies für die Gestaltungsmöglichkeiten der Mitbestimmungsträger?
Untersuchungsmethoden
Die Fragen werden sowohl quantitativ als auch qualitativ untersucht. Dabei wird ein Methodenmix aus Sekundäranalysen sowie Expertengesprächen mit Akteuren aus der Chemieindustrie bzw. deren Umfeld eingesetzt. Die quantitative Analyse wichtiger Branchenkennziffern erfolgte auf Basis von nationalen und internationalen Statistiken, Verbandsangaben und anderen Quellen. Die qualitative Analyse fußt auf umfangreichen Literaturrecherchen, sowie auf leitfadengestützten Expertengesprächen in Unternehmen (Betriebsräte, Geschäftsführung, Personalverantwortliche) und weiteren Branchenexperten (Verbände, Gewerkschaft). Dabei wurden sowohl unterschiedliche Sparten innerhalb der Chemieindustrie als auch unterschiedliche Unternehmensgrößen berücksichtigt.
Darstellung der Ergebnisse
Trotz schwacher Umsatzentwicklung konnte die Bruttowertschöpfung in der deutschen Chemieindustrie in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert werden. Die Beschäftigung ist mittelfristig gewachsen und deutsche Hersteller haben sich verstärkt und erfolgreich auf Auslandsmärkte ausgerichtet. Positiv ist zudem der Zuwachs bei FuE und Investitionen in Deutschland, zu bewerten. Generell werden Investitionen aber verstärkt im Ausland getätigt, um dort Märkte besser erschließen und bedienen zu können. Firmen konzentrieren sich zudem auf innovative, wachsende Felder bzw. anwendungsdefinierte Lösungen und streben gleichzeitig eine stärkere Diversifizierung der Abnehmerstrukturen an.
Als kommende Trends sehen die Experten zum einen die Integration moderner Informationstechnologien (Digitalisierung) über die gesamte Wertschöpfungskette. Die Umsetzung steckt bei vielen Unternehmen aber noch in den Kinderschuhen. Hinzu kommt der Ausbau ressourceneffizienter und nachhaltiger Produktion, die auch als werbewirksamer Wettbewerbsvorteil eingesetzt werden kann. Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung ist die Gestaltung des demografischen und digitalen Wandels zentral.