Böckler Impuls Ausgabe 16/2014

Gesundheit

Vertretung nützt Patienten

Wenn sich Krankenschwestern und -pfleger gewerkschaftlich organisieren, profitieren auch die Patienten: Laut einer US-amerikanischen Studie geht die Zahl der medizinischen Komplikationen zurück.

Gewerkschaften sind in erster Linie dazu da, sich für die Interessen von Arbeitnehmern einzusetzen. Wie sich dieser Einsatz auf die Arbeitsleistung auswirkt, haben Arindrajit Dube von der University of Massachusetts Amherst, Ethan Kaplan von der University of Maryland College Park und Owen Thompson von der University of Wisconsin Milwaukee am Beispiel von Krankenschwestern empirisch untersucht. Das Ergebnis: Klinikbeschäftigte, die von einer Gewerkschaft vertreten werden, leisten bessere Arbeit, die sich positiv auf die Gesundheit ihrer Patienten auswirkt.

Das Pflegepersonal böte sich als Untersuchungsobjekt an, weil Kliniken gesetzlich verpflichtet seien, den medizinischen Zustand ihrer Patienten detailliert zu dokumentieren, schreiben die Ökonomen. Daher gebe es umfangreiche und verlässliche Informationen zu den Arbeitsergebnissen dieser Berufsgruppe. Für ihre Studie haben die Autoren einen amtlichen Datensatz ausgewertet, der die Entlassungsprotokolle sämtlicher Personen enthält, die zwischen 1998 und 2005 in einem kalifornischen Krankenhaus in Behandlung waren. Als Maßstab für die Arbeitsleistung der Krankenschwestern betrachten sie, wie häufig gesundheitliche Probleme auftreten, die nachweislich mit der Qualität von Krankenpflege zusammenhängen. Dazu gehören beispielsweise Blutvergiftungen oder Thrombosen. Als weitere Datenquelle dienten Aufzeichnungen des National Labor Relations Board, das für betriebliche Abstimmungen zur Zulassung von Gewerkschaften zuständig ist. Solche Abstimmungen sind in den USA vorgeschrieben, wenn sich Beschäftigte von einer Gewerkschaft vertreten lassen wollen. In 50 von 616 kalifornischen Kliniken haben entsprechende Wahlen stattgefunden, 39 waren erfolgreich.

Diejenigen Krankenhäuser, deren Beschäftigte sich für eine gewerkschaftliche Vertretung entschieden haben, schneiden bei der Patientengesundheit deutlich besser ab: Sie weisen laut Regressionsanalyse sowohl im Vergleich zu Betrieben, deren Personal nie abgestimmt hat, als auch zu Häusern, wo die Gewerkschaft gescheitert ist, bei 12 der 13 untersuchten Krankheitsbilder geringere Fallzahlen auf. Besonders ausgeprägt ist der positive Effekt bei Störungen des zentralen Nervensystems, deren Häufigkeit um mehr als die Hälfte sinkt. Stoffwechselstörungen gehen um mindestens 17 Prozent zurück. Der Qualitätszuwachs scheint im Jahr der erfolgreichen Wahl am größten, zugleich aber langfristig stabil zu sein. Das deute auf einen kausalen Zusammenhang hin.

Als Erklärung für ihren Befund verweisen Dube, Kaplan und Thompson zum einen auf die höheren Löhne, die Gewerkschaften in der Regel durchsetzen und die zu mehr Motivation beitragen. Zum anderen dürfte auch das Gefühl, mehr mitbestimmen zu können, nach ihrer Einschätzung die Arbeitsmoral positiv beeinflussen. Zugleich sinke erfahrungsgemäß die Fluktuationsrate. Darüber hinaus seien Gewerkschaften oft in der Lage, Verbesserungen beim Personalschlüssel und der Arbeitsbelastung durchzusetzen. Dadurch hätten die Krankenschwestern mehr Zeit für den einzelnen Patienten und seien weniger erschöpft.

Artikel als PDF downloaden


Quellen

Arindrajit Dube, Ethan Kaplan, Owen Thompson: Nurse Unions and Patient Outcomes (pdf), IZA Discussion Paper Nr. 8259, Juni 2014


zum Inhaltsverzeichnis dieser Ausgabe
zurück

X

Hinweis zur Nutzung von Cookies auf dieser Website

Dieses Portal verwendet Cookies zur Optimierung der Browserfunktion. Die Cookie-Einstellungen für diese Website sind auf „alle Cookies zulassen“ festgelegt. Wenn Sie fortsetzen bzw. diesen Hinweis schließen, ohne Ihre Einstellungen zu ändern, stimmen Sie diesen zu.



Mehr Informationen zu Cookies