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Armutsgrenzen dienen der Messung der Armut. In einem Haushalt, dessen Nettohaushaltseinkommen unter der Armutsgrenze liegt, werden alle Haushaltsmitglieder als arm betrachtet. Nach dem von der EU gesetzten Standard liegt die Armutsgrenze bei 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens der Bevölkerung in Privathaushalten.

Bei einem Einpersonenhaushalt waren das 2018 1.035 Euro. Die Armutsgrenzen der anderen Haushaltstypen sind davon abgeleitet. Dadurch wird sowohl den unterschiedlichen Haushaltsgrößen als auch dem geringeren Bedarf von Kindern unter 14 Jahren Rechnung getragen. Die Armutsgrenze für eine alleinerziehende Person mit einem Kind unter 14 Jahren lag 2018 bei 1.346 Euro. Bei den beiden weiteren dargestellten Fällen handelt es sich jeweils um ein Paar mit zwei Kindern. Die Haushalte unterscheiden sich nur hinsichtlich des Alters der Kinder. Da die so genannte OECD-Äquivalenzskala Kindern unter 14 Jahren einen geringeren Bedarf zubilligt, lag die Armutsgrenze der Familie mit den kleinen Kindern bei 2.174 Euro und jener mit den großen Kindern bei 2.588 Euro.

Die Armutsgrenzen sind seit 2005 um gut 40 Prozent gestiegen, weil sie an die Entwicklung der mittleren Einkommen gekoppelt sind. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein Teil des Einkommensanstiegs auf steigende Preise zurückzuführen ist. Nach einer Preisbereinigung verbleibt ein Anstieg von 16,8 Prozent. Haushalte, die 2018 über ein Einkommen verfügen, welches genau ihrer Armutsgrenze entspricht, können sich also knapp 17 Prozent mehr Güter und Dienstleistungen kaufen als es in der gleichen Konstellation 2005 möglich gewesen wäre.

Eine Übersicht zu den Armutsgrenzen aller Haushaltstypen in den Jahren 2005 bis 2018 finden Sie in der Excel-Datei (oben).


Anmerkung: Ab dem Jahr 2011 basieren die Daten auf dem Zensus dieses Jahres. Bis zu diesem Zeitpunkt basiert die Hochrechnung auf der Volkszählung des Jahres 1987. Insofern ist die Interpretation der Daten vor und nach 2011 im Vergleich nur eingeschränkt möglich.


Weitere Erläuterungen

Armutsgrenze:
Die Armutsgrenze liegt bei 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten.

bedarfsgewichtetes Einkommen: Das bedarfsgewichtete Einkommen, auch als Äquivalenzeinkommen bezeichnet, wird herangezogen, um die Einkommen unterschiedlich großer Haushalte vergleichbar zu machen. Dabei wird berücksichtigt, dass größere Haushalte zwar einen höheren Bedarf an Wohnraum, Lebensmitteln, Kleidung etc. haben, dass in bestimmten Lebensbereichen jedoch auch, z.B. durch die gemeinsame Nutzung von Küche und Bad, gemeinsame Versicherungen etc., geringere Pro-Kopf-Kosten anfallen als in einem Ein-Personen-Haushalt. Zudem wird davon ausgegangen, dass jüngere Kinder einen geringeren Bedarf als Erwachsene haben. Das Äquivalenzeinkommen ergibt sich aus der Summe der Einkommen aller Haushaltsmitglieder, welche anschließend durch einen Wert dividiert wird, der üblicherweise anhand der „neuen OECD-Äquivalenzskala“ bestimmt wird. Der ersten erwachsenen Person im Haushalt wird der Gewichtungsfaktor 1 zugewiesen. Um die Vorteile des gemeinsamen Wirtschaftens zu berücksichtigen, erhalten weitere Personen ab 14 Jahren ein Gewicht von 0,5. Kindern unter 14 Jahren wird ein Gewicht von 0,3 zugewiesen. Das Haushaltseinkommen einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren würde demnach durch den Wert 2,1 dividiert werden.

mittleres Einkommen: Das mittlere Einkommen, auch Medianeinkommen genannt, ist der Wert, der genau in der Mitte liegt, wenn alle Einkommen aufsteigend geordnet werden.

Nettohaushaltseinkommen: Das Nettohaushaltseinkommen ergibt sich aus den Gesamteinkünften aller Mitglieder eines Haushaltes nach Steuern und Sozialabgaben. Zu diesen Einkünften zählen u.a. das Arbeitnehmerentgelt, Unternehmens- und Vermögenseinkommen sowie staatliche Transferzahlungen und Mietersparnisse durch selbst genutztes Wohneigentum.

Quellen

Amtliche Sozialberichterstattung des Bundes und der Länder

 

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