Studien zur Weiterbildung von Betriebsräten

Auf Betriebsräte kommen immer höhere Anforderungen zu. Deshalb muss sich auch die Bildungsarbeit weiterentwickeln. In einer Reihe von kleineren Pilotstudien hat die Hans-Böckler-Stiftung zwischen 2003 und 2010 Fragen der Weiterentwicklung der Bildungsarbeit für Betriebsräte behandelt.


Unten sind Links zu einigen dieser Einzelstudien, hier geht es zu einer zusammenfassenden Darstellung mit Daten und Fakten zum Thema: Bildungsarbeit für Arbeitnehmervertretungen. Bericht (pdf)

Berufslaufbahnen von Betriebsräten
Das Motto "Einmal Betriebsrat - immer Betriebsrat" und die damit vorgezeichnete Berufslaufbahn von freigestellten Betriebsratsmitgliedern genoss in der Vergangenheit eine gewisse Selbstverständlichkeit. Inzwischen mehren sich jedoch die Anzeichen, dass eine fortdauernde Freistellung bis zur Rente immer weniger die Regel sein wird. Damit stellt sich die Frage nach dem Übergang in Berufstätigkeit im Anschluss an das Betriebsratsmandat. Betriebsratsmitglieder gewinnen insbesondere dann, wenn sie lange freigestellt waren Kompetenzen hinzu, die sie für neue und von ihrer ursprünglichen Berufstätigkeit abweichende Tätigkeiten innerhalb und außerhalb des Betriebs qualifizieren. Eine Studie von Soziale Innovation (Dortmund) bringt durch Befragung von Betriebsratsmitgliedern, Betriebsratsgremien und Personalverantwortlichen Licht in dieses bisher weitgehend unbeachtete Themenfeld. Freigestellte Betriebsratsmitglieder sind gut beraten ihre berufliche Entwicklung aktiv zu betreiben. Berufsentwicklungsplanung wird damit ein an Gewicht gewinnendes Thema sein. Damit wird auch die berufsbezogene Weiterbildung für Betriebsräte über ihre Betriebsratsarbeit hinaus an Bedeutung gewinnen.
Jürgenhake, J./ Sczesny, C./ Füsers, F., Berufslaufbahnen von Betriebsratsmitgliedern, Edition 263
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Aufstiegsqualifizierung für Betriebsräte
In einer explorativen Studie hat Prof. Dr. Hermann Kotthoff (TU Darmstadt) 2003 den von Betriebsratsmitgliedern größerer Unternehmen geäußerten Bedarf und potenzielle Angebote untersucht. Ergebnis: Während die einen Unterstützung beim Aufstieg in eine Managementposition wünschen, haben die anderen eine qualifizierte Weiterbildung in Ökonomie und Management zur Professionalisierung ihrer Betriebsratstätigkeit im Blick. Auf der Wunschliste steht eine Art "Akademie für Betriebsräte".
Hermann KotthoffAufstiegsqualifizierung für Betriebsräte

Marktstudie zu den Anbietern von Weiterbildung für Betriebs- und Aufsichtsräte
Eine Studie der EDU-CON GmbH (Rheine) hat 2009 den Anbietermarkt der Weiterbildung für Arbeitnehmervertreter in Betriebs- und Aufsichtsräten untersucht. Von 187 befragten Instituten antworteten 53, die quantitativ den überwiegenden Teil des Marktes abdecken. Bei ihnen nahm in 2008 rechnerisch etwa jedes fünfte Betriebsratsmitglied an Seminaren teil. Bei den Arbeitnehmervertretern in Aufsichtsräten lag die Teilnahmequote mit 16 % etwas niedriger. Institute in gewerkschaftlicher Trägerschaft und "freie" Anbieter teilen sich den Markt je etwa zur Hälfte.
Gertrud Hovestadt, Institute zur Schulung betrieblicher Arbeitnehmervertreter

