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Integration ist ein komplexes Konzept. Ein Einkommen, das es ermöglicht, an dem in der Gesellschaft üblichen Leben teilzunehmen, kann jedoch als eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen von Integration aufgefasst werden. In der Tat knüpft das Konzept der relativen Einkommensarmut an einer solchen gesellschaftlichen Teilhabe an. Menschen, deren Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt, laufen danach Gefahr, aufgrund finanzieller Restriktionen gesellschaftlich ausgegrenzt zu werden. Die Abbildung gibt daher die Armutsquoten unterschiedlicher Einwanderergruppen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik („Insgesamt“) wieder, wobei zwischen der Armut insgesamt und jener der Erwerbstätigen unterschieden wird. Die dargestellten Zahlen erlauben mehrere Schlussfolgerungen:

Erstens unterscheidet sich das Armutsrisiko von Einwanderern stark nach ihrer Herkunft. Ein Vergleich der Daten für Russland, Rumänien und des ehemaligen Jugoslawiens mit den Daten der Vorjahre (2009 – 2013) legt nahe, dass die Unterschiede zwischen den Herkunftsgebieten ziemlich stabil sind und der Einfluss der Einwanderungswelle auf die Armutsquoten bislang eher gering ausfällt. Für Nordafrika und den Orient liegen keine Vergleichsdaten vor. Allerdings sind die in der Fachserie des Statistischen Bundesamtes (verschiedene Jahrgänge) ausgewiesenen Armutsquoten für Einwanderer aus Afrika und dem Nahen und Mittleren Osten im Zeitverlauf sehr stabil.

Zweitens wird deutlich, dass das Armutsrisiko unter den Erwerbstätigen in allen Gruppen niedriger ist als in der jeweiligen Gruppe insgesamt. Erwerbstätigkeit verbessert also auch bei Immigrantengruppen die Chancen auf ein Einkommen, das eine Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht. Allerdings übersteigen die Armutsquoten der erwerbstätigen Einwanderer den Durchschnitt aller Erwerbstätigen („Insgesamt“) bei weitem. Angehörige einiger Einwanderergruppen haben offenbar trotz Erwerbstätigkeit Schwierigkeiten, ein Einkommen zu erwirtschaften, das ein Leben im – positiv verstandenen –gesellschaftlichen Mainstream ermöglicht. Entscheidend sind daher erstens der Umfang und die Qualität der Erwerbsarbeit und zweitens der Anteil der erwerbstätigen Haushaltsmitglieder. Auf der Basis der folgenden Abbildungen wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Arbeitsmarktintegration bei unterschiedlichen Herkunftsgruppen gelungen ist. Nächste Seite ...


Quelle
Statistisches Bundesamt (2015), Sonderauswertung des Mikrozensus, eigene Berechnungen


Anmerkungen
Personen mit eigener Migrationserfahrung.

Die Region „Orient“ umfasst die Nationalitäten Irak, Iran, Syrien, Afghanistan und Pakistan.  Diese Definition weicht damit von der Abgrenzung „Naher und Mittlerer Osten“ beim Statistischen Bundesamt ab.

„Insgesamt": Personen mit und ohne Migrationserfahrung.

Erwerbstätigkeit: Erwerbstätige aller Altersgruppen in Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren.


Literatur
BAMF. 2011. Migranten am Arbeitsmarkt in Deutschland. Integrationsreport. Nürnberg: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Statistisches Bundesamt. Verschiedene Jahrgänge. Bevölkerung mit Migrationshintergrund - Ergebnisse des Mikrozensus. Fachserie 1 Reihe 2.2. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.


Weitere Erläuterungen
Armutsgrenze: Die Armutsgrenze liegt bei 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten. Im Falle einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt die Armutsgrenze bei 1926 Euro.

Armutsquote: Die Armutsquote ist der Anteil von Personen an der Gesamtbevölkerung, deren Einkommen unterhalb der 60 Prozent-Armutsgrenze liegt.

bedarfsgewichtetes Einkommen: Das bedarfsgewichtete Einkommen, auch als Äquivalenzeinkommen  bezeichnet, wird herangezogen, um die Einkommen unterschiedlich großer Haushalte vergleichbar zu machen. Dabei wird berücksichtigt, dass größere Haushalte zwar einen höheren Bedarf an Wohnraum, Lebensmitteln, Kleidung etc. haben, dass in bestimmten Lebensbereichen jedoch auch, z.B. durch die gemeinsame Nutzung von Küche und Bad, gemeinsame Versicherungen etc., geringere Pro-Kopf-Kosten anfallen als in einem Ein-Personen-Haushalt. Zudem wird davon ausgegangen, dass jüngere Kinder einen geringeren Bedarf als Erwachsene haben. Das Äquivalenzeinkommen ergibt sich aus der Summe der Einkommen aller Haushaltsmitglieder, welche anschließend durch einen Wert dividiert wird, der üblicherweise anhand der „neuen OECD-Äquivalenzskala“ bestimmt wird. Der ersten erwachsenen Person im Haushalt wird der Gewichtungsfaktor 1 zugewiesen. Um die Vorteile des gemeinsamen Wirtschaftens zu berücksichtigen, erhalten weitere Personen ab 14 Jahren ein Gewicht von 0,5. Kindern unter 14 Jahren wird ein Gewicht von 0,3 zugewiesen. Das Haushaltseinkommen einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren würde demnach durch den Wert 2,1 dividiert werden.

Einkommensarmut: Als einkommensarm gelten Personen, deren bedarfsgewichtetes Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt, d.h. weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten beträgt. Dabei handelt es sich um ein relatives Armutsmaß, da es sich – in Abgrenzung zur absoluten Armut – am üblichen Lebensstandard einer Gesellschaft orientiert und nicht durch das Unterschreiten des absoluten Existenzminimums gekennzeichnet ist.

mittleres Einkommen: Das mittlere Einkommen, auch Medianeinkommen genannt, ist der Wert, der genau in der Mitte liegt, wenn alle Einkommen aufsteigend geordnet werden.

Nettohaushaltseinkommen: Das Nettohaushaltseinkommen ergibt sich aus den Gesamteinkünften aller Mitglieder eines Haushaltes nach Steuern und Sozialabgaben. Zu diesen Einkünften zählen u.a. das Arbeitnehmerentgelt, Unternehmens- und Vermögenseinkommen sowie staatliche Transferzahlungen und Mietersparnisse durch selbst genutztes Wohneigentum.

 

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