70 Jahre WSI

70 Jahre WSI 1970-1989 Blatt 2

Foto: dpa / Klaus Rose

1970 - 1989

Perspektiven für Vollbeschäftigung

Humanisierung der Arbeit, Verkürzung der Arbeitszeit und eine beschäftigungsorientierte Wirtschaftspolitik  ... der gesellschaftliche Wandel setzte neue Themen für die Forschung des WSI. 


1971: Das WSI des DGB
Die 1970er Jahre: Neuer Name, neue Themen
1986: 40 Jahre WSI
1988: Beginn der Debatte um die inhaltliche Neuausrichtung
 
 

Der politische und gesellschaftliche Umbruch in den 1960er Jahren blieb nicht ohne Auswirkungen auf das Institut. Das Themenspektrum der Forschung erweiterte sich. Die personelle Kapazität wurde aufgestockt, die Institutsverfassung demokratisiert. Heinz Markmann war von 1967 bis 1989 Geschäftsführer des WSI -  zunächst in den Jahren 1971 bis 1973 zusammen mit Friedhelm Farthmann; ab 1976 leitete er das Institut gemeinsam mit Wolfgang Spieker, der dem Institut bis Ende 1994 vorstand.
 

1971   Das WSI des DGB

Auf Beschluss des Kuratoriums erhielt das Institut 1971 seinen heutigen Namen „Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut“.
 


„Das war natürlich ein großer Kraftakt – denn bei allem massiven Einsatz für Unternehmensmitbestimmung und auch – wenn man so will – für gesamtwirtschaftliche Mitbestimmung, für die Mitbestimmung im eigenen Hause war der DGB-Bundesvorstand und waren die Vorstände der einzelnen Gewerkschaften auch nicht gerade sehr begeistert.“

Heinz Markmann (Videokommentar, 2016)


 

Die 1970er Jahre: Neuer Name, neue Themen


„Mit dem Beginn der Beschäftigungskrise in der Mitte der siebziger Jahre, wurden die Forschungsschwerpunkte von tiefgreifenden sozialökonomischen Entwicklungsbrüchen (Arbeitszeitfragen, Mitbestimmung, technischer Wandel) bestimmt. Die entsprechenden Diskussionen und Neuorientierungen der Gewerkschaften zur Massenarbeitslosigkeit und zu Konzepten zur Wiederherstellung der Vollbeschäftigung prägten nachhaltig auch die Arbeiten des WSI.

Klaus Mertsching, FES-Archiv, unter Bezug auf Heinz Markmann/Wolfgang Spieker (Hrsg.), Wissenschaft für Arbeitnehmer und Gewerkschaften. WSI Sonderband, Köln 1986, S. 10f.

 

Die Umbenennung in WSI war Ausdruck einer deutlichen Erweiterung des im Institut bearbeiteten Themenspektrums.

Die neuen Forschungsbereiche „Verteilungsforschung“ und „Gesellschaftspolitik“ widmeten sich sozialpolitischen Themen: Rentenversicherung, Gesundheitspolitik, soziale Sicherung von Frauen und Familien, Bildung und Ausbildung. Die Beschäftigung mit europapolitischen Fragen wurde mit eigenständigen Forschungsreferaten zu „Internationalen Gewerkschaftsfragen“ und „Fragen der westeuropäischen Integration“ aufgewertet.

In den späten 1970er und in den 1980er Jahren rückten zwei neue Themen in den Vordergrund: Zum einen beschäftigte sich das Institut mit der Humanisierung der Arbeit und begleitete mit mehreren Transferprojekten das entsprechende Forschungsprogramm der Bundesregierung. Das zweite Thema war die Arbeitszeitverkürzung. Der gewerkschaftliche Kampf um die Einführung der 35-Stunden-Woche und die Umsetzung der tarifvertraglich vereinbarten Ergebnisse waren Gegenstand intensiver Forschung des WSI.

Die ökonomische Krise und die politische Wende 1982 rückten die Auseinandersetzung um die ansteigende Arbeitslosigkeit und die Einschnitte in das soziale Sicherungssystem in den Vordergrund. In den Folgejahren entwickelte sich die Suche nach wissenschaftlichen Ansätzen für eine „alternative“ beschäftigungsorientierte Wirtschaftspolitik zu einem der wichtigsten Dauerthemen des WSI.


 

1986   40 Jahre WSI


„Das WSI ist um die Anwendung der Ergebnisses seiner Arbeit in gewerkschaftlichem Handeln bemüht und steht in dauerndem Dialog mit allen Zweigen der Wissenschaft, deren Erkenntnisse für Arbeit und Leben der Arbeitnehmer von Interesse sind.“

Ernst Breit, DGB-Vorsitzender, 1986

 

Der Wandel der Beschäftigtenstrukturen, die wachsende Erwerbstätigkeit der Frauen und die  Individualisierung der Lebensverläufe warfen die Frage nach der Zukunft des „Normalarbeitsverhältnisses“ auf. Thema der 40-Jahrfeier des WSI im Jahr 1986 waren die „Perspektiven der Vollbeschäftigung“. Das Institut veröffentlichte ein Schwerpunktheft der WSI-Mitteilungen mit dem Titel „Zukunft der Arbeit“, das die Forschungsergebnisse zur Entwicklung von (Erwerbs-)Arbeit und ihrer sozialstaatlichen Regulierung präsentierte.


 

WSI Mitteilungen 3/1986: Schwerpunktheft „Zukunft der Arbeit“ (pdf)

 

1988   Beginn der Debatte um die inhaltliche Neuausrichtung

1988 rief der DGB-Bundesvorstand eine Arbeitsgruppe ins Leben, die sich mit den inhaltlichen Parallelen von Forschung und Forschungsförderung in WSI und Hans-Böckler-Stiftung auseinandersetzte. Im Januar 1989 wurde beschlossen, das WSI in gesellschaftsrechtlicher, organisatorischer, forschungspolitischer und finanzieller Hinsicht neu auszurichten.
 
 
Tätigkeitsbericht des WSI (Vorwort und Inhalt) 1969 bis 1971 (pdf)
Tätigkeitsbericht des WSI (Vorwort und Inhalt) 1972 bis 1974 (pdf)
Tätigkeitsbericht des WSI (Vorwort und Inhalt) 1975 bis 1977 (pdf)
Tätigkeitsbericht des WSI (Vorwort und Inhalt) 1978 bis 1981 (pdf)

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