Dokumentation WSI Herbstforum am 27. und 28.11.2014

Arbeitszeiten der Zukunft: Selbstbestimmt, geschlechtergerecht, nachhaltig!

„Normalarbeitszeit“ verliert immer stärker an Bedeutung – die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen zusehends. Die Flexibilisierung von Arbeitszeiten birgt sowohl Chancen als auch Risiken.

Wie muss eine moderne Arbeitszeitpolitik aussehen? Auf dem WSI-Herbstforum 2014 stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland in vier Plenarsessions und sechs Panels ihre Forschungsergebnisse vor und diskutierten gemeinsam mit fast 300 Gästen über Gestaltungsoptionen und Probleme. In einem Round Table von Gewerkschafter/-innen und Vertretern der Politik und in einem Podiumsgespräch mit Reiner Hoffmann, Vorsitzender des DGB, wurden die Herausforderungen an die Arbeitszeiten der Zukunft aus gewerkschaftlicher Perspektive formuliert.

Programm der Tagung (pdf)
Fotostrecke WSI-Herbstforum 2014
WSI Herbstforum: youtube-playlist

BEGRÜSSUNG UND EINFÜHRUNG

Dr. Reinhard Bispinck (WSI) begrüßt die Gäste und formuliert den Anspruch der Tagung, ganz unterschiedliche Perspektiven der gegenwärtigen Diskussion um Arbeitszeiten aufzugreifen und zusammenzuführen, Forschungsbedarf zu identifizieren und Lösungsansätze zu erarbeiten.

Eröffnungsvortrag (pdf)

ERÖFFNUNGSPLENUM

Professor Dr. Dominique Anxo (Linnaeus University, Schweden), zeigt in seinem Vortrag anhand von fünf unterschiedlichen Alters- und Haushaltskonstellationen, wie sich Arbeitszeiten und Arbeitszeitpräferenzen im Lebensverlauf ändern. Die Mehrzahl der Befragten ist mit ihren Arbeitszeiten zufrieden. Nach wie vor sind die Arbeitszeiten der Frauen stärker von der familiären Situation abhängig. Aus dem Vergleich von sieben EU-Staaten wird insbesondere am Beispiel Schwedens der erheblichen Einfluss institutioneller Faktoren auf die Arbeitszeitverteilung zwischen den Geschlechtern deutlich.

Dr. Christina Klenner (WSI) geht auf zentrale Probleme ein, die sich aus der Verkürzung, Heterogenisierung und Flexibilisierung der Arbeitszeiten in Deutschland ergeben, und leitet daraus politische Anforderungen und gesellschaftlichen Diskussionsbedarf ab: Setzen sich neue Arbeitszeitnormen durch, die mit der Lebensphase variieren? Wer trägt die Kosten für verkürzte (Lebens-)Arbeitszeiten? Welche Regulierungsebene ist angesprochen - Gesetze, Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder individuelle Arbeitsverträge?

Vortrag von Professor Dr. Dominique Anxo (pdf)
Vortrag von Dr. Christina Klenner (pdf)

ROUND TABLE UND VORTRAG

Wie sehen die Arbeitszeiten der Zukunft aus? Thorben Albrecht, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Jörg Hofmann, 2. Vorsitzender der IG Metall, Andrea Kocsis, Stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Professor Dr. Ulrich Mückenberger, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik, und Ida Schönherr, Betriebsratsvorsitzende, BASF Services Europe GmbH, diskutieren gemeinsam über Regulierungsoptionen.

Professor Dr. Geoffrey M. Hodgson (Universität Hertfordshire) setzt sich in seinem anschließenden Vortrag kritisch mit Theorien zum Wandel der Arbeit im Kaptialismus auseinander. Nicht de-skilling oder ein massiver Rückgang der täglichen Arbeitszeit sind zu erwarten, sondern mehr Komplexität und stärker wissensbasierte Arbeit. Eine Politik, die auch gering Qualifizierten die Weiterentwicklung von Wissen und Fähigkeiten ermöglicht, und Lösungen für den Umgang mit zunehmender Ungleichheit sind die Herausforderungen der Zukunft.


 
Vortrag von Professor Dr. Geoffrey M. Hodgson (pdf)

PLENARVORTRAG

Dr. Steffen Lehndorff (IAQ Duisburg) plädiert in seinem Vortrag über individuelle Zeitpräferenzen und gesellschaftliche Standards dafür, den Weg zur kurzen Vollzeit zu bahnen: über variable Arbeitszeiten im Lebensverlauf, neue Schichtmodelle und Arbeitsmarkt- und Steuerreformen.

Vortrag von Dr. Steffen Lehndorff (pdf)

ABSCHLUSSPLENUM

Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), präsentiert in einem Podiumsgespräch Handlungsbedarf und Forderungen für die Zukunft der Arbeitszeitgestaltung aus Sicht der Gewerkschaften. Tarifpolitische Instrumente und betriebliche Vereinbarungen müssen, flankiert durch gesetzliche Maßnahmen, darauf ausgerichtet werden, neue Ansprüche an Zeitsouveränität aus einer Lebenslaufperspektive umzusetzen und Weiterbildung, die Vereinbarkeit von Leben und Arbeit sowie den Schutz vor Entgrenzung zu berücksichtigen.

Dr. Reinhard Bispinck (WSI) stellte in seinem Fazit der Konferenz die Punkte zusammen, die für die weitere Diskussion über Flexibilisierung, Arbeitszeitverkürzung, neue Leistungspolitik und Arbeitszeit im Lebensverlauf wesentlich sein werden: Arbeitszeitpolitik muss Bestandteil eines größeren arbeitspolitischen Reformkonzepts sein. „Aktivierende Arbeitszeitpolitik“, wie von Steffen Lehndorff vorgeschlagen, kann ein wichtiges Leitbild werden. Mit dem WSI-Herbstforum ist ein erster Schritt getan, Elemente für ein neues Arbeitszeitkonzept zu entwickeln.


 
Schlusswort von Dr. Reinhard Bispinck (pdf)

Weiterführende Informationen

Die WSI-Forschung hat sich dem Themenbereich Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen 2014 in einer Vielzahl von Projekten und Veranstaltungen gewidmet. 

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