8. Wie wird sich die Ungleichheit in den nächsten Jahren entwickeln?
Welche Rolle spielen die starke Zuwanderung und der Mindestlohn?

Generell zeigt sich am aktuellen Rand, dass die Ungleichheit der Einkommen und Vermögen wieder im Steigen begriffen ist. So hat seit der Finanz- und Wirtschafskrise die Bedeutung von Vermögenseinkommen zugenommen. Diese wirken wie eine Art Motor der Ungleichheit, da solche Einkommen vor allem einkommensstarken Haushalten zufließen (Schmid und Spannagel 2015). Derzeit gibt es zwei weitere Entwicklungen, die den weiteren Verlauf der Ungleichheit maßgeblich beeinflussen dürften:

Die Ungleichheit könnte sich durch die starke Flüchtlingszuwanderung kurzfristig erhöhen. Langfristig dürfte jedoch die Erwerbstätigkeit unter den Flüchtlingen zunehmen und damit den Anstieg der Ungleichheit etwas bremsen. Die dadurch generierten Einkommen würden die Streuung der Haushaltseinkommen dann wieder verringern. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass dies auf der Annahme beruht, dass das Jahr 2015 eine Ausnahme darstellt und die Einwanderung auf das in der Vergangenheit übliche Niveau zurückgeht.

Neben der Zuwanderung wird auch der Mindestlohn von aktuell 8,84 Euro pro Stunde die weitere Entwicklung der Einkommensungleichheit beeinflussen. Um die Folgen abzuschätzen ist ein Blick auf den Niedriglohnsektor hilfreich. Im Jahr 2012 hatten 15,5 % aller abhängig Beschäftigten und damit etwa 5,25 Millionen Erwerbstätige einen Bruttostundenlohn von unter 8,50 Euro (Amlinger et al. 2014). In dieser Gruppe dürften die meisten von der Einführung des Mindestlohns profitieren. Erste Studien zeigen, dass es seit der Einführung des Mindestlohns gerade in den klassischen Niedriglohnbranchen zu überdurchschnittlich hohen Lohnsteigerungen gekommen ist; in Ost- noch stärker als in Westdeutschland (Amlinger et al. 2016). Daher könnte der Mindestlohn den aktuellen Anstieg der Einkommensungleichheit etwas dämpfen.



Literatur

Amlinger, M., Bispinck, R., Schulten, T. 2014. Niedriglohnsektor: Jeder Dritte ohne Mindestlohn? Ausnahmen vom geplanten Mindestlohn und ihre Konsequenzen (pdf). WSI-Report Nr. 14.

Amlinger, M., Bispinck, R., Schulten, T. 2016. Ein Jahr Mindestlohn in Deutschland - Erfahrungen und Perspektiven (pdf). WSI Report Nr. 28.

Schmid, K. D., Spannagel, D. 2015. Kapitaleinkommen und Einkommensungleichheit in Deutschland. In Thomas Piketty und die Verteilungsfrage. Analysen, Bewertungen und wirtschaftspolitische Implikationen für Deutschland, Hrsg. Peter Bofinger, Gustav A. Horn, Kai D. Schmid, und Till van Treeck. Leipzig: SE Publ.

 

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