Mitbestimmung

Frauenanteil in den DGB-Gewerkschaften 2005 - 2017

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Zum Jahresende 2017 zählen die acht DGB-Gewerkschaften mehr als 6 Millionen Mitglieder, davon stellen Frauen ein Drittel. Seit 2005 hat sich der Frauenanteil in den DGB-Gewerkschaften insgesamt um 2 Prozentpunkte erhöht. Die Gesamtzahl der DGB-Gewerkschaftsmitglieder ist seit 2005 – und vor allem in den Jahren 2005 bis 2010 – deutlich zurückgegangen. Auch danach sind die Mitgliederzahlen weiterhin leicht rückläufig. Die Männer waren von diesem Rückgang weitaus stärker betroffen, denn ihre Mitgliederzahl sank um 14 Prozent, während die der Frauen um 6 Prozent zurückging. Infolge des unterschiedlichen Rückgangs von weiblichen und männlichen Mitgliedern ist der Frauenanteil von 2005 bis 2017 leicht angestiegen.

In den einzelnen DGB-Gewerkschaften stellen die Frauen unterschiedliche Anteile an der Gesamtheit aller Mitglieder: Der mit Abstand höchste Frauenanteil findet sich bei der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft). Hier stellen Frauen mit fast 72 Prozent die übergroße Mehrheit aller Mitglieder. Auch bei ver.di (Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft) sind mit 52 Prozent etwas mehr als die Hälfte aller Mitglieder Frauen. Mit 42 Prozent ebenfalls relativ groß ist der Frauenanteil auch bei der NGG (Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten). Demgegenüber liegen die Frauenanteile in den anderen Gewerkschaften bei höchstens einem Viertel und damit deutlich unter
dem DGB-Durchschnitt. Den geringsten Frauenanteil von 18 Prozent weist die IG Metall auf.(1) Ursache für die sehr unterschiedlichen Anteile an Frauen (und Männern) in den Einzel-Gewerkschaften ist die geschlechtsspezifische berufliche Segregation, d. h. die unterschiedliche Verteilung von Frauen und Männer auf Berufsfelder und Branchen.(2)

Trotz des feststellbaren Mitgliederrückgang sind „die Gewerkschaften immer noch die größte zivilgesellschaftliche Organisation in Deutschland, (…) die sich in Tausenden Betrieben für die Rechte der Beschäftigten einsetzt.“(3) Zwischen dem gewerkschaftlichen
Organisationsgrad und der Höhe der Einkommensunterschiede in einem Land besteht dabei ein deutlicher Zusammenhang, wie eine international vergleichende Länderstudie belegt: Während Länder mit niedrigem Organisationsgrad hohe Einkommensunterschiede aufweisen, fallen die Einkommensunterschieden in Länder mit hohem Organisationsgrad deutlich geringer aus.4 Dieser Zusammenhang konnte für die einzelnen Länder auch im Zeitvergleich – über den Zeitraum von 1986 bis 2010 – bestätigt werden: „In den meisten Ländern gehen rückläufige Mitgliederzahlen der Arbeitnehmerorganisationen und die Zunahme der Ungleichheit Hand in Hand.“ 5 Zwar ist die Wirkungsrichtung zwischen gewerkschaftlichen Mitgliederzahlen und Einkommensunterschieden nicht eindeutig, aber der starke Zusammenhang zwischen beiden Größen ist für die meisten Länder belegt.


Bearbeitung: Dietmar Hobler, Svenja Pfahl, Sandra Horvath

 

Literatur

DGB (2018): Regierung muss den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken, Pressemitteilung 004 vom 19.01.2018, http://www.dgb.de/presse/++co++9d356f72-fcf1-11e7-8b6a-52540088cada, letzter Zugriff: 13.03.2018.

DGB (Hrsg.) (2016): einblick – Gewerkschaftlicher Info-Service, Heft 02/2016 vom 01.02.2016, Berlin www.dgb.de/einblick/ausgaben-archiv/2016, letzter Zugriff 13.03.2018.

