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Der demografische Wandel lässt sich schon seit längerem am Schrumpfen der Haushaltsgrößen ablesen. Der Anteil von Familien mit Kindern an der Bevölkerung hat seit 1991 stetig abgenommen. Im Gegenzug gibt es mehr Zweiverdiener-, Single- und Rentner-Haushalte. Diese Entwicklungen haben Einfluss auf die gemessene Einkommensungleichheit, da dabei so genannte Äquivalenz-Skalen der Haushaltsgröße Verwendung finden: Zur Berechnung des Pro-Kopf-Einkommens im Haushaltskontext wird das Haushaltseinkommen nicht durch die Anzahl der Köpfe, sondern durch eine modifizierte Haushaltsgröße geteilt, die OECD-weit standardisiert ist („neue OECD-Äquivalenzskala“). Das Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen berücksichtigt, dass größere Haushalte zwar einen höheren Bedarf an Wohnraum, Lebensmitteln, Kleidung etc. haben, dass in bestimmten Lebensbereichen jedoch auch, z.B. durch die gemeinsame Nutzung von Küche und Bad, gemeinsame Versicherungen etc., geringere Pro-Kopf-Kosten anfallen als in einem Einpersonenhaushalt. Zudem wird davon ausgegangen, dass jüngere Kinder einen geringeren Bedarf haben. Veränderungen in der durchschnittlichen Haushaltsgrößen wie auch in der Erwerbsbeteiligung beeinflussen die Einkommensverteilung.

In der Grafik wurde der Wandel der Haushaltsgrößen und -zusammensetzung bei der Berechnung der Einkommensungleichheit (Gini-Koeffizient) berücksichtigt. Hierzu wurde der verwendete Datensatz in 16 Haushaltstypen unterteilt (Datengrundlage: SOEP, siehe WSI Verteilungsbericht 2013). Zur Bildung der Haushaltstypen wurden charakteristische Strukturmerkmale verwendet: Anzahl der Erwachsenen, Anzahl der arbeitenden Personen, Kinder im Haushalt, Renteneinkommen und Arbeitslosigkeit.

Im Vergleich zu 1991 haben sich die Anteile der folgenden Haushaltstypen deutlich verändert: Single-Haushalte mit Arbeit (+4,1 Prozent), Haushalte mit mindestens zwei Personen und Rentenbezug (+3,4 Prozent), Alleinverdiener-Haushalte mit Kindern (-3,9 Prozent) sowie Haushalte mit mindestens zwei Erwerbspersonen und Kindern (-7,2 Prozent).

Mithilfe der so berechneten Daten für die Haushaltsanteile wurden die Gini-Koeffizienten für die Einkommensungleichheit ermittelt, die sich ergeben hätten, wenn die Haushaltstruktur in den weiter zurückliegenden Jahren derjenigen von 2010 entsprochen hätte. Aus der Grafik wird deutlich, dass der Anstieg des Gini-Koeffizienten der realen Markteinkommen von einem höheren Niveau startet als in der unbereinigten Version des Gini-Koeffizienten (vgl. Ungleichheit der Einkommen, 1991-2010). Mit anderen Worten: Die Ungleichheit wäre ohne den Wandel der Haushaltsstruktur über die Zeit weniger deutlich gestiegen, da das Ausgangsniveau höher gelegen hätte als in der tatsächlichen Ausgangsituation. Ähnliches gilt für die verfügbaren Einkommen, wenn auch weniger ausgeprägt als bei den Markteinkommen.

Zusammengefasst gilt: 54,5 Prozent des Anstiegs des Gini-Koeffizienten der realen Markteinkommen können auf den Wandel der Haushaltsstruktur und der Erwerbsbeteiligung zurückgeführt werden. Bei den verfügbaren Einkommen bietet sich ein etwas anderes Bild: Hier beträgt der durch die veränderte Haushaltsstruktur erklärbare Anteil am Anstieg der Ungleichheit nur 28,1 Prozent. Das Steuer- und Abgabensystem sowie der Sozialstaat haben also den durch den Haushaltsstrukturwandel ausgelösten Anstieg der Einkommensungleichheit gedämpft.

Weitere Erläuterungen


bedarfsgewichtetes Einkommen: Das bedarfsgewichtete Einkommen, auch als Äquivalenzeinkommen bezeichnet, wird herangezogen, um die Einkommen unterschiedlich großer Haushalte vergleichbar zu machen. Dabei wird berücksichtigt, dass größere Haushalte zwar einen höheren Bedarf an Wohnraum, Lebensmitteln, Kleidung etc. haben, dass in bestimmten Lebensbereichen jedoch auch, z.B. durch die gemeinsame Nutzung von Küche und Bad, gemeinsame Versicherungen etc., geringere Pro-Kopf-Kosten anfallen als in einem Ein-Personen-Haushalt. Zudem wird davon ausgegangen, dass jüngere Kinder einen geringeren Bedarf als Erwachsene haben. Das Äquivalenzeinkommen ergibt sich aus der Summe der Einkommen aller Haushaltsmitglieder, welche anschließend durch einen Wert dividiert wird, der üblicherweise anhand der „neuen OECD-Äquivalenzskala“ bestimmt wird. Der ersten erwachsenen Person im Haushalt wird der Gewichtungsfaktor 1 zugewiesen. Um die Vorteile des gemeinsamen Wirtschaftens zu berücksichtigen, erhalten weitere Personen ab 14 Jahren ein Gewicht von 0,5. Kindern unter 14 Jahren wird ein Gewicht von 0,3 zugewiesen. Das Haushaltseinkommen einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren würde demnach durch den Wert 2,1 dividiert werden.

Gini-Koeffizient: Der Gini-Koeffizient ist eine Maßzahl, die angibt, wie ungleich Vermögen oder Einkommen in einer Gesellschaft verteilt sind. Der Gini kann Werte zwischen 0 und 1 annehmen. Dabei steht der Wert 0 für die völlige Gleichverteilung. In diesem Fall würde jede Person über exakt gleich viel Einkommen bzw. Vermögen verfügen. Der Wert 1 steht für extreme Ungleichverteilung, d.h. das gesamte Vermögen bzw. Einkommen wäre in den Händen einer einzigen Person konzentriert.

Markteinkommen: Das Markteinkommen umfasst Einkommen aus Löhnen, Zinsen und andere Kapitaleinkünfte sowie Mietersparnisse durch selbst genutztes Wohneigentum, ohne Berücksichtigung von Steuern, Sozialabgaben und Sozialtransfers.

verfügbares Einkommen: Das verfügbare Einkommen gibt an, wie hoch das Einkommen eines Haushalts nach Steuern, Sozialabgaben und Sozialtransfers ist.

Weiterführende Literatur


Peichl, A./Pestel, N./Schneider, H. (2012): Does Size Matter? The Impact of Changes in Household Structure on Income Distribution in Germany, in: Review of Income and Wealth 58 (1), S. 118-141

Unger, B./Bispinck, R./Pusch, T./Seils, E./Spannagel, D. (2013): Verteilungsbericht 2013: Trendwende noch nicht erreicht. WSI Report 10, Nov. 2013.
 

 

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