Forschungsprojekt: Arbeitnehmerherkunft

und betriebliche Arbeitsbeziehungen

Projektziel

Das Projekt beschäftigte sich mit der Bedeutung der betrieblichen Arbeitsbeziehungen für die Integration von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen unterschiedlicher nationaler bzw. ethnischer Herkunft im Betrieb. Qualitative und quantitative Erhebungen in drei Industriebetrieben ergaben, dass der Institution Betriebsrat erhebliche Bedeutung für eine gelingende betriebliche Sozialintegration zukommt.

Veröffentlichungen

Schmidt, Werner und Andrea Müller, 2013. Social Integration and Workplace Industrial Relations: Migrant and Native Employees in German Industry, Relations Industrielles/Industrial Relations, 68(3), S. 361-386.

, 2012. Tagungsdokumentation: Gleichbehandlung und Antirassismus in Betrieb und Verwaltung / Vorstand, Mach meinen Kumpel nicht an!, Essen: für Gleichbehandlung, gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus e.V., 27 Seiten.

Schmidt, Werner, 2007. Betriebliche Arbeitsbeziehungen: Zwischen Kollegialität und Differenzen, WISO Diskurs, S. 35-48.

Schmidt, Werner, 2007. Arbeitsbeziehungen und Sozialintegration in Industriebetrieben mit Beschäftigten deutscher und ausländischer Herkunft, Industrielle Beziehungen, 14(4/2007), S. 334-356.

Schmidt, Werner, 2006. Kollegialität trotz Differenz. Betriebliche Arbeits- und Sozialbeziehungen bei Beschäftigten deutscher und ausländischer Herkunft, Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung 78, Berlin: edition sigma, 271 Seiten.

Schmidt, Werner, 2006. Pragmatische Zusammenarbeit. Kollegialität und Differenz bei Beschäftigten deutscher und ausländischer Herkunft in Industriebetrieben, Zeitschrift für Soziologie, 6, S. 465-484.

Projektbeschreibung

Kontext

Das Zusammenarbeiten und die Partizipation von ArbeitnehmerInnen unterschiedlicher Herkunft im Betrieb fand in Deutschland bisher relativ geringe wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Überraschend ist dies insofern, als Erwerbstätigkeit eines der zentralen Motive von Migration ist und der Betrieb sowohl für einen großen Teil der Migranten als auch der deutschen ArbeitnehmerInnen ein wichtiges Feld darstellt, in dem herkunftsübergreifende soziale Beziehungen tatsächlich stattfinden. Die wenigen bisher vorliegenden Studien vermitteln kein einheitliches Bild, sprachen jedoch dafür, dass ethnisch begründetem Selbst- und Fremdverständnis in den Betrieben durchaus Bedeutung zukommt. Der Forschungsstand war jedoch zu disparat, um über die tatsächliche Situation gesicherte Aussagen treffen und der betriebs- und gesellschaftspolitischen Relevanz des Themas gerecht werden zu können.

Fragestellung

Die Studie fragte erstens danach, welche Bedeutung die Herkunft der Beschäftigten für die Position in der betrieblichen Statushierarchie hat, wie sich die strukturelle Inkorporation von Beschäftigten ausländischer Herkunft von denen deutscher Herkunft unterscheidet und worauf sich vorkommende Unterschiede gründen. Die zweite Frage galt den Beziehungen zwischen den Beschäftigten unterschiedlicher Herkunft im Arbeitsalltag der Betriebe. Drittens wurde nach der wechselseitigen Relevanz der betrieblichen Arbeitsbeziehungen, insbesondere der Arbeit der Betriebsräte und der strukturellen Inkorporation von Beschäftigten ausländischer Herkunft, sowie den Beziehungen zwischen Beschäftigten verschiedener Herkunft gefragt. Viertens wurde nach der gesellschaftlichen Funktion von Betrieben und Arbeitswelt für die soziale Integration einer herkunftsheterogenen Erwerbsbevölkerung gefragt.

Untersuchungsmethoden

Im Mittelpunkt der Untersuchung standen drei betriebliche Fallstudien aus Industriebetrieben der Metall- und Elektroindustrie bzw. der chemischen Industrie. Es wurden sowohl qualitative als auch quantitative Erhebungsmethoden eingesetzt. Erstens wurden Interviews bzw. Gruppendiskussionen mit Managern, Betriebsräten und Beschäftigten geführt (47 Gespräche mit zusammen 93 Personen), zweitens eine schriftliche Arbeitnehmerbefragung durchgeführt (553 auswertbare Fragebogen, Rücklaufquote 43,7% im Durchschnitt der Betriebe) sowie drittens betriebliche Lohn- und Gehaltsstatistiken ausgewertet.

Darstellung der Ergebnisse

Die Untersuchung zeigt, dass Betriebe keine völlig isolierten Inseln sind, die von Herkunftskonflikten gänzlich verschont blieben, doch sie sind allenfalls in seltenen Fällen der Ort, an dem Ressentiments oder Ethnozentrismus entstehen. Aus Sicht der meisten Beschäftigten ausländischer Herkunft ist auf Herkunft zielende Diskriminierung selten. In den Betrieben findet sich eine kooperative und weitgehend kollegiale Form der Beziehungen zwischen den Beschäftigten, die als "pragmatische Zusammenarbeit" bezeichnet werden kann. Diese Form kollegialer Beziehungen wird von der Mehrheit der Beschäftigten gewollt und im Arbeitsalltag aktiv hergestellt und bildet sich unter dem Einfluss der alltäglichen Kooperationsnotwendigkeit, der betrieblichen Arbeitsanforderungen, der Arbeit der Betriebsräte und nicht zuletzt dem indirekten Einfluss externer institutioneller Einflüsse, insbesondere des Betriebsverfassungsgesetzes und der Tarifverträge.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Dr. Werner Schmidt
Forschungsinstitut für Arbeit, Technik und Kultur e.V. (FATK) a.d. Universität Tübingen

Kontakt

Dr. Stefan Lücking
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung