Gesundheit

Angezeigte und bestätigte Berufskrankheiten 1992–2014

Erläuterungen      zurück zur Übersicht des Themenbereichs

Frauen sind sehr viel seltener von Berufskrankheiten betroffen als Männer. Dies gilt für angezeigte wie auch für bestätigte Berufskrankheiten: Von Männern werden mehr als doppelt so viele Berufskrankheiten wie von Frauen gemeldet. Auch bei den bestätigten Berufskrankheiten ist die Anzahl der Fälle unter den Frauen deutlich geringer als unter den Männern.

Von Frauen angezeigte Berufskrankheiten werden zu einem höheren Anteil auch tatsächlich anerkannt als bei Männern. 2014 wurden fast zwei Drittel der von Frauen angezeigten Berufskrankheiten bestätigt, bei den Männern lag die Anerkennungsrate bei nur 45 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der von Männern angezeigten Berufskrankheiten aber mehr als doppelt so hoch wie die der Frauen.

Zwischen 1992 und 2014 haben die angezeigten Berufskrankheiten von Frauen und Männern zunächst abgenommen, sind jedoch in den letzten zehn Jahren der Betrachtung wieder gestiegen. Bei den Frauen erreichten die angezeigten Berufskrankheiten 2014 mit fast 22.000 Fällen den höchsten Wert des gesamten Betrachtungszeitraums.Die Anzahl der bestätigten Berufskrankheiten ist bei Frauen und Männern in den letzten sechs Jahren ebenfalls merklich angestiegen. Für das Jahr 2014 ist für beide Geschlechter der Höchstwert innerhalb des Betrachtungszeitraums zu konstatieren. Er beträgt für Frauen über 13.500 Fälle, für Männer über 23.000 Fälle.

Große Unterschiede zwischen Frauen und Männern zeigen sich zudem hinsichtlich der diagnostizierten Ursachen. 2014 sind fast 90 Prozent der Frauen mit bestätigten Berufskrankheiten von Hautkrankheiten (z. B. Ekzeme) betroffen. Dagegen sind Berufskrankheiten unter Männern nur zu etwas über einem Drittel auf Hautkrankheiten zurückzuführen (Tendenz steigend). Ein weiteres Drittel der Fälle bei Männern machen Erkrankungen aufgrund physikalischer Einwirkungen (z. B. Erkrankungen aufgrund von Lärm) aus. Knapp ein Viertel der Fälle bei Männern ist auf Erkrankungen der Atemwege, d.h. der Lungen, des Rippen oder Bauchfells (z. B. Erkrankungen aufgrund von Staub) zurückzuführen (Tendenz abnehmend).

Auffällig ist, dass sich für Frauen ein stärkeres Missverhältnis zwischen den diagnostizierten Ursachen der angezeigten und der bestätigten Berufskrankheiten zeigt als für Männer. Rund zwei Drittel aller angezeigten Berufskrankheiten von Frauen gehen auf Hautkrankheiten zurück. Allerdings sind Hautkrankheiten bei Frauen sogar zu rund 90 Prozent die Ursache für die Anerkennung einer Berufskrankheit. Bei den Männern zeigt sich eine deutlich geringere Diskrepanz in der Relation der Ursachen für anerkannte und bestätigte Berufskrankheiten. Eine mögliche Erklärung für diesen Unterschied könnte die horizontale geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes (1) sowie die damit zusammenhängende sich schwerpunktmäßig auf einige Berufsbereiche beziehende Liste der gesetzlich festgelegten Berufskrankheiten sein.



Bearbeitung: Svenja Pfahl, Dietmar Hobler, Sonja Weeber


Literatur


Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Schabram, Greta (2014): Horizontale Segregation des Arbeitsmarktes 2011. In: WSI GenderDatenPortal.

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) (2013): Geschäfts- und Rechnungsergebnisse der gewerblichen Berufsgenossenschaften und unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand 2013, Paderborn.

Gesundheitsberichterstattung des Bundes (2009): Methodische Erläuterungen zur Erfassung und Bewertung von Indikatoren zu Arbeitsunfällen, www.gbe-bund.de, letzter Zugriff am 22.01.2015.

Zell, Lothar (1999): Vorgehen bei Verdacht auf Berufskrankheit, in: Deutsche medizinische Wochenschrift Nr. 124, Seite 1536 -1537.


(1) Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Schabram, Greta (2014): Horizontale Segregation des Arbeitsmarktes 2011. In: WSI GenderDatenPortal.

Datentabellen zu den Grafiken

 


 

 


 


Methodische Anmerkungen

Den Betrachtungen liegen Daten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) über Berufskrankheiten zugrunde. Die Unfallversicherungsträger sind gesetzlich verpflichtet, jährlich statistisches Material aus ihrem Geschäftsbereich zu erstellen und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales vorzulegen. Diese Übersichten der Unfallversicherungsträger werden bei den Spitzenverbänden der Unfallversicherungsträger (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung und Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften) gesammelt. Die zusammengestellten Daten stellen eine Vollerhebung der Unfallversicherung dar. Die Versicherungsverhältnisse werden dabei einzeln erfasst, auch wenn bei einzelnen Personen Mehrfachversicherungen vorliegen. Die abgebildeten Daten wurden auf Anfrage von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zur Verfügung gestellt.

Zu den einzelnen Unfallversicherungsträgern, die dem Dachverband der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung angehören, zählen die gewerblichen Berufsgenossenschaften und See-Berufsgenossenschaften, die Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand, die Feuerwehrunfallkassen, die Eisenbahn-Unfallkasse sowie die Unfallkassen Post und Telekom.

Die gesetzliche Unfallversicherung erstreckt sich auf verschiedene Personengruppen. Die weitaus größte Gruppe darunter bilden die Arbeitnehmer/innen und die ihnen gleichgestellten Personen (z.B. Personen während einer beruflichen Aus- und Fortbildung, im Interesse des Gemeinwohls tätige Personen sowie landwirtschaftliche Unternehmer/innen und die dort mitarbeitenden Personen). Zusätzlich sind auch Personen, die ihrer allgemeinen Meldepflicht nach den Vorschriften des Arbeitsförderungsrechts (SGB III) nachkommen, versichert (z.B. Arbeitslose). (1)



(1) Gesundheitsberichterstattung des Bundes (2009): Methodische Erläuterungen zur Erfassung und Bewertung von Indikatoren zu Arbeitsunfällen, www.gbe-bund.de, letzter Zugriff am 22.01.2016.

Berufskrankheit: Die Definition von Berufskrankheiten ist gesetzlich festgelegt. Als Berufskrankheiten gelten nur Krankheiten, die in der deutschen Berufskrankheiten-Verordnung aufgelistet sind. Im Sozialgesetzbuch (SGB) VII, § 9, Abs. 1 heißt es: „Berufskrankheiten sind Krankheiten, die die Bundesregierung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates als Berufskrankheiten bezeichnet und die Versicherte infolge einer den Versicherungsschutz nach § 2, 3 oder 6 begründenden Tätigkeit erleiden. Die Bundesregierung […] [kann] solche Krankheiten als Berufskrankheiten [bezeichnen], die nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft durch besondere Einwirkungen verursacht sind, denen bestimmte Personengruppen durch ihre versicherte Tätigkeit in erheblich höherem Grade als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sind [...]“. Die Neufassung der Berufskrankheiten-Verordnung gilt seit 1997 (davor: Fassung von 1968). Das Bundeskabinett verabschiedete 2009 die 2. Verordnung zur Änderung der Berufskrankheiten-Verordnung. Seitdem wurde der Katalog um insgesamt fünf Berufskrankheiten ergänzt (z. B. Erkrankungen des blutbildenden und des lymphatischen Systems, Lungenkrebs aufgrund von Asbestfaserstaub, Gonarthrose durch Kniebelastung). Es handelt sich hierbei folglich um einen relativ fixen Katalog von Berufskrankheiten, der nur in sehr großen Zeitabständen den Veränderungen in der Arbeits- und Medizinwelt durch neu hinzukommende Krankheitsbilder angepasst wird. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass die Berufskrankheiten-Verordnung noch weitestgehend auf eine von Männern dominierte Arbeitswelt zugeschnitten ist und insbesondere psychische Belastungen weniger beachtet. (1)

Die gesetzlich festgelegte Liste der Berufskrankheiten (Anlage 1 zu § 177 ASVG) teilt sich in folgende Hauptbereiche:

  1. Durch chemische Einwirkungen verursachte Krankheiten (z. B. Metalle, Erstickungsgase, Lösemittel)
  2. Durch physikalische Einwirkungen verursachte Krankheiten (z. B. mechanische Einwirkung, Druckluft, Lärm, Strahlen)
  3. Durch Infektionserreger oder Parasiten verursachte Krankheiten sowie Tropenkrankheiten
  4. Erkrankungen der Atemwege und der Lungen, des Rippenfells und Bauchfells (z. B. durch Staub)
  5. Hautkrankheiten (z. B. Ekzeme)
  6. Krankheiten sonstiger Ursache