Repräsentative Befragung von Betriebsratsmitgliedern
Um die Interessen von Betriebsratsmitgliedern an und Erfahrungen mit ihrer eigenen Weiterbildung zu erkunden, hat das Institut UP/Team im Frühjahr 2005 eine repräsentative Befragung durchgeführt. Ergebnis: Betriebsratsmitglieder sind sehr "weiterbildungsinteressiert", nehmen Angebote gewerkschaftlicher, gewerkschaftsnaher und kommerzieller Träger wahr und beurteilen sie differenziert. Erstklassige Referenten, gute Pädagogik und Nutzen für die eigene Arbeit stehen im Vordergrund.
Lutz Unterseher/Bernd Palm, Weiterbildungsangebote für Betriebsräte: Konkurrenz und Präferenz

Befragung von Betriebsratsmitgliedern in Lehrgängen
Eine Untersuchung aus dem Jahre 2006 gibt Aufschluss über die Interessen und Ansprüche von Betriebsratsmitgliedern, die an einem Seminar teilnahmen. 825 Betriebsratsmitgliedern wurden durch UP/TEAM (Düsseldorf - Berlin) in Bildungsstätten der Gewerkschaften IG BAU, IG BCE und Gewerkschaft NGG befragt. Viele von ihnen kamen aus kleineren und mittleren Unternehmen und nahmen zum ersten Mal an einem Seminar teil. Wenn man neu im Betriebsrat ist und deswegen auch ein Neuling in der Weiterbildung, sind die Wünsche mehr als bei anderen auf Wissen über die Organisation und Funktionsweise des Betriebsrates als Gremium gerichtet. Alle Befragten erwarteten von einer Weiterbildung neben einer angenehmen Atmosphäre vor allem eine gute didaktische Aufbereitung der Themen sowie Möglichkeiten, sich selbst einzubringen und Kontakte zu knüpfen.
Lutz Unterseher/Bernd PalmWeiterbildung von Betriebsräten: Interessen und Präferenzen (pdf) 

Zur Situation in KMU
Weiterbildungsbedarf und Weiterbildungsverhalten in Mittelbetrieben hat Hermann Kotthoff (TU Darmstadt) in einer explorativen Studie untersucht. Dazu wurden die Betriebsratsvorsitzenden von 30 mittelgroßen und überwiegend mittelständischen Betrieben mehrerer Branchen interviewt. Ergebnis: Weiterbildungsbedarf und Weiterbildungsverhalten der Betriebsratsvorsitzenden sind Aspekte des spezifischen mittelbetrieblichen Handlungskontextes. Etwa die Hälfte der Befragten sucht nach Weiterbildung in den Themenfeldern wirtschaftliche Entwicklung/Managementwissen mit dem Ziel der Optimierung ihrer Aufgabe als "kritische Begleiter des Managements", die andere Hälfte wollen eher ein spezielles Angebot zur Verbesserung der Fähigkeit, dem "Chef Paroli bieten" zu können und dem Betriebsverfassungsgesetz Geltung zu verschaffen. Ein förmlicher Abschluss, etwa auf Hochschulniveau, spielt dabei eine untergeordnete Rolle
Hermann KotthoffWeiterbildung von Betriebsratsvorsitzenden in Mittelbetrieben 
Kurzfassung der Studie als Download (pdf)

Wissenserwerb und Lernverhalten von Betriebsratsmitgliedern
Was veranlasst Betriebsratsmitglieder, sich weiterzubilden, ein Seminar zu besuchen, oder ganz allgemein, nach Informationen zur Lösung von auftretenden Problemen zu suchen? Welche Lern- und Qualifizierungswege bevorzugen sie, welche Rolle spielt dabei der Besuch von Bildungsveranstaltungen? Diesen Fragen ist Gertrud Hovestadt (EDUCON Strategic Education Consulting, Rheine) nachgegangen. Im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung hat sie vorliegende Untersuchungen dazu gesichtet. Ergebnis: Es sind betriebliche Handlungsprobleme, die zur Qualifizierung veranlassen. Der Bedarf an Wissen und Kompetenzen ist auf Anwendung orientiert. Neben förmlichen Bildungsveranstaltungen nutzen Betriebsratsmitglieder auch Bücher, Zeitschriften und Internet und suchen die Lösung von Problemen in Gesprächen mit Experten. Darüber hinaus ist auch der Wunsch nach beruflichem Fortkommen Anlass für eine Qualifizierung.
Gertrud Hovestadt, Wissenserwerb und Lernverhalten von Betriebsräten


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