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Die Armutsgrenze für Einpersonenhaushalte in Deutschland stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich – sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland. Für Gesamtdeutschland lag die Grenze im Jahr 2005 bei 736 Euro pro Monat. Bis zum Jahr 2018 erhöhte sie sich auf 1035 Euro. Somit galten alle alleinlebenden Personen mit einem monatlichen Nettoeinkommen unterhalb von 1035 Euro im Jahr 2018 als arm.

Auch die Armutsgrenze für Familien mit zwei Kindern hat sich von 2005 bis 2018 beständig erhöht. Familien mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren galten in Deutschland im Jahr 2005 als arm, wenn ihr monatliches Netto­einkommen weniger als 1.545 Euro betrug. In Ostdeutschland lag die Schwelle zur Armut 2005 bei 1.366 Euro und in Westdeutschland bei 1.600 Euro. Die Grenzen verschoben sich bis zum Jahr 2018 auf 2174 Euro für Deutschland bzw. 2229 Euro für West- und 1992 Euro für Ostdeutschland.

Die Armutsgrenzen entwickeln sich der Definition entsprechend parallel zu den Nettoeinkommen. Wenn das mittlere Einkommen steigt, steigt auch immer die Armutsgrenze.

Anmerkung: Ab dem Jahr 2011 basieren die Daten auf dem Zensus dieses Jahres. Bis zu diesem Zeitpunkt basiert die Hochrechnung auf der Volkszählung des Jahres 1987. Insofern ist die Interpretation der Daten vor und nach 2011 im Vergleich nur eingeschränkt möglich.


Weitere Erläuterungen

Armutsgrenze:
Die Armutsgrenze liegt bei 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten.

bedarfsgewichtetes Einkommen: Das bedarfsgewichtete Einkommen, auch als Äquivalenzeinkommen bezeichnet, wird herangezogen, um die Einkommen unterschiedlich großer Haushalte vergleichbar zu machen. Dabei wird berücksichtigt, dass größere Haushalte zwar einen höheren Bedarf an Wohnraum, Lebensmitteln, Kleidung etc. haben, dass in bestimmten Lebensbereichen jedoch auch, z.B. durch die gemeinsame Nutzung von Küche und Bad, gemeinsame Versicherungen etc., geringere Pro-Kopf-Kosten anfallen als in einem Ein-Personen-Haushalt. Zudem wird davon ausgegangen, dass jüngere Kinder einen geringeren Bedarf als Erwachsene haben. Das Äquivalenzeinkommen ergibt sich aus der Summe der Einkommen aller Haushaltsmitglieder, welche anschließend durch einen Wert dividiert wird, der üblicherweise anhand der „neuen OECD-Äquivalenzskala“ bestimmt wird. Der ersten erwachsenen Person im Haushalt wird der Gewichtungsfaktor 1 zugewiesen. Um die Vorteile des gemeinsamen Wirtschaftens zu berücksichtigen, erhalten weitere Personen ab 14 Jahren ein Gewicht von 0,5. Kindern unter 14 Jahren wird ein Gewicht von 0,3 zugewiesen. Das Haushaltseinkommen einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren würde demnach durch den Wert 2,1 dividiert werden.

mittleres Einkommen: Das mittlere Einkommen, auch Medianeinkommen genannt, ist der Wert, der genau in der Mitte liegt, wenn alle Einkommen aufsteigend geordnet werden.

Nettohaushaltseinkommen: Das Nettohaushaltseinkommen ergibt sich aus den Gesamteinkünften aller Mitglieder eines Haushaltes nach Steuern und Sozialabgaben. Zu diesen Einkünften zählen u.a. das Arbeitnehmerentgelt, Unternehmens- und Vermögenseinkommen sowie staatliche Transferzahlungen und Mietersparnisse durch selbst genutztes Wohneigentum.

Quellen

Amtliche Sozialberichterstattung des Bundes und der Länder
 

 

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