Einkommen

Gender Pension Gap bei eigenen Alterssicherungsleistungen 1992–2015

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Unter Berücksichtigung aller drei Säulen der Alterssicherung, d. h. der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) bzw. Beamtenversorgung (BV), der betrieblichen und der privaten Alterssicherung, betrug die Rentenlücke 2015 insgesamt 53 Prozent. Frauen bezogen folglich ein um 53 Prozent niedrigeres Alterssicherungseinkommen als Männer. Diese Lücke ist im Zeitverlauf gesunken und in Ostdeutschland mit 28 Prozent weitaus geringer als in Westdeutschland mit 58 Prozent.

Eine detailliertere Betrachtung (vgl. Deutscher Bundestag 2017, Loose 2015, Faik/Köhler-Rama 2012) zeigt, dass die Rentenlücke bei verheirateten und verwitweten Personen, bei Rentenbeziehenden mit niedrigem Berufsabschluss, bei Personen mit einer höheren Zahl von Kindern, bei älteren Rentenbeziehenden und bei Rentnerinnen und Rentnern in Westdeutschland besonders hoch ist.

So beträgt die Rentenlücke für verheiratete Frauen in Westdeutschland 64 Prozent und für verwitwete Frauen 62 Prozent, für ledige Frauen hingegen minus 2 Prozent, d. h. unter den Ledigen sind Frauen im Hinblick auf die Alterssicherungsleistungen sogar bessergestellt als Männer. Dies verweist auf den Einfluss der innerfamiliären Arbeitsteilung auf den unterschiedlichen Erwerb von Ansprüchen auf Alterssicherungsleistungen von Frauen und Männern.

Ursächlich für die Rentenlücke sind mehrere Faktoren: Zum einen schlagen sich Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Bezug auf ihre Teilhabe an der Erwerbstätigkeit sowie ihre Erwerbsverläufe, d. h. Zahl und Umfang von Erwerbsunterbrechungen, in den Leistungen nieder. Zum anderen ist die Entgelthöhe relevant, da die Rentenversicherungsbeiträge und dementsprechend die Leistungsansprüche bis zur Beitragsbemessungsgrenze mit dem Entgelt steigen. Die Erwerbseinkommen hängen wiederum oft mit der unterschiedlichen Arbeitszeitdauer in Vollzeit bzw. Teilzeit zusammen.

Insbesondere schlägt sich in der Rentenlücke nieder, dass ältere Frauen in Westdeutschland, deren Erwerbsbiographien stark vom traditionellen Partnerschaftsmodell (dem des männlichen Familienernährers) geprägt sind, über deutlich weniger Erwerbsjahre verfügen als Männer.

Mit jedem neu in die Rente eintretenden Jahrgang nimmt die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern etwas ab, unter anderem deshalb, weil durch die steigende Erwerbstätigkeit der Frauen in den jüngeren Kohorten die Geschlechterunterschiede in Bezug auf die Erwerbsjahre geringer sind.


Bearbeitung: Dr. Peter Sopp, Dr. Alexandra Wagner


Literatur

Deutscher Bundestag (2017): Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Markus Kurth, Kerstin Andreae, Ulle Schauws, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN – Drucksache 18/13037 – Die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen. Drucksache 18/13119 vom 14.7.2017, http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/131/1813119.pdf (14.8.2017)

Faik, Jürgen / Köhler-Rama, Tim (2012): Der Gender Pension Gap. Eine kritische Betrachtung. FaMa-Diskussionspapier 3/2012, Frankfurt/Main. http://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/36460/ssoar-2012-faik_et_al-Der_Gender_Pension_Gap_eine.pdf?sequence=1 (14.8.2017)

Grabka, Markus M. / Jotzo, Björn / Rasner, Anika / Westermeier, Christian (2017): Der Gender Pension Gap verstärkt die Einkommensungleichheit von Männern und Frauen im Rentenalter. In: DIW-Wochenbericht 5, S. 87-96. https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.551603.de/17-5-1.pdf (14.8.2017)

Grabka, Markus M. / Jotzo, Björn / Rasner, Anika / Westermeier, Christian (2017): Veränderung der Erwerbs- und Familienbiografien lässt einen Rückgang des Gender-Pension-Gap erwarten. In: DIW-Wochenbericht 12, S. 235-243.

Loose, Brigitte L. (2015): Aktuelle Daten zur Alterssicherung von Frauen, Berlin. https://arbeitsmarkt-und-sozialpolitik.verdi.de/++file++55b0b9d8ba949b06110012fe/download/09.07.15%20Loose%20fin.pdf (14.8.2017).

TNS Infratest Sozialforschung (2016): Alterssicherung in Deutschland 2015 (ASID 2015). Endbericht, München. Erschienen als Forschungsbericht des BMAS 474/Z, http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/Forschungsberichte/fb-474z-alterssicherung-deutschland-2015.pdf?__blob=publicationFile&v=1 (14.8.2017).

TNS Infratest Sozialforschung (2016): Alterssicherung in Deutschland 2015 (ASID 2015). Methodenbericht, München. Erschienen als Forschungsbericht des BMAS 474/M, http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/Forschungsberichte/fb-474m-alterssicherung-deutschland-2015.pdf?__blob=publicationFile&v=3 (14.8.2017).

Datentabelle zur Grafik

Methodische Anmerkungen

Die Analyse basiert auf den Daten der repräsentativen Untersuchung zur „Alterssicherung in Deutschland 2015“ (ASID 2015), die von TNS Infratest Sozialforschung durchgeführt und durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) 2017 veröffentlicht wurden (TNS Infratest Sozialforschung 2016). Die ASID wird periodisch alle vier Jahre erhoben und wurde 2015 bereits zum achten Mal durchgeführt. Die repräsentative Befragung bezieht sich auf die Einkommens- und Lebenssituation der älteren Generation (Personen ab 55 Jahren). Dabei werden Informationen zur Art und Höhe von individuellen Einkommen sowie der Einkommen der Ehepartner – eigenen und abgeleiteten Leistungen – erhoben. Diese Angaben sind in den Statistiken der gesetzlichen Rentenversicherung bzw. der anderen Alterssicherungssysteme nicht vorhanden. 2015 wurden darüber hinaus zusätzliche Fragen zum Rentenübergang gestellt.

Die Rentenlücke bzw. der Gender Pension Gap bezeichnet die prozentuale Lücke zwischen den durchschnittlichen eigenen Alterssicherungseinkommen der Frauen und den durchschnittlichen eigenen Alterssicherungseinkommen der Männer.

Die Formel lautet:

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