Böckler Impuls Ausgabe 04/2017

Arbeitsmarkt

Viele Praktika bringen wenig

Finanziell lohnen sich die meisten Praktika nicht: Positive Auswirkungen auf das Lohnniveau von Berufseinsteigern sind nur in Ausnahmefällen nachweisbar.

Viele Praktika bringen wenig

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Unter Studierenden ist die Ansicht weit verbreitet, dass man ohne Praxiserfahrung schlechte Karten am Arbeitsmarkt hat: 83 Prozent der deutschen Hochschulabsolventen haben mindestens ein Praktikum abgeleistet, so Bernd Frick und Michael Maihaus. Die Wirtschaftswissenschaftler von der Universität Paderborn haben untersucht, ob sich die Abstecher ins Berufsleben später wirklich auszahlen. Den Ergebnissen zufolge ist das äußerst zweifelhaft: Allenfalls Praktika bei besonders renommierten Konzernen erhöhen die Chance auf gut bezahlte Jobs. Andere können sogar kontraproduktiv sein.

Für ihre Studie haben Frick und Maihaus Befragungsdaten von knapp 74.000 Studierenden sowie gut 11.000 Berufseinsteigern mit Hochschulabschluss ausgewertet. Um festzustellen, wie sich Praktika auf das erwartete Einstiegsgehalt der Studierenden beziehungsweise das tatsächliche Einstiegsgehalt der Absolventen auswirken, haben sie andere Faktoren wie das Geschlecht, das Studienfach oder die Abschlussnote herausgerechnet. Generell gibt es demnach keinen signifikanten Zusammenhang. Positive Effekte von 4 bis 13 Prozent ergeben sich nur dann, wenn man ausschließlich sogenannte Top-Praktika betrachtet – bei einem DAX-Unternehmen, einer der zehn größten Banken, einer der fünf größten internationalen Unternehmensberatungen oder einem der laut Umfragen 25 „besten Arbeitgeber“. Wenn man die Analyse dagegen auf Tätigkeiten bei anderen Betrieben beschränkt, ändert sich das Vorzeichen: Je mehr „Standard-Praktika“ Studierende absolvieren, desto weniger verdienen sie beim Berufseinstieg im Vergleich zu Kommilitonen mit ansonsten identischen Voraussetzungen. Die Erklärung der Forscher: Wer sich reihenweise als Praktikant bei beliebigen Unternehmen verdingt, statt sich aufs Studium zu konzentrieren, dürfte auf Arbeitgeber einen wenig zielstrebigen Eindruck machen.

Quelle

Bernd Frick, Michael Maihaus: The (ir-)relevance of internships, Die Betriebswirtschaft 5/2016