DGB (o.J.): Die Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes, www.dgb.de/uber-uns/dgb-heute/gewerkschaften-im-dgb, letzter Zugriff 13.03.2018.

DGB (o.J.): Die Mitglieder der DGB-Gewerkschaften 1950-2017, www.dgb.de/uber-uns/dgb-heute/mitgliederzahlen, letzter Zugriff 13.03.2018.

Hans Böckler Stiftung (2016): Organisiert gegen Ungleichheit: Starke Gewerkschaften verhindern, dass die Einkommen auseinanderdriften, in: Böckler Impuls 7/2016, S. 5.

Herzer, Dierk (2016): Unions and Income Enequality: A Heterogenous Panel Co-integration and Causality Analysis, in: LABOUR, März 2016, S. 318 -346.

Hobler, Dietmar / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017): Horizontale Segregation des Arbeitsmarktes 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

 


(1) Hierbei ist zu beachten, dass die absolute Zahl der weiblichen Mitglieder in der IG Metall mit mehr als 400.000 sehr hoch ist. Von allen DGB-Gewerkschaften weist nur ver.di – mit mehr als einer Million Frauen – eine größere Anzahl an Frauen unter den Mitgliedern auf (siehe Datentabellen zu den Grafiken).

(2)Vgl. Hobler, Dietma / Pfahl, Svenja / Horvath, Sandra (2017): Horizontale Segregation des Arbeitsmarktes 2015. In: WSI GenderDatenPortal.

(3) Aussage des DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann, zitiert in: DGB (2018): Regierung muss den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken, Pressemitteilung 004 vom 19.01.2018.

(4) Vgl. Herzer, Dierk (2016): Unions and Income Enequality: A Heterogenous Panel Co-integration and Causality Analysis, in: LABOUR, März 2016.

(5) Organisiert gegen Ungleichheit: Starke Gewerkschaften verhindern, dass die Einkommen auseinanderdriften, in: Böckler Impuls 7/2016, S.5.

Datentabellen zu den Grafiken

 

 


 

 

Methodische Anmerkungen

Die aktuellen Mitgliederzahlen der DGB-Gewerkschaften werden jährlich auf den Internetseiten des DGB veröffentlicht. Neben der Anzahl aller Gewerkschaftsmitglieder werden dabei auch die Mitgliederzahlen für die acht Einzel-Gewerkschaften ausgewiesen. Für alle Einzel-Gewerkschaften liegen zudem Angaben zur Anzahl der Frauen und Männer unter ihren Mitglieder vor.(1)

 


(1) Vgl. DGB (o.J.): Die Mitglieder der DGB-Gewerkschaften 1950 - 2017.

Die Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes:
„Die acht Mitgliedsgewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes verhandeln mit den Arbeitgebern über tarifpolitische Verbesserungen und vertreten ihre Mitglieder in den Betrieben. Sie gewähren ihren Mitgliedern Rechtsschutz bei Arbeits- und Sozialrechtlichen Streitigkeiten. Sie unterstützen ihre organisierten Mitglieder bei Streik, Aussperrung und Maßregelung, bieten Qualifizierung und Weiterbildung, beraten und unterstützen. Zum Beispiel bei arbeitsvertraglichen Fragen, zum Beispiel bei Betriebsratswahlen.“(1)

DGB-Mitglieder:
Zu den DGB-Mitgliedern zählen alle Personen, die Mitglieder einer der 8 Mitgliedsgewerkschaften
sind. Neben Erwerbstätigen können auch Personen, die nicht bzw. nicht mehr erwerbstätig sind, dazugehören, z. B. Personen im Ruhestand, Schüler/innen, Studierende sowie andere nicht erwerbstätige Personen.(2)

 


(1) DGB (o.J.): Die Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

(2) Vgl. DGB (2016): Zuwachs in den Betrieben. In: einblick – Gewerkschaftlicher Info-Service, Heft 02/2016 vom 01.02.2016, S. 5, Berlin.

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