70 Jahre WSI

1950-1969

Foto: dpa / Fritz Fischer

1950 - 1969

Gesellschaftlicher Aufbruch

Das WWI war aktiv an den Debatten um die Neuordnung von Wirtschaft und Gesellschaft beteiligt und trug dazu bei, den Positionen der Gewerkschaften öffentliches Gehör zu verschaffen. Mit dem Wirtschaftsaufschwung in den 1960er Jahren konzentrierte sich das Institut stärker auf die Forschung.


1951: Das WWI des DGB
1954: Gründung des Tarifarchivs
1948-1955: Viktor Agartz am WWI
Die 1960er Jahre: Neue Leitung, neue Themen
 
 

Nach seiner Gründung entwickelte sich das WWI recht schnell zu einem stattlichen Forschungsinstitut, in dem Mitte der 1950er Jahre mehr als 50 Personen (darunter etwa die Hälfte Wissenschaftler) beschäftigt waren. Das erste Jahrzehnt in der WWI-Geschichte war durch eine hohe Politisierung geprägt, bei der das Institut in enger Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften in die politischen Auseinandersetzungen jener Jahre involviert war.

1951   Das WWI des DGB

1951 wurde die inhaltliche Anbindung des WWI neu bestimmt: Auf einer Kuratoriumssitzung des Instituts unter Vorsitz des DGB-Vorsitzenden wurde das Institut als „Organ des Deutschen Gewerkschaftsbundes“ definiert.
 

  [Das WWI als „Organ des Deutschen Gewerkschaftsbundes“ sollte] „die Arbeiten des Deutschen Gewerkschaftsbundes auf der Grundlage der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse durch entsprechende Untersuchungen und Veröffentlichungen unterstützen; die sozial- und wirtschaftlichen Forschungen durch die aus seiner Tätigkeit entnommenen Erkenntnisse fördern; die Erkenntnisse anderer wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Forschungsstellen für die Arbeiten der Gewerkschaften nutzbar machen.“

Tätigkeitsbericht des WWI 1950 und 1951, S. 11

„Der gewerkschaftlichen Zielsetzung entsprechend liegt der Schwerpunkt der Institutsarbeit auf der exakten Beobachtung des Zusammenwirkens der Produktivkräfte in Wirtschaft und Betrieb und ihrer methodischen Erforschung. Der Mensch und seine Arbeit im Betrieb sind ein weiteres Erkenntnisobjekt.“

Tätigkeitsbericht des WWI 1954 und 1955, S. 9

 

Tätigkeitsbericht des WWI (Vorwort und Inhalt) 1952 und 1953 (pdf)
Tätigkeitsbericht des WWI (Vorwort und Inhalt) 1954 und 1955 (pdf)
    

 

1954   Gründung des Tarifarchivs

  

 

Das Tarifarchiv wurde 1954 gegründet. Seine Hauptaufgabe seit nunmehr 62 Jahren ist es, das laufende Tarifgeschehen zu dokumentieren und wissenschaftlich auszuwerten.

Der erste Monatsbericht über Tariflohn- und Gehaltsbewegungen im Bundesgebiet und Westberlin erschien am 15. September 1954.
 
Monatsbericht 1 1954 (pdf)
alle Tarifberichte seit 1954
 
 

1948-1955   Viktor Agartz am WWI

In der ersten Hälfte der 1950er prägte Viktor Agartz als Geschäftsführer das WWI. Mit zwei Themen profilierte sich Agartz auch als konzeptioneller Denker. Das brachte ihm zeitweilig den Titel „Cheftheoretiker des DGB“ ein. Seine Vorstellungen zu Mitbestimmung, Wirtschaftsdemokratie und Neuordnung der deutschen Wirtschaft waren maßgeblich für die Programmatik von SPD und DGB. Mit seinen Überlegungen für eine „expansive Lohnpolitik“ entwickelte er ein lohnpolitisches Konzept, das über lange Zeit hinweg die gewerkschaftlichen Debatten prägte.

Nach heftigen politischen Kontroversen insbesondere mit dem DGB-Bundesvorstand schied Agartz Ende 1955 aus dem WWI aus.

Reinhard Bispinck, Thorsten Schulten, Peeter Raane (Hrsg.): Wirtschaftsdemokratie und expansive Lohnpolitik. Zur Aktualität von Viktor Agartz. (VSA-Verlag 2008, Flyer, pdf)

 
 

Die 1960er Jahre   Neue Leitung, neue Themen

Ab 1955 wurde das Institut von Bruno Gleitze geführt. Die Forschungsarbeit wurde intensiviert und um das Thema Konjunkturforschung bereichert. Neben den WWI-Mitteilungen erschienen seit Anfang der 1960er Jahre zwei Buchreihen mit Studien zur Wirtschafts- und Sozialforschung.

Politische Aufmerksamkeit fanden zu jener Zeit vor allem die Arbeiten von Gleitze zu arbeitnehmerorientierten Vermögenspolitik und der Einführung überbetrieblicher Sozialkapitalfonds. Das Konzept war allerdings innerhalb der Gewerkschaften stark umstritten und hatte in Deutschland keine Chance auf Umsetzung. Gleitze wurde nach seiner Berufung zum Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr NRW im Jahr 1966 durch Otto Kunze und Heinz Markmann abgelöst.
 

  Der Wandel in der politischen Szenerie der Jahre 1966 und 1969 bestimmte auch die inhaltliche Arbeit des WWI. Neue Schlagworte wie: „Konzertierte Aktion“, „kurz- und mittelfristige Wirtschaftsprojektionen“, „mittelfristige Finanzplanung“, „Sozialbudget“, charakterisierten die neuen Arbeitsinhalte des WWI in der Zeit der Großen Koalition. Reformen in der Gesellschafts- und Sozialpolitik, verbunden mit einem wirtschaftspolitischen Paradigmenwechsel ab 1969 führten zu einen steigenden Beratungsbedarf des DGB und seiner Gewerkschaften bei Strategien zur Umgestaltung der Zukunft.

Klaus Mertsching, FES-Archiv, unter Bezug auf Heinz Markmann/Wolfgang Spieker (Hrsg.), Wissenschaft für Arbeitnehmer und Gewerkschaften. WSI Sonderband, Köln 1986, S. 10f.

 

Tätigkeitsbericht des WWI (Vorwort und Inhalt) 1959 bis 1962 (pdf)
Tätigkeitsbericht des WWI (Vorwort und Inhalt) 1963 bis 1965 (pdf)
Tätigkeitsbericht des WWI (Vorwort und Inhalt) 1966 bis 1968 (pdf)

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