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Armutsquoten von Familien mit Kindern, welche in der Vergangenheit selbst in die Bundesrepublik eingewandert sind, geben einen Hinweis darauf, was in Zukunft zu erwarten ist.

Ein Vergleich der verschiedenen Armutsquoten1 in der Abbildung zeigt, dass Familien mit Kindern, die aus zentralen Herkunftsgebieten der gegenwärtigen Flüchtlingswelle eingewandert sind, im Vergleich zum Durchschnitt aller Familien mit Kindern („insgesamt“) ein deutlich erhöhtes Armutsrisiko tragen. Bei weitergehenden Analysen muss beachtet werden, dass die Armutsquoten im Zeitverlauf etwas erratisch sind. So stellt der extrem hohe Wert für Serbien insofern einen Ausreißer dar, als die Armutsquote in den Vorjahren um die vierzig Prozent betrug. Bei den anderen Ländern ist die Abweichung von den Werten der Periode 2009 bis 2013 hingegen gering. Vor diesem Hintergrund erscheint es gerechtfertigt davon auszugehen, dass das Armutsrisiko der Familien systematisch nach ihrer Herkunft variiert.

Die Ursachen dieser Unterschiede sind vor allem im Arbeitsmarkt zu suchen. In der Gesamtbevölkerung war die Arbeitslosenquote 2014 mit nur 5,0 Prozent niedriger und die Beschäftigungsquote mit 75,4 Prozent höher als unter den hier betrachteten Einwanderergruppen. Unter den eingewanderten Afrikanern ist die Arbeitslosenquote mit 14,3 Prozent fast dreimal so hoch wie im Bevölkerungsdurchschnitt, während die Beschäftigungsquote nur 56,2 Prozent beträgt. Die entsprechenden Werte für eingewanderte Serben liegen bei 9,7 bzw. 62,4. Zudem liegt der Anteil der ausschließlich geringfügig Beschäftigten unter den Einwanderern aus diesen Herkunftsgebieten über dem Bevölkerungsdurchschnitt, so dass das erzielbare Einkommen eines substantiellen Teils der Beschäftigung von vorn herein eng begrenzt ist.

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass das hohe Armutsrisiko von Familien aus diesen Herkunftsgebieten vor allem auf ihre schlechte Einbindung in den Arbeitsmarkt zurückzuführen ist. Allerdings muss betont werden, dass die hohe Zahl an Flüchtlingskindern sich nicht unmittelbar in einem rapiden Anstieg der (gemessenen) Kinderarmutsquoten niederschlagen wird. Dafür sind vor allem drei Effekte verantwortlich: Erstens sind die Flüchtlinge erst im Laufe des Jahres in der Bundesrepublik eingetroffen. Die Einkommenserhebung durch den Mikrozensus erfolgt aber kontinuierlich. Die Armutsquoten beziehen sich also sinnvoller Weise auf die im Jahresmittel ansässige Bevölkerung. Die durchschnittliche Zahl der Einwandererkinder ist aber im Verhältnis zur ansässigen Bevölkerung geringer als die am Ende des Jahres erreichten Spitzenwerte suggerieren. Zweitens ist zu berücksichtigen, dass ein beachtlicher Teil der Asylbewerberinnen und Asylbewerber in Aufnahmelagern und Gemeinschaftsunterkünften lebt. Am Ende des Jahres 2014 traf dies auf 52.526 Kinder und Jugendliche zu. Die Armutsstatistik erfasst aber nur Privathaushalte, weshalb diese Kinder nicht in die Berechnungen eingehen. Schließlich müssen die realweltlichen Schwierigkeiten der Armutsmessung bei einer derartig mobilen Bevölkerungsgruppe mit oftmals sehr begrenzten Deutschkenntnissen berücksichtigt werden. Es bleibt abzuwarten, inwiefern es der Mikrozensus-Erhebung gelingt, die Einwanderer in die Befragung einzubeziehen und hochzurechnen.

 


1 Die Armutsquoten beziehen sich auf Familien mit Kindern unter 18 Jahren, mit eigener Migrationserfahrung,
   die in Privathaushalten leben. Die Gliederung bezieht sich auf die aktuelle oder ggf. frühere Staatsangehörigkeit.




Weitere Erläuterungen

Armutsgrenze: Die Armutsgrenze liegt bei 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten. Im Falle einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt die Armutsgrenze bei 1926 Euro.

bedarfsgewichtetes Einkommen: Das bedarfsgewichtete Einkommen, auch als Äquivalenzeinkommen bezeichnet, wird herangezogen, um die Einkommen unterschiedlich großer Haushalte vergleichbar zu machen. Dabei wird berücksichtigt, dass größere Haushalte zwar einen höheren Bedarf an Wohnraum, Lebensmitteln, Kleidung etc. haben, dass in bestimmten Lebensbereichen jedoch auch, z.B. durch die gemeinsame Nutzung von Küche und Bad, gemeinsame Versicherungen etc., geringere Pro-Kopf-Kosten anfallen als in einem Ein-Personen-Haushalt. Zudem wird davon ausgegangen, dass jüngere Kinder einen geringeren Bedarf als Erwachsene haben. Das Äquivalenzeinkommen ergibt sich aus der Summe der Einkommen aller Haushaltsmitglieder, welche anschließend durch einen Wert dividiert wird, der üblicherweise anhand der „neuen OECD-Äquivalenzskala“ bestimmt wird. Der ersten erwachsenen Person im Haushalt wird der Gewichtungsfaktor 1 zugewiesen. Um die Vorteile des gemeinsamen Wirtschaftens zu berücksichtigen, erhalten weitere Personen ab 14 Jahren ein Gewicht von 0,5. Kindern unter 14 Jahren wird ein Gewicht von 0,3 zugewiesen. Das Haushaltseinkommen einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren würde demnach durch den Wert 2,1 dividiert werden.

mittleres Einkommen: Das mittlere Einkommen, auch Medianeinkommen genannt, ist der Wert, der genau in der Mitte liegt, wenn alle Einkommen aufsteigend geordnet werden.

Nettohaushaltseinkommen: Das Nettohaushaltseinkommen ergibt sich aus den Gesamteinkünften aller Mitglieder eines Haushaltes nach Steuern und Sozialabgaben. Zu diesen Einkünften zählen u.a. das Arbeitnehmerentgelt, Unternehmens- und Vermögenseinkommen sowie staatliche Transferzahlungen und Mietersparnisse durch selbst genutztes Wohneigentum.


Quellen

Statistisches Bundesamt. 2015. Bevölkerung mit Migrationshintergrund - Ergebnisse des Mikrozensus. Fachserie 1 Reihe 2.2-2014. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.
Statistisches Bundesamt. 2015. Leistungen an Asylbewerber. Fachserie 13 Reihe 7. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.

 

 

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