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Um ein Bild von der gegenwärtigen Entwicklung der Kinderarmut vor dem Hintergrund der Einwanderung zu gewinnen ist es sinnvoll, auf Prozessdaten der Bundesagentur für Arbeit zurückzugreifen, welche am aktuellen Rand den August 2015 abdecken.

Asylbewerber und ihre Kinder, die in die Bundesrepublik einreisen, können Anspruch auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz geltend machen. Sobald Asyl gewährt worden ist oder die Ausländer 18 Monate in Deutschland geduldet worden sind, gehen diese Menschen in das etwas weniger restriktive SGB II, landläufig „Hartz IV“ genannt, über. Die Abbildung zeigt, dass die Zahl ausländischer Kinder, die von diesen Leistungen leben, angestiegen ist. Aufgrund der durch das Asylbewerberleistungsgesetz ausgelösten Verzögerung hat der Übergang der Kinder auf das SGB II erst Anfang 2015 an Fahrt aufgenommen und wird sich nach und nach auch in den Armutsquoten niederschlagen.

 

Licht und Schatten

 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Kinderarmut in Deutschland weiterhin auf hohem Niveau verharrt. Immerhin ist sie im Vergleich zu den Höchstständen in der ersten Hälfte der 2000er gesunken und befindet sich nun auf dem Stand von 1996. Die aktuelle Einwanderungswelle wird sich jedoch nach und nach in einem erneuten Anstieg der Armutsquote niederschlagen.

Damit stellt sich die Frage, was getan werden kann, um Kinderarmut zu vermeiden. Wie sowohl die Vergleiche zwischen den Regionen als auch zwischen verschiedenen Einwanderergruppen gezeigt haben, ist die Einbindung in den Arbeitsmarkt entscheidend. Der einfache Grund besteht darin, dass Lohnarbeit für die meisten Familien die einzige Einkommensquelle darstellt, die auf Dauer ein Leben oberhalb der Armutsgrenze ermöglicht. Ein adäquater Mindestlohn kann auch hier einen Beitrag leisten. Ausnahmen vom Mindestlohn für Flüchtlinge sind damit nicht zielführend.

Mindestlöhne beugen dem Armutsrisiko von Familien jedoch nur dann vor, wenn es beiden Elternteilen gelingt, ausreichend viele Stunden zu arbeiten. Dies kann nur unter geeigneten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gelingen. Darüber hinaus ist es sowohl bei der alteingesessenen Bevölkerung als auch bei den Einwanderern nur dann möglich, beide Elternteile in den Arbeitsmarkt zu integrieren, wenn Kinderbetreuungsplätze in ausreichender Zahl und Qualität zur Verfügung stehen.

Die Erfahrungen der Gastarbeiter der 1960er und 1970er Jahre machen jedoch deutlich, dass die Einbindung in den Arbeitsmarkt nur eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für ein Leben im gesellschaftlichen Mainstream ist. Die Gastarbeiter wurden oftmals schon am Tag nach ihrer Ankunft in Deutschland in das Arbeitsleben integriert. Damals bestand allerdings eine enorme Arbeitskräfteknappheit. Am Ende der Vollbeschäftigung waren sie dann die ersten, die ihre Stelle verloren, weil sie über eine nur geringe Qualifikation verfügten und einfache Tätigkeiten ausführten. Sie waren ganz unten und blieben es oftmals. Viele der heutigen Einwandererinnen und Einwanderer sind jung. Die Herausforderung wird daher darin bestehen, sie in einer Weise zu qualifizieren, die es ihnen ermöglicht, zu ihrem eigenen und unserem Nutzen einen Beitrag zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik zu leisten.

 

Quellen

 

Sonderauswertung der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, eigene Berechnungen

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