5. Welche Faktoren bestimmen die Wahrnehmung von Ungleichheit in Deutschland?

 

Download Grafik (jpg)
Download Daten (xlsx)

Wird das Ausmaß der Ungleichheit in Deutschland falsch eingeschätzt? Eine aktuelle Untersuchung von Niehues (2016) kommt zu dem Schluss, die empfundene Ungleichheit stimme nur geringfügig mit der tatsächlichen Einkommensungleichheit überein. Die wahrgenommene Ungleichheit wird dabei anhand von fünf zur Auswahl stehenden Diagrammen bemessen, welche jeweils verschiedene Gesellschaftstypen beschreiben. Die Mehrheit der Deutschen (52,8%) geht von einer pyramidenförmigen Gesellschaftsform aus, an deren Spitze eine kleine Gruppe steht, während der überwiegende Teil sich am unteren Ende konzentriert. Die tatsächliche Einkommensverteilung zeigt dagegen eine eher zwiebelförmige Verteilung mit einem ausgeprägten Mittelstand. Liegen die Deutschen deshalb aber falsch? Wohl kaum, denn die zu Grunde liegende Befragung zielt nicht explizit auf die Einkommensverteilung sondern ganz allgemein auf den wahrgenommenen Zustand der Gesellschaft.

Neben dem Einkommen gibt es laut UN und OECD weitere bedeutende Faktoren von Ungleichheit wie zum Beispiel Bildung, Vermögen oder Gesundheit. Diese Faktoren tragen maßgeblich zur Wahrnehmung der eigenen Position innerhalb der Gesellschaft bei. Erfasst man diesen subjektiven Status auf einer Skala von 1 bis 10 so zeigt sich, dass Einkommen nur 18,5 % zur Erklärung des eigenen wahrgenommenen Status innerhalb der Gesellschaft beitragen kann (Poppitz 2016). Bildung, Vermögen, Berufsstatus und Familienzugehörigkeit sind mit 23,1% ähnlich wichtig. Daraus lässt sich schließen dass viele Menschen zur Beurteilung von Ungleichheit mehr Faktoren heranziehen als nur Einkommen. Zugleich bleibt ein großer Anteil der Selbstwahrnehmung trotz der zusätzlichen Faktoren ungeklärt (58,5%), auch deshalb weil viele Befragte dazu neigen, sich unabhängig von den genannten Faktoren in der Mitte der Gesellschaft einzuordnen.

Die Antwort auf die Frage, ob das Ausmaß der Ungleichheit in Deutschland falsch eingeschätzt wird, hängt somit von der Definition von Ungleichheit und der entsprechenden Erhebungsmethode ab. Und während die „Pyramidenstruktur“ die Einkommensverteilung nicht zutreffend beschreibt, kommt dieses Muster etwa bei der Verteilung der Vermögen der Datenlage schon recht nahe. 


Literatur

Niehues, J. 2016. Ungleichheit: Wahrnehmung und Wirklichkeit – ein internationaler Vergleich. Wirtschaftsdienst 96, Nr. 1 (22. März 2016): 13–18.

Poppitz, Philipp. 2016. Does self-perception and income inequality match? The case of subjective social status. IMK Working Paper

 

X

Hinweis zur Nutzung von Cookies auf dieser Website

Dieses Portal verwendet Cookies zur Optimierung der Browserfunktion. Die Cookie-Einstellungen für diese Website sind auf „alle Cookies zulassen“ festgelegt. Wenn Sie fortsetzen bzw. diesen Hinweis schließen, ohne Ihre Einstellungen zu ändern, stimmen Sie diesen zu.



Mehr Informationen zu Cookies