Die Kategorien in den vorliegenden Abbildungen stützen sich auf die o.g. Hauptbereiche. „Krankheiten sonstiger Ursache“ fassen das „Augenzittern“ sowie „Krankheiten nach § 9 Abs.2 SGB VII“ zusammen: „Die Unfallversicherungsträger haben eine Krankheit, die nicht in der Rechtsverordnung bezeichnet ist oder bei der die dort bestimmten Voraussetzungen nicht vorliegen, wie eine Berufskrankheit als Versicherungsfall anzuerkennen, sofern im Zeitpunkt der Entscheidung nach neuen Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft die Voraussetzungen für eine Bezeichnung nach Absatz 1 Satz 2 erfüllt sind.“

Angezeigte Berufskrankheiten: 
Der Begriff der angezeigten Berufskrankheit bezeichnet den Status des Antrags auf die Anerkennung bzw. die Meldung beim zuständigen Landesamt für medizinischen Arbeitsschutz. Solange ein Berufskrankheitsfall nicht bestätigt ist, gilt er als angezeigt. Ärzt/innen, Zahn-ärzt/innen und Unternehmen sind bei begründetem Verdacht gesetzlich dazu verpflichtet, Anzeige einer Berufskrankheit zu stellen (siehe § 193 und § 202, SGB VII). Versicherte, Krankenkassen und andere Stellen sind ebenfalls berechtigt, Berufskrankheiten anzuzeigen. (2)

Bestätigte Berufskrankheiten: 
Für die Bestätigung bzw. Anerkennung einer Erkrankung als Berufskrankheit, „muss zwischen versicherter Tätigkeit und schädigender Einwirkung sowie zwischen dieser Einwirkung und der Erkrankung ein rechtlich wesentlicher ursächlicher Zusammenhang bestehen.“ (3) In die Bestätigung von Berufskrankheiten sind verschiedene Instanzen, wie der betreffende Unfallversicherungsträger (z. B. Berufsgenossenschaft), das Landesamt für medizinischen Arbeitsschutz und spezielle Fachgutachter/innen involviert. So kann die Meldung von Berufskrankheiten entweder bei den staatlichen (Landes-) Gewerbeärzt/innen oder beim zuständigen Unfallversicherungsträger eingereicht werden. Die Organisation und Durchführung des Verfahrens liegt beim Unfallversicherungsträger. (4)

Durch die Anerkennung einer Berufskrankheit können die Betroffenen eine durch die Sozialversicherung finanziell geförderte Umschulung in einen neuen Beruf und die notwendige Umgestaltung des Arbeitsplatzes bzw. der Wohnung erhalten sowie eine (Teil-)Rente beziehen.

Die bestätigten Fälle der Berufskrankheiten müssen sich nicht auf die im selben Jahr angezeigten Fälle von Berufskrankheiten beziehen, da die Anerkennungsverfahren sich über den Jahreswechsel und darüber hinaus erstrecken können. Antrags- und Bestätigungsjahr müssen daher nicht identisch sein.


(1) DGUV – Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2013): Geschäfts- und Rechnungsergebnisse der gewerblichen Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand 2013, Paderborn, Seite 29.

(2) DGUV – Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2013): Geschäfts- und Rechnungsergebnisse der gewerblichen Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand 2013, Paderborn, Seite 30.

(3) a. a. O., Seite 29.

(4) Zell, Lothar (1999): Vorgehen bei Verdacht auf Berufskrankheit, in: Deutsche medizinische Wochenschrift, Nr. 124, Seite 1536-1537.

PDF-Download

Grafikblatt mit Grafiken, Tabellen und Erläuterungen herunterladen (pdf)


Download der Grafiken

Mit Klick auf eine Grafik können Sie diese in hoher Auflösung herunterladen.

Die Nutzung der Grafiken ist frei, wenn die Quelle "WSI GenderDatenPortal, Hans-Böckler-Stiftung" genannt wird
und keine Änderungen an Inhalt und Aussage der Grafiken vorgenommen werden.

X

Hinweis zur Nutzung von Cookies auf dieser Website

Diese Website benutzt Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Die Nutzung der Cookies können Sie in Ihren Browser-Einstellungen ändern. Wir benutzen außerdem Tracking-Cookies der Tracking-Tools Matomo und Webtrekk. Diese werden nur gesetzt, wenn Sie auf den „Einverstanden“-Button klicken. Solange Sie dies nicht tun, nutzen Sie die Website und Ihre Angebote, ohne dass die genannten Tracking-Tools aktiviert werden. Durch die Betätigung des Einverstanden-Buttons willigen Sie auch in das durch Facebook Insights getätigte Tracking auf der Facebook Fanpage der Hans-Böckler-Stiftung ein. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Einverstanden