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Die Arbeitsmarktchancen von Einwanderergruppen unterscheiden sich deutlich nach der jeweiligen Herkunft. Dies zeigt sich sowohl bei der Erwerbstätigen- als auch bei der Erwerbslosenquote.

Je höher die Erwerbstätigenquote einer Zuwanderergruppe, desto niedriger ist tendenziell ihre Erwerbslosenquote. Ein Vergleich mit der vorangegangenen Abbildung macht darüber hinaus deutlich, dass sich die Unterschiede hinsichtlich des Armutsrisikos auf unterschiedliche Aussichten am Arbeitsmarkt zurückführen lassen. In der Tat zeigt sich ein sehr enger Zusammenhang zwischen der Erwerbstätigenquote und der Verbreitung von Armut (unter den Erwerbstätigen) in der jeweiligen Einwanderergruppe. Je höher die Erwerbstätigenquote, desto niedriger die Armutsquote (unter den Erwerbstätigen). Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich in Haushalten oftmals Menschen aus einer Bevölkerungsgruppe konzentrieren. Je höher der Anteil der Erwerbstätigen in einer Bevölkerungsgruppe ist, desto größer ist die Chance, dass die Summe der Arbeitseinkommen eines Haushaltes die Armutsschwelle überschreitet.

Zugleich legt dies jedoch auch nahe, dass sich in einigen Einwanderergruppen Armut und Erwerbslosigkeit konzentrieren. Besonders hohe Armutsquoten und schlechte Arbeitsmarktchancen haben dabei die Menschen, die aus Nordafrika und den Ländern des Orients eingewandert sind. Die relativ hohe Armutsquote und schwache Arbeitsmarktperformanz der Einwanderer aus dem ehemaligen Jugoslawien geht, den vorhandenen Daten zufolge, vor allem auf die Serben zurück. Die eingewanderten Serben wiesen schon vor Beginn der aktuellen Einwanderungswelle eine hohe Armutsquote auf und ihre Erwerbstätigenquote hat sich seit 2009 nur um gut 2 Prozentpunkte auf 61,2 Prozent erhöht. Wenn man die Erwerbstätigenquoten verschiedener Nationalitäten von 2014 mit denen des Jahres 2005 vergleicht, dann zeigt sich zwar im Zeitverlauf ein deutlicher Anstieg, die relativen Unterschiede zwischen den Einwanderergruppen bleiben aber weitgehend erhalten. Nun stellt die Herkunft selbst keine wissenschaftliche Erklärung, sondern nur eine Benennung dar, hinter der sich sowohl aggregierte, individuelle Unterschiede  als auch institutionelle Faktoren wie rechtliche Regelungen bezüglich des Arbeitsmarktzuganges und der Anerkennung von Qualifikationen verbergen. Dies führt zu der Frage, welche grundsätzlichen Unterschiede in der Arbeitsmarktpartizipation verschiedener ethnischer Gruppen bestehen. Nächste Seite ...

Quelle
Statistisches Bundesamt (2015), Sonderauswertung des Mikrozensus, eigene Berechnungen


Anmerkungen
Personen mit eigener Migrationserfahrung.

Die Region „Orient“ umfasst die Nationalitäten Irak, Iran, Syrien, Afghanistan und Pakistan.  Diese Definition weicht damit von der Abgrenzung „Naher und Mittlerer Osten“ beim Statistischen Bundesamt ab.

„Insgesamt": Personen mit und ohne Migrationserfahrung.

Erwerbstätigkeit: Erwerbstätige aller Altersgruppen in Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren.


Literatur
BAMF. 2011. Migranten am Arbeitsmarkt in Deutschland. Integrationsreport. Nürnberg: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Statistisches Bundesamt. Verschiedene Jahrgänge. Bevölkerung mit Migrationshintergrund - Ergebnisse des Mikrozensus. Fachserie 1 Reihe 2.2. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.


Weitere Erläuterungen
Armutsgrenze: Die Armutsgrenze liegt bei 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten. Im Falle einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt die Armutsgrenze bei 1926 Euro.

Armutsquote: Die Armutsquote ist der Anteil von Personen an der Gesamtbevölkerung, deren Einkommen unterhalb der 60 Prozent-Armutsgrenze liegt.

bedarfsgewichtetes Einkommen: Das bedarfsgewichtete Einkommen, auch als Äquivalenzeinkommen  bezeichnet, wird herangezogen, um die Einkommen unterschiedlich großer Haushalte vergleichbar zu machen. Dabei wird berücksichtigt, dass größere Haushalte zwar einen höheren Bedarf an Wohnraum, Lebensmitteln, Kleidung etc. haben, dass in bestimmten Lebensbereichen jedoch auch, z.B. durch die gemeinsame Nutzung von Küche und Bad, gemeinsame Versicherungen etc., geringere Pro-Kopf-Kosten anfallen als in einem Ein-Personen-Haushalt. Zudem wird davon ausgegangen, dass jüngere Kinder einen geringeren Bedarf als Erwachsene haben. Das Äquivalenzeinkommen ergibt sich aus der Summe der Einkommen aller Haushaltsmitglieder, welche anschließend durch einen Wert dividiert wird, der üblicherweise anhand der „neuen OECD-Äquivalenzskala“ bestimmt wird. Der ersten erwachsenen Person im Haushalt wird der Gewichtungsfaktor 1 zugewiesen. Um die Vorteile des gemeinsamen Wirtschaftens zu berücksichtigen, erhalten weitere Personen ab 14 Jahren ein Gewicht von 0,5. Kindern unter 14 Jahren wird ein Gewicht von 0,3 zugewiesen. Das Haushaltseinkommen einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren würde demnach durch den Wert 2,1 dividiert werden.

Einkommensarmut: Als einkommensarm gelten Personen, deren bedarfsgewichtetes Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt, d.h. weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten beträgt. Dabei handelt es sich um ein relatives Armutsmaß, da es sich – in Abgrenzung zur absoluten Armut – am üblichen Lebensstandard einer Gesellschaft orientiert und nicht durch das Unterschreiten des absoluten Existenzminimums gekennzeichnet ist.

mittleres Einkommen: Das mittlere Einkommen, auch Medianeinkommen genannt, ist der Wert, der genau in der Mitte liegt, wenn alle Einkommen aufsteigend geordnet werden.

Nettohaushaltseinkommen: Das Nettohaushaltseinkommen ergibt sich aus den Gesamteinkünften aller Mitglieder eines Haushaltes nach Steuern und Sozialabgaben. Zu diesen Einkünften zählen u.a. das Arbeitnehmerentgelt, Unternehmens- und Vermögenseinkommen sowie staatliche Transferzahlungen und Mietersparnisse durch selbst genutztes Wohneigentum.